Gefängnisse im Film: Eine schreckliche Vielfalt
Special
Das Gefängnis als Institution taucht in vielen Filmen auf. Manchmal ist es nur ein Ort, manchmal ein Leitmotiv, manchmal ist es aber auch ein Akteur für sich selbst. Die meisten von uns assoziieren damit zuerst all solche Vertreter, in denen das höchste Ziel der Protagonisten der Ausbruch ist. So auch im frisch angelaufenen "Papillon" (2017).
Natürlich sind Ausbruch-Filme besonders spannend - schließlich haben Zuschauer immer ein Herz für die Freiheitsliebenden, während das Gefängnis dieses menschliche Grundrecht zu untergraben versucht. Der Kontrakt stellt als Ort das zu überwindende Hindernis dar und wird damit zum Dreh- und Angelpunkt der Narration. Ganz anders erscheinen Gefängnisse in Filmen, wenn man einen Perspektivwechsel vornimmt, die tragende Figur demnach von außen in das Gefängnis hineinblickt. Plötzlich emanzipiert sich die zuvor noch als Feind gesehene Anstalt zum Schutzmechanismus für die Gesellschaft, bei der die Hoffnung vor allem darin liegt, dass oben genannte Ausbruchsversuche erfolgslos bleiben. Auch tritt das Gefängnis gelegentlich als Akteur auf. Es wird zu einer eigenen gesellschaftlichen Sphäre, einer eigenen Welt mit eigenen Regeln und stellt das Leben und die Beziehungen innerhalb in den Fokus seiner Erzählung.
Ein Guter Gefängnisfilm, enthält natürlich meist eine ausgewogene Mischung dieser Perspektiven. Wir haben euch diverse Vertreter zusammengestellt, die unserer Meinung nach den Fokus besonders gut setzen.
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Zurück zu den Ursprüngen - "Gesprengte Ketten"
Quelle: Fox
Szenenbild aus "Gesprengte Ketten" (1963)
Gesprengte Ketten ist vor allem eines: ein Klassiker. Der POW-Film (Prisoner of war) ist stark an Filme angelehnt die zeitnah zum zweiten Weltkrieg sehr populär waren. Sie verhandeln das Leiden und Leben von Kriegsgefangenen der Nationalsozialisten, die durch ihre besonderen Fähigkeiten und Heroismus die Gefangenschaft überstanden und in der Regel auch ausbrachen. Von den 250 Ausbruchslustigen hat jeder individuelle Fähigkeiten, die zum größeren Ziel beitragen - ein Genre das vornehmlich die Moral der damaligen Bevölkerung verbessern sollte.
Mit Blick nach Außen ist das Ziel hier ganz klar: Ausbruch!
Die ewige Legende - "Die Verurteilten"
Quelle: CI
Szenenbild aus "Die Verurteilten" (1994)
Seit etlichen Jahren auf Platz 1 bei IMDB hat "Die Verurteilten" (1994) mittlerweile einen unangefochtenen Status in der Community. In dem herausragenden Drama geht es vornehmlich um die Menschlichkeit der präsentierten Individuen. Andy wird zu Unrecht des Mordes verurteilt und wird in einem Ort inhaftiert, in dem Regel gebrochen werden, indem Individualität aufgelöst und Sinnstiftung einem monotonen Alltag weicht. Als unschuldiger, wenn auch nicht durch und durch guter Mann, haucht er dem Gefängnis und all seinen Bewohnern Leben ein. Ein Film den man gesehen haben muss.
Das Gefängnis wird zu einer eigenen Welt, deren Dynamik durch Protagonist Andy maßgeblich verändert wird.
Ist das wirklich richtig? - "The Green Mile"
Quelle: UIP
Szenenbild aus "The Green Mile" (1999)
Protagonist ist der Oberaufseher des Todestrakts Paul Edgecomb (Tom Hanks), dem eines Tages ein neuer Häftling gegenübersteht. Hierbei handelt es sich um den afroamerikanischen Hünen John Coffey (Michael Clark Duncan), dem der Mord an zwei jungen Mädchen vorgeworfen wird. Der vermeintliche Mörder erweist sich als ein nahezu kindliches Gemüt, das sowohl seine Mitinsassen maßgeblich beeinflusst, als auch Paul an seinem Beruf zweifeln lässt.
Vertreten durch Paul Edgecomb zweifelt das System Gefängnis an seiner eigenen Legitimation.
Die Gedanken sind frei - "Das Schweigen der Lämmer"
Quelle: Alamode
Szenenbild aus "Das Schweigen der Lämmer" (1991)
Von Anthony Hopkins herausragend gespielt, beweist die Figur des Hannibal Lecter, dass Stahl, Stein und Glas manchmal nicht genug sind, um Gefahren einzudämmen. Um sich besser in einen Serienmörder hinversetzen zu können, bedient sich die angehende FBI-Agentin Clarice Starling der psychiatrischen Fähigkeiten des inhaftierten Kannibalen Hannbial Lecter. Für jede Hilfe erwartet dieser jedoch eine Gegenleistung in Form privater Details, die er schon bald in spannenden, mentalen Duellen gegen die Junge Agentin verwendet.
Das Gefängnis scheitert mit der körperlichen Eindämmung an Lecters bedrohlichem Geist.
Gefangen im eigenen Geist - "Shutter Island"
Quelle: Concorde
Szenenbild aus "Shutter Island" (2010)
Während Hannibal Lecter seinen Geist nach außen richtet um anderen zu schaden, sind manche Menschen ein Gefangener ihres eigenen Geistes. Die Thematik ist gleichermaßen gruselig wie heikel. Auf der Insel Shutter Island sind psychisch gestörte Straftäter inhaftiert, von denen einer spurlos aus seiner Zelle verschwindet. U.S. Marshall Daniels wird mit der Untersuchung des Falls beauftragt und realisiert schnell, dass der Ort ein dunkles Geheimnis birgt. Je tiefer er vordringt, desdo mehr sieht er sich auch mit seinen eigenen Gedanken konfrontiert.
Die Realität selbst wird zum sichersten Gefängnis der Welt.
Neu und skurril - "Isle of Dogs"
Quelle: Fox
Szenenbild aus "Isle of Dogs - Ataris Reise" (2018)
In Isle of Dogs wurden alle Hunde einer japanischen Präfektur aufgrund von Überpopulation und Krankheit auf eine Müllinsel deportiert. Der junge Atari stiehlt ein Flugzeug um dort seinen Hund Spot wiederzufinden. Wie er feststellt haben sich die ehemaligen Haustiere zu verschiedenen Rudeln zusammengerauft um ihr Überleben zu sichern. Besonders spannend ist, das wir als Zuschauer nur die Hunde verstehen können und so auf Anderson typische Weise (Makaber aber mit Augenzwinkern) Zeuge von dem Innenleben nun wilder, vormals aber von Menschen konditionierter Lebewesen werden.
Gelungener, übertriebener Perspektivwechsel in den besten Freund des Menschen. Zeigt in herrlicher Bildsymmetrie welche Auswirkungen Isolation hat.
Ohne Frage gibt es noch unzählige Vertreter, die eine Erwähnung verdienen würden, von "Papillon" über "American History X" hin zu Weltraumgefängnissen wie in "Alien 3", die Liste könnte man ewig weiterführen. Was sind eure liebsten Gefängnis-Filme und warum?
