Just Cause 2 im Test für PS3 und Xbox 360: Rico Rodriguez ist zurück - und richtet reichlich Chaos an

Test Sascha Lohmüller

Geheimagent Rico Rodriguez richtet in unserem Test zu Just Cause 2 zum zweiten Mal Chaos an. Dieses Mal nicht nur auf der Xbox 360, sondern auch auf der PlayStation 3.

Sonne, Strand und jede Menge Longdrinks - für die vom letzten Winter traumatisierten Deutschen momentan ein wahrer Traum, für Rico Rodriguez jedoch Alltag. Verschlug es den Geheimagenten im ersten, nicht für PlayStation 3 erschienenen Just Cause noch nach Südamerika, so findet er sich in Teil 2 im fiktiven südostasiatischen Inselstaat Panau wieder. Zeit, die schöne Natur zu genießen, bleibt ihm jedoch kaum, schließlich muss er eine Verschwörung rund um drei Rebellengruppen und den Diktator des Landes aufdecken. Und irgendwie hängt sein alter Lehrmeister auch noch in der Sache mit drin. Glücklicherweise nimmt sich die Story jedoch nicht allzu ernst, denn spannend oder logisch ist die Hintergrundgeschichte nicht.

Panorama: Mit dem Gleitfallschirm könnt ihr die wunderschöne Weitsicht bestaunen. Panorama: Mit dem Gleitfallschirm könnt ihr die wunderschöne Weitsicht bestaunen.

Handlungsreisender
Die Handlung treibt ihr durch sogenannte Agency-Missionen voran, das sind die Hauptmissionen des Spiels, die erfrischend abwechslungsreich ausfallen. Verfügbar werden diese Aufträge, sobald ihr genug Chaos in Panau angerichtet habt. Zu diesem Zweck erfüllt ihr zusätzlich Nebenmissionen, befreit Dörfer von der Herrschaft des Militärs oder sprengt einfach alles, was euch vor die Flinte läuft, in die Luft. Die Nebenmissionen beschränken sich dabei meist auf das Eskortieren von Personen, das Beschaffen von Gegenständen, das Entschärfen von Bomben oder das Ausschalten von Gegnern. Dadurch kommt zwar nicht ganz so schnell Monotonie auf wie im Vorgänger, noch mehr Abwechslung wäre allerdings wünschenswert gewesen. Gerade das immer gleiche Befreien von Dörfern wirkt auf Dauer eher lästig und verkommt so schnell zur Pflichtaufgabe, um die nächste Hauptmission freizuschalten.

Freie Marktwirtschaft
Unterstützung: An vielen Stellen helfen euch KI-gesteuerte Verbündete, wie hier der Kollege am MG. Unterstützung: An vielen Stellen helfen euch KI-gesteuerte Verbündete, wie hier der Kollege am MG. Um eure Ziele zu erreichen, bedient ihr euch verschiedener Waffen, die ihr entweder bequem von erledigten Gegnern aufsammelt oder auf dem Schwarzmarkt für erbeutetes Geld kauft. Fahrzeuge finden sich hier ebenfalls im Sortiment, meist ist es jedoch praktischer und billiger, einfach einen herumstehenden Panzer, Sportwagen, Helikopter oder Jumbojet zu kapern. Die Steuerung der Fahrzeuge ist eingängig und unkompliziert, lediglich einige wenige PKWs steuern sich äußerst hakelig, was dann meist unsanft an einem Baum oder der Mittelleitplanke endet. Aufrüsten dürft ihr die Schwarzmarktware übrigens auch - mithilfe von Waffen- und Fahrzeugteilen, die ihr überall in der riesigen Spielwelt findet, zusätzlich zu Rüstungspäckchen, die eure Lebensenergie erhöhen und Geldkisten. Und wenn ihr es einmal eilig habt (oder schlicht keine Lust lange herumzufahren), versorgt euch der zwielichtige Händler zudem mit einem praktischen Taxiservice.

Klettermaxe
Ebenfalls im Repertoire finden sich zwei aus dem ersten Teil bekannte Utensilien wieder: der Greifhaken und der Gleitschirm. Letzterer rettet euch das Leben, wenn ihr aus fahrenden Autos, fliegenden Helikoptern oder über eine Klippe springt. Dann entfaltet ihr einfach per Knopfdruck euren Gleitschirm und segelt gemütlich dem Boden entgegen. Mit dem Greifhaken hingegen zieht ihr euch an weiter entfernte Fahrzeuge, Gebäude und andere Gegenstände heran. Oder aber ihr reißt Kontrahenten von erhöhten Positionen in die Tiefe. Neu ist die Möglichkeit, Dinge oder Personen miteinander zu verbinden. So können ihr etwa einen Gegner an ein fahrendes Auto heften. Dieses Kombinierspielchen hat einen gewissen Reiz und kommt auch in einigen Missionen zum Einsatz. So sollt ihr etwa an einer bestimmten Stelle den riesigen Kopf einer Steinstatue stehlen. Da ein Felsbrocken etwas unhandlich ist, heftet ihr den Schädel einfach an einen Panzerwagen und zieht ihn zum Zielpunkt. Leider sind solche Momente eine Seltenheit und in den meisten Missionen verhilft euch pure Waffengewalt eher zum Erfolg - schade!

Helikoptermann: Neben Kampfjägern richtet ihr vor allem mit Armee-Hubschraubern jede Menge Chaos an. Helikoptermann: Neben Kampfjägern richtet ihr vor allem mit Armee-Hubschraubern jede Menge Chaos an.

Ganz schön künstlich
Was mitunter jedoch richtig stört, ist die KI. Während des Tests kam es des Öfteren vor, dass sich Gegner VOR einer Deckung versteckten, sich ohne Gegenwehr abschießen ließen, sich gegenseitig mit Fahrzeugen rammten und explodierten, von Brücken in die Tiefe bretterten oder stur vor der Spielfigur auf und ab fuhren, weil sie die Hauptstraße nicht verlassen wollten. Eine Bedrohung stellen die Gegner meist nur aufgrund ihrer schieren Masse und eines steten Stroms an Verstärkungen dar. Auch die Verbündeten bilden leider Just Cause 2 im Test für PS3 und Xbox 360: Rico Rodriguez ist zurück - und richtet reichlich Chaos an keine Ausnahme, zu eskortierende Personen laufen beispielsweise mitunter zielstrebig in gegnerisches Sperrfeuer oder werden von anderen Verbündeten erschossen. Hier verschenkt Just Cause 2 viel Potenzial. Spaßig bleibt das zweite Agentenabenteuer um Rico Rodriguez dennoch, gerade aufgrund der großen Handlungsfreiheit, des mannigfaltigen Waffen- und Fahrzeugangebots und der wirklich schön gestalteten, riesigen, stimmigen Spielwelt. Technisch gesehen ist der Titel eh über die meisten Zweifel erhaben, lediglich die deutsche Sprachausgabe hinkt dem englischen Original hinterher, denn leider gingen hier sowohl Ricos spanischer Akzent als auch die asiatischen Stimmen der Nichtspieler- Charaktere verloren. Zudem kratzt die Spieldauer an der 100-Stunden-Marke, wenn man wirklich alles entdecken will. Wenn jetzt in Teil 3 noch KI und Abwechslung etwas aufpoliert werden, kann sich der nächste GTA-Teil warm anziehen.

Screenshots aus unserem Test zu Just Cause 2:

Bildergalerie

Wertung zu Just Cause 2 (PS3)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Die Spielwelt ist riesengroß und wunderschön gestaltet.Große, aufrüstbare Waffen- und FahrzeugauswahlDie Hauptmissionen sind nett präsentiert und abwechslungsreich, …
Seichte, relativ belanglose Alibistory für die ZerstörungsorgieDie KI ist strunzdumm und sorgt für diverse Frustmomente.was man von den Nebenmissionen allerdings nicht behaupten kann.
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