Lost Planet: Extreme Condition - Rückblick auf Capcoms vergessenen Shooter

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Lost Planet: Extreme Condition - Rückblick auf Capcoms vergessenen Shooter
Quelle: PC Games

Lost Planet war seinerzeit ein technisches Vorzeigespiel und bot brachiale Shooter-Action in einem buchstäblich coolen Setting. Aber wie gut hat sich Capcoms vergessene Ballerorgie gehalten?

Es gibt nur wenige Publisher, die ihre alten Klassiker so häufig neu veröffentlichen, wie Capcom. Sei es Devil May Cry, Resident Evil, Okami oder Dragon's Dogma - die meisten seiner wichtigen Spiele bringt der japanische Traditionsentwickler zuverlässig auf jede neue Plattform. Allerdings gibt es da eine große Ausnahme: Lost Planet. Lässt man die Abwärtskompatibilität der Xbox mal außen vor, dann ist die Shooter-Trilogie bis heute in der PS360-Generation gefangen. Und das, obwohl die Reihe 6,5 Millionen Spiele verkauft und viele Fans nachhaltig überzeugt hat.

Darunter auch uns, und deswegen wollen wir die sommerlichen Temperaturen nutzen, um euch 16 Jahre später nochmal auf ein frostiges Abenteuer mitzunehmen! Im Artikel erfahrt ihr, wie gut sich das erste Lost Planet gehalten hat und wie ihr es heute noch problemlos spielen könnt.

Lost Planet: Extreme Condition (jetzt kaufen 15,00 € / 13,49 € ) erschien hierzulande im Jahr 2007, zunächst als einer der Flaggschiff-Titel für die Xbox 360. Prominent beteiligt war Keiji Inafune, der oft als Schöpfer von Mega Man bezeichnet wird und vor ein paar Jahren für seinen Kickstarter-Flop Mighty No. 9 in die Schlagzeilen geriet.

Inafune war offenbar sehr überzeugt von der neuen Xbox, denn Lost Planet war schon sein zweites Exklusivprojekt für die junge Konsole - Fans von Dead Rising 4 wissen, welches indizierte Spiel wir gerade nicht erwähnen dürfen. Lange würde die Treue aber nicht halten: Playstation 3 und PC wurden wenige Monate nach der Xbox 360 doch noch mit dem Shooter versorgt. Vermutlich geschah das auch im Hinblick auf den heimischen Markt, der mit Microsoft-Plattformen noch nie sonderlich viel anfangen konnte.

Lost Planet war das erste Spiel, das Capcom von Anfang an mit einem Fokus auf eine westliche Zielgruppe entwickelte und das zweite, das auf der hauseigenen MT-Framework-Engine entstand. Beides machte sich bezahlt: Lost Planet spielt sich zugänglich und actionreich und macht optisch, vor allem für seine Zeit, einiges her.

Globale Unterkühlung

Der titelgebende Planet heißt E.D.N. III und ist der Schauplatz einer groß angelegten Kolonisierungsaktion. Weil die Erde verseucht ist, sucht die Menschheit hier nach einer neuen Heimat. Das Problem: Auf dem Planeten wütet gerade eine Eiszeit, außerdem ist die einheimische Spezies gar nicht gut auf die Eroberer zu sprechen.

Gegen die käferähnlichen Akriden fährt die Menschheit dann eine Armee aus Kampfrobotern auf, die Vital Suits oder VS. Außerdem wird ein Weg gefunden, eine Substanz namens Thermalenergie von den Akriden abzuzapfen, um der tödlichen Kälte zu trotzen. Neben der Kolonisierungsarmee der Firma NEVEC gibt es außerdem noch eine Gruppe frei kämpfender Nomaden auf E.D.N. III, die Schneepiraten. Weil NEVEC und die Schneepiraten unterschiedliche Pläne für den Planeten haben, entsteht ein hitziger Dreieckskonflikt.

Wayne läuft mit einer Gatling-Gun in der Hand vor einem Akriden-Boss weg. Quelle: PC Games Zu Beginn des Spiels wird der Vater unseres Protagonisten Wayne von einem Riesen-Akriden namens Green Eye getötet. Wayne bleibt in seinem VS in der Eiswüste zurück und ist ganze 30 Jahre lang tiefgefroren, bevor von einer Gruppe Schneepiraten befreit wird. Von da an werden wir auf gefährliche Missionen geschickt, bei denen uns haufenweise Akriden, feindliche Schneepiraten und NEVEC-Truppen vor die Flinte kommen. Das Ziel: Green Eye besiegen und herausfinden, was NEVEC mit dem Planeten vorhat.

Feuer frei!

Im Kern ist Lost Planet ein wunderbar altmodischer Third-Person-Shooter in (damals) modernem Gewand. Soll heißen: Hüfthohe Deckungsmauern oder einen extra Zielmodus gibt's hier nicht, genauso wenig müssen wir NPCs hinterherschlurfen oder Schleichsequenzen über uns ergehen lassen.

Wir werden in teils recht weitläufige Levels gesetzt, sollen den Bossgegner am Schluss erreichen und auf dem Weg dahin alles plattschießen, was nicht bei drei hinter den Schneedünen ist. Klingt spartanisch, ist es auch, aber das, was es machen will, macht Lost Planet damals wie heute ziemlich gut - vor allem wegen ein paar Kniffen, die dem Gameplay das gewisse Etwas verleihen.

Wayne lädt seinen Raketenwerfer durch. Im Hintergrund steht ein VS im Schneegestöber. Quelle: PC Games

Das Zeitlimit, das keines ist

Die prominenteste Mechanik ist die Thermalenergie, die automatisch verbraucht wird, um uns vor der Kälte schützen und uns zu heilen, wenn wir verletzt werden. Da wir langsam Lebensenergie verlieren, wenn die Energie versiegt, kann man die Mechanik theoretisch als Zeitlimit verstehen. Praktisch bekommen wir das Zeug aber in solchen Mengen hinterhergeworfen, dass wir kaum darauf achten müssen. Deutlich mehr Einfluss haben da ein paar andere Besonderheiten des Gameplays.

Wayne kann etwa nicht sprinten, dafür aber eine Ausweichrolle vollführen, die uns mit gutem Timing vor Projektilen und Akridenangriffen rettet. Granaten lassen sich mit einem Schuss zur Explosion bringen, was sie deutlich vielseitiger macht, wenn wir gut genug zielen können. Um auf hohe Felsen oder Plattformen zu gelangen, steht uns außerdem ein Enterhaken zur Verfügung. Und die Animationspausen zwischen Waynes Aktionen müssen fast wie in einem Resident Evil einkalkuliert werden, damit wir nicht mit heruntergelassenen Hosen erwischt werden.

Wayne sitzt in einem VS und schießt auf einen Akriden-Boss, der beide Arme verloren hat. Quelle: PC Games

Wackelige Beine

Der letzte Punkt sorgt auch dafür, dass sich Lost Planet etwas schwerfällig anfühlt, vor allem, wenn die Steuerung noch nicht sitzt. Der größte Nervfaktor im Spiel ist aber, was für eine innige Beziehung unser Protagonist mit dem Fußboden zu führen scheint. Gut, wir wollen mal nicht so sein: Wayne wird mit Raketenwerfern beschossen, von Kampfrobotern gerempelt oder von den Klauen meterhoher Käfer getroffen - da würde selbst Arnold Schwarzenegger aus den Latschen kippen.

Aber die Frequenz, in der uns in das Spiel die Kontrolle über unsere Figur wegnimmt, ist teils absurd hoch. Häufig werden wir mehrmals hintereinander umgehauen, ohne, dass wir zwischendurch etwas tun konnten. Was braucht der Mann also, um endlich fest im Leben zu stehen? Nun, die einfachste Lösung wären vermutlich ein paar mehr Invincibility Frames. Aber ein zweibeiniger Panzer ist ein Anfang!

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