Kennt man die Levels, legt man sich eine Ideallinie fest.
Der Nintendo DS hat bisher einige innovative Konzepte zu bieten. Man denke nur an die knuffige Nintendogs-Haustiersimulation mit ausgefallener Sprach- und Touchscreen-Erziehung der kleinen Welpen. Einen absoluten Grafik-Ober-Überhammer gibt es bislang noch nicht im Spiele-Line-up des neuen Handheld. Shin'ens DS-Premiere Nanostray ist nicht nur ein Vertreter des klassischen Shoot-'em-Up-Genres, sondern auch ein perfektes Beispiel dafür, was der DS in grafischer Hinsicht alles draufhat.
Kann mich mal einer zwicken?
Angesichts der grafischen Brillanz glaubt der Spieler zunächst, die Augen würden ihm einen Streich spielen. Alle feindlichen Raumschiffe sind grandios modelliert, geschmeidig animiert und nehmen den eigenen Raumjäger unerbittlich unter Feuer. Nanostray stellt dabei jedes Shooter-Herz mehr als zufrieden: kleine Raumgleiter als Kanonenfutter für die Lasersalve zwischendurch, mittelgroße Kaliber mit einem höheren Balleranspruch und bildschirmfüllende Endgegner, die selbst erfahrenen Zockern einiges abverlangen.
Bei den Hintergründen der insgesamt acht Levels haben die Entwickler ebenso viel Liebe zum Detail bewiesen. Ihr überfliegt beispielsweise eine Lava-Landschaft, die euch vereinzelt Magma-Fontänen in den Weg speit. Ein weiteres Beispiel ist eine malerische Waldlandschaft mit rauen Felsformationen und Flussläufen, deren idyllischer Schein durch eine mächtige Gegnerdichte getrübt wird. Begleitet wird dieses bildgewaltige Baller-Spektakel von Lichteffekten, die im Moment das Nonplusultra auf dem Nintendo DS darstellen.
Der Preis für eine derart famose grafische Performance sind häufige Slowdowns, die bei Nanostray aber nicht als Todsünde anzusehen sind. Zwar sind die unfreiwilligen Verschnaufpausen auf Dauer störend, aber auch eine Gelegenheit, um etwas Ruhe zu finden. Zusammen mit den guten Musikstücken und Soundeffekten, die zwar nicht ganz die Brillanz der Grafik erreichen, ist Nanostray der im Moment technisch beeindruckendste Titel für den DS.
Spielerisch viel verschenkt
Die Entwickler zeigen deutlich, was der DS draufhat.
In spielerischer Hinsicht stören allerdings einige Ungereimtheiten das Shooter-Vergnügen. Bei Nanostray wechselt man zwischen den vier Waffensystemen mithilfe des Touchscreens hin und her. Dadurch muss sich der Spieler für einen kurzen Augenblick vom eigentlichen Geschehen abwenden, wodurch nicht gerade selten ein Bildschirmleben beendet wird. Der sehr hohe Schwierigkeitsgrad fordert ohnehin die volle Konzentration des Spielers und wird durch das Touchscreen-Gefummel empfindlich gestört.
Auch die Tatsache, dass der Spieler während des Adventure-Modus, bei dem man eine Mission nach der anderen in Angriff nimmt, keinerlei Power-ups nachjagen kann, ist etwas demotivierend. Ansonsten funktioniert das Gameplay sehr gut und bietet mit den obligatorischen Smart-Bombs und vier Waffensystemen inklusive Sekundärangriffen eine gute Ausstattung für ein klassisches Shoot 'em Up.
Die Levels sind zudem spielerisch so abwechslungsreich gestaltet, dass der Einsatz aller Waffensysteme nötig ist - durch die Wechselproblematik leider nur bedingt positiv. Zusätzliche Beschäftigung für alle Perfektionisten bietet der Challenge-Modus, bei dem man alle Levels unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise mit nur einem Raumschiff, spielt. Der Zweispieler-Modus funktioniert löblicherweise mit nur einer Cartridge, ist spielerisch deshalb aber stark abgespeckt. Nach kurzer Zeit wechselt man wieder zum Arcade-Modus.
