Lego 2K Drive: Obacht, liebe Eltern, dieses Spiel ist digitale Quengelware
Kolumne
Am 19. Mai erschien mit LEGO 2K Drive ein Rennspiel, das Kinderherzen höher schlagen lassen dürfte. Allerdings dürfte es den Eltern auch einige Euro aus der Tasche ziehen. PCG-Redakteur Chris hat den Titel gespielt und ärgert sich, dass 2K nicht mal bei einem Spiel für eine ganz junge Zielgruppe auf Mikrotransaktionen verzichtet.
Freche Mikrotransaktionen in Spielen gibt es jetzt schon seit vielen Jahren und sie sorgen immer noch regelmäßig für Empörung. Auch, weil sich die Publisher immer neue Schweinereien einfallen lassen, um den Käufern ein paar oder sehr gerne auch sehr viele zusätzliche Euro aus der Tasche zu ziehen. Und trotzdem muss ich zugeben, dass ich dem in den vergangenen Jahren schon fast gleichgültig gegenüberstand. Klar, ich hab gemeckert, wenn 2K in der WWE-Reihe extra Kohle für DLC-Wrestler haben will, die eigentlich im Hauptspiel sein müssten. NBA 2K habe ich als Tester auch selbstverständlich abgewertet, weil es Spielmodi enthält, die quasi nur richtig funktionieren, wenn man Geld ausgibt. Ist 'ne Sauerei, keine Frage. Statt aufzuschreien, seufzte ich aber eher aus einer tiefen Resignation heraus. Die werden ja eh nix ändern, es gibt genug Doofe, die diese Machenschaften unterstützen ... Diese typischen Gedanken eben, wenn man eingesehen hat, dass Mikrotransaktionen nicht einfach verschwinden werden, nur weil ich mich echauffiere.
Bei mir spielt auch rein, dass mir diese dämliche Empörungskultur auf Social Media auf den Sack geht. Wegen jedem Mist wird mit Schaum vorm Mund in die Tasten gehauen und irgendein entrüsteter Unfug mit Capslock und tausend Ausrufezeichen in die Welt erbrochen. Gerade im Gaming-Bereich hat das komplett überhandgenommen. Spiel XY erzählt nicht die Story, die Eugen Jonathan sich vorher zurechtgesponnen hat? Erstmal digital auf den Boden werfen und laut brüllen! In Spiel YZ verhält sich ein Charakter nicht so, wie Elias Fridolin das wollte? Direkt den Schauspieler der Figur auf Twitter beleidigen und Morddrohungen an die Entwickler verschicken! Blörgs. Ich bin dieses Kackverhalten so leid, dass es ganz bestimmt dazu beigetragen hat, mich gleichgültig zu machen und das sich-Aufregen den Immerzu-Aufgeregten zu überlassen. Eine halbwegs besonnene Meinung würde in deren Geschrei ohnehin untergehen.
Jetzt hat es aber tatsächlich doch ein Spiel geschafft, dass ich richtig sauer wurde. Dabei ist es sicherlich wenig verwunderlich, dass es sich dabei um einen Titel von 2K handelt, aber dass es ausgerechnet das so harmlos aussehende Lego 2K Drive (jetzt kaufen 17,89 € ) ist - fast schon witzig. Das süße Klötzchen-Rennspiel hat jedenfalls dafür gesorgt, dass ich reflektiert und meine Gleichgültigkeit Mikrotransaktionen gegenüber abgelegt habe. Aber fangen wir von vorn an.
Quelle: 2K
Kolumne: Lego 2K Drive - Dieses Spiel ist digitale Quengelware (2)
Kein Spiel für mich, aber das ist okay
Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich gehypt war, als Lego 2K Drive angekündigt wurde, aber ein bisschen Bock hatte ich schon drauf. Lego-Stil und-Humor sind harmlos, aber auch super sympathisch. Das kombiniert mit Elementen aus Open-World-Racern wie Forza Horizon und mariokartigem Chaos in den Rennen selbst klang für mich ziemlich gut. Dementsprechend startete ich optimistisch ins Spiel. Nach etwa einer Stunde folgte dann die Ernüchterung.
Lego 2K Drive ist mir ganz einfach zu kindlich und belanglos. Die Missionen abseits der Rennen sind mir zu öde und bei den richtigen Wettkämpfen kam bei mir auch nur wenig Spaß auf. Der Gummibandeffekt ist zu offensichtlich, die Rennen sind zu leicht, die Power-ups ziemlich unterwältigend, wodurch nie eine Schadenfreude aufkommt wie bei Mario Kart. Das Spiel wurde also offensichtlich nicht für mich und meine Ansprüche entwickelt. Das ist aber vollkommen okay. Ich verhalte mich also wie ein Erwachsener und schreibe mehrere Tweets, in denen ich ankündige, die Haustiere der Entwickler zu ertränken, bevor ich weiterzocke.
Quelle: 2K
Kolumne: Lego 2K Drive - Dieses Spiel ist digitale Quengelware (4)
Nee, mal Spaß beiseite, Lego 2K Drive ist zwar aus den genannten Gründen nix für mich, aber ich lerne das Spiel dennoch zu schätzen. Bei einigen lahmen Gags runzele ich die Stirn, aber ich weiß ganz genau, dass meine Patenkinder sich kringelig lachen würden. Für die ist das Ding gemacht. Alles ist bunt, freundlich und fast schon bemerkenswert harmlos. Die Kids können einfach nach Lust und Laune herum- oder durch Sachen hindurchfahren. Gegenstände und Passanten zerbröseln einfach in ihre Lego-Einzelteile. Hier muss ganz sicher kein Erwachsener danebensitzen und darauf achten, dass die Kinder bloß nicht irgendwas zu sehen bekommen, das nicht für ihre Augen bestimmt ist.
