Midnight Club II

Test Uwe Hönig

Auf dem Hinterrad zum Eiffelturm! Auf dem Hinterrad zum Eiffelturm! In der heutigen Zeit, in der Alltagsfrust und Arbeitslosigkeit regieren, versuchen einige Jugendliche, auf unkonventionelle Art und Weise Dampf abzulassen. Mit ihren getunten Autos treffen sie sich nachts an geheimen Orten in den größten Metropolen der Welt. Anschließend geht es in gefährlichen High-speed-Rennen mitten durch die City, um sich Ruhm, Ehre und das Fahrzeug des Gegners zu verdienen. Auch in Europa hat sich in den letzten Jahren eine wachsende Untergrundszene entwickelt, die sich auch von erhöhter Polizeipräsenz nicht abschrecken lässt. Finden sich nämlich die Cops am Ort des Geschehens ein, wird flugs per Handylawine ein neuer Treffpunkt ausgemacht und der illegale Renntross verstreut sich in alle Himmelsrichtungen. Ganz ähnlich sieht die Sache auch bei Midnight Club II aus, jedoch besteht bei den virtuellen Geschwindigkeitsduellen nicht die Gefahr, das "heilige Blechle" zu schrotten oder gar Unbeteiligte zu verletzen.

Fahrspaß ohne Reue
Außerdem ist die Polizei bei Midnight Club II nicht so lästig wie ihre realen Vorbilder. Trotz menschenverachtender Fahrweise gibt es keinen Führerscheinentzug oder Knast zu befürchten. Durch gezielte Rammaktionen versuchen die Gesetzeshüter lediglich, die Streetracer von der Bahn zu bringen, was zwar nervt, letztendlich aber höchstens den Sieg kostet. Doch bevor Sie sich zum exklusiven Kreis des Straßenrennsyndikates zählen dürfen, müssen Sie sich erst Ihre Sporen verdienen. So beginnen Sie die Karriere mit einem höchst unspektakulären und regelrecht langsamen Fahrzeug, das selbst eingefleischten Auto-Fans unbekannt sein dürfte.

Feuerstühle inklusive
Kein Wunder, schließlich gibt es im ganzen Spiel keinen real existierenden Wagen zu bewundern. Rock-star Games hat es sich dennoch nicht nehmen lassen, die meisten der 28 Boliden sowie die drei Motorräder optisch an echte Vehikel anzulehnen. Richtig gelesen, bei Midnight Club II dürfen Sie sich sogar auf heiße Öfen schwingen und die Straßenrennen in ihrer ursprünglichsten Form genießen. Aber Vorsicht: Erfahrungsgemäß schlängeln sich Bikes leichter durch den dichten Verkehr, wer es allerdings übertreibt, bezahlt nach einem Crash mit einem heftigen Abflug in die Botanik. Somit ist bei einem Unfall der Vorteil der unglaublichen Beschleunigung ruck, zuck zunichte gemacht. Cool sind die gemischten Wettläufe, wobei die Vorzüge der Motorräder durch ein sehr schwieriges Handling ausgeglichen werden, um ein einigermaßen faires Rennen zu ermöglichen. Leider bleibt dadurch der Biker-Spaß ein wenig auf der Strecke. Austragungsort sind die drei riesigen Städte Los Angeles, Paris und Tokio, die ansprechend umgesetzt wurden. Natürlich stimmt nicht jeder Winkel und Straßenzug mit den Vorbildern überein, Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise der Eiffelturm wurden aber bedacht und auch das Layout von Hauptverkehrsadern entspricht weitgehend jenem der Originalstädte.

Fahrerische Freiheit
Die zahlreichen Spielmodi lassen so schnell keine Langeweile aufkommen, zumal die Metropolen auch frei und ohne Rennzwänge im Cruise-Modus erforscht werden können. Richtig witzig wird's aber erst, wenn die nächtlichen Rennen losgehen und man ohne Rücksicht auf Verluste die Stadt unsicher macht. Im Karriere-Modus starten Sie als Underdog und müssen bei einer ganzen Reihe an Herausforderungen als Erster durchs Ziel rasen. Die Fahraufgaben sind dabei untergliedert: Es gibt so genannte Checkpoint-Rennen, bei denen eine vorgegebene Anzahl von Lichtmarkierungen abgefahren werden soll. Diese müssen entweder in einer bestimmten Reihenfolge oder völlig beliebig durchlaufen werden. Außerdem gibt es Rennen gegen einen einzigen Rivalen, den Sie zunächst bei einer Spritztour durch die Stadt anhand des Radars am unteren Bildschirmrand ausfindig machen müssen. Die Lichthupe signalisiert dem aufgespürten Streetracer Rennwilligkeit und schon geht es nach einer kurzen Verfolgungsjagd zum Startpunkt des Wettlaufs. Besiegen Sie bei diesen Rennen den Kontrahenten, gehört sein meist besseres Fahrzeug Ihnen. Sollten Sie verlieren, müssen Sie aber glücklicherweise nicht gleich Ihr aktuelles Auto abgeben, problemlos dürfen Sie die Rennen beliebig oft wiederholen.

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