Strategie war gestern. Das neue Kingdom under Fire mutiert zu einem Action-Rollenspiel.
Der einäugige Duane strahlt mit seiner Knarre gelassene Überlegenheit aus.
Kingdom under Fire: Circle of Doom ist anders. Oder kennen Sie ein Fantasy-Action-Rollenspiel, in dem der Held den Tod mit einer Gatling-Kanone bringt? Davon abgesehen betreten die Entwickler ein neues Genre, denn die beiden Vorgänger The Crusaders sowie Heroes, die für die Xbox erschienen sind, waren hauptsächlich Strategiespiele mit Rollenspielelementen. Vorbei die Zeit der epischen Schlachten, in denen Sie mehrere Truppen koordinieren. In Circle of Doom sind Sie alleine in der Welt Bersia unterwegs und liefern sich zahlreiche Scharmützel mit in der Landschaft herumstehenden Monstergruppen.
Vom Helden, der auszog ...
Doch Halt, warum müssen Sie überhaupt kämpfen und gegen wen? Die Geschichte ist simpel gestrickt. Nible und Encablossa, ihres Zeichens Lords des Lichts und der Finsternis zerstreiten sich, worauf Encablossa fortan dunkle Kreaturen, also Echsenwesen, Skelette, Geisterritter, dunkle Zauberer, Pflanzenwesen und, und, und ... auf die Menschheit loslässt. Also wählt der Spieler einen von fünf Helden (ein sechster muss freigeschaltet werden) und zieht los, das Böse zu besiegen. Böse Helden gibt es nicht. Das hat zur Folge, dass, egal welchen Helden Sie wählen, sich Ihnen stets die gleichen Gegnerhorden in den Weg stellen.
Auch kämpfen sich alle Helden jeweils durch die gleichen sechs Spielabschnitte, durch einen verträumten Wald, eine von Ruinen übersäte Wüstengegend oder eine prächtige Halle.
Am Abschnittsende wartet stets ein leicht zu besiegender Zwischengegner darauf, bezwungen zu werden. Zwar unterscheiden sich die sechs Levels grundlegend voneinander. Wenn da nur nicht diese unsichtbaren Barrieren wären, die dem Spieler aufgezwungen werden. Von einem modernen Rollenspiel erwarten die meisten Spieler eine riesige, frei erkundbare Welt und keine engen, schlauchförmigen Abschnitte, deren Aufbau eher an den Magen-Darm-Trakt erinnert.
Dafür spielt sich jeder Held erfrischend anders. Duane, ein tuntig wirkender Adeliger, ballert gelassen mit seiner Handfeuerwaffe und schwingt unter anderem einen Morgenstern. Krieger Regnier verkörpert das komplette Gegenstück zu Duane. Mit brachialer Gewalt stapelt er mit seinem Zweihänder innerhalb kürzester Zeit große Monstermassen zu einem ebenso großen Leichenberg. Nicht ganz so brachial, sondern etwas stilvoller geht Ritter Kendal vor, der stilecht Streitkolben und Schild einsetzt. Die flinke Elfenkönigin Celine schnetzelt sich mit dem Rapier wie ein Wirbelwind durch die gegnerischen Reihen, während Prinz Leinhart den japanischen Kampfstil mit Doppel-Katana und Wurfstern bevorzugt. Jeder Held trägt zwei Waffen gleichzeitig.
Lernen wie im Schlaf
Duane duelliert sich im Traum, um in Marguerites Gunst zu steigen. Sie steuern ihn aber nicht selbst, sondern wählen die gewünschte Aktion, die von der vorangehenden Beleidigung des Widersachers abhängt.
Während Sie durch Bersia stapfen, werden Sie feststellen, dass es in der Spielwelt keine Nichtspielercharaktere gibt. Diese tauchen nur in den Träumen der Helden auf. Da im Wachzustand nicht gesprochen wird, bekommen Sie die teils gelungene, teils schlechte Synchronisation der Helden nur zu hören, wenn diese schlafen, denn deren individuelle Geschichte wird in Träumen weitergesponnen. Schlafen ist nur an Schreinen möglich, an denen Sie einem stummen Götzen - etwa das an Buddha erinnernde Götzenbildnis der Gier - auch überflüssige Gegenstände verkaufen können. Sie denken, das sei schräg? Es kommt noch besser.
Nur im Schlaf lernt Ihr Charakter Zaubersprüche wie Kettenblitze, Giftnadeln oder Unsichtbarkeit. Über 40 unterschiedliche Sprüche gibt es, die Sie bei einem Traum-NSC auswählen. Die Magie erhalten Sie aber erst, wenn Sie nach dem Erwachen genügend Gegner einer bestimmten Sorte töten und erst mit dem nächsten Schlafenlegen werden die neuen Kräfte freigeschaltet.
Auch gibt es keine klassischen Quests. Die seltenen, von Traum-NSCs erteilten Aufträge betreffen alle den Helden selbst und so gut wie alle Aufgaben beinhalten das Lernen neuer Fähigkeiten.
Zurück zum Götzen. Dieser kann auch Gegenstände miteinander verschmelzen. So erhalten Sie durch die Synthese einer einfachen Rüstung mit dem Ring des Frosts eine Rüstung des Frosts. Die neue Rüstung bietet somit einen besseren Schutz vor Frostangriffen.
Sie sehen, die koreanischen Entwickler bei Blueside machen mit Circle of Doom vieles anders, aber nicht vieles besser als die Genrekollegen.
Der Fokus liegt klar auf der Action sowie dem Lernen neuer Zaubersprüche und Fähigkeiten - darunter manch sinnlose wie Klatschen -, mit denen Sie die (nicht sehr intelligenten) Gegner beseitigen können. Trotz mancher frischer Ideen mangelt es dem Spiel an Abwechslung. Auch etwas mehr Stimmung, etwa in Form weiterer NSCs in der Spielwelt oder einer frei begehbaren Welt, hätten dem Spiel gut getan.
