In einem Penthouse-Appartement bekommt es Tequila sogar mit einem Helikopter zu tun.
Neben dem smarten Bullen hat das Spiel einen weiteren Star, nämlich die wirklich abwechslungsreichen Umgebungen. Diese sind - bis auf die Wände und einige größere Gegenstände - nahezu komplett zerstörbar, was physikalisch auch noch weitgehend korrekt in Szene gestellt wird. Zudem interagiert Tequila an vielen Stellen mit verschiedensten Objekten, löst Fallen aus oder richtet einfach nur eine Menge Schaden an (der am Ende jeder Mission angezeigt wird). Besonders die Fallen sind sehr spaßig: Anstatt mehrere Magazine auf eine Gegnergruppe zu ballern, kann auch nur ein einziger gezielter Schuss die Widersacher über den Jordan schicken - beispielsweise, wenn man mit einem Schuss mehrere Felsbrocken direkt über den Jungs zum Herabstürzen oder ein Fass in deren Mitte zum Explodieren bringt. Diese Aktionen reizen dazu, die Missionen mehrmals zu spielen, um darin eine gute Figur zu machen und so stilvoll wie möglich seine Gegner ins Jenseits zu verfrachten. Dies trägt ebenso wie die versteckten Kraniche oder der Schadensrechner zum enormen Wiederspielwert von Stranglehold bei, was den Spieler leicht über die mit 6 bis 8 Stunden doch etwas kurz geratene Spielzeit hinwegtröstet.
Was die Technik anbelangt, überzeugt Stranglehold mit dem genialen Schadensmodell und den meist sehr detaillierten Charakteren. In Anbetracht der wahnsinnigen Rechenleistung, die es bedarf, um das Schadensmodell darzustellen, kann man wirklich getrost über die ein oder andere weniger detaillierte Textur oder Ruckler hinwegsehen. Dasselbe gilt für vereinzelte Kameraprobleme: Diese treten nur selten auf und wirken sich fast nie negativ aufs Gameplay aus. Ein Kompliment auch an die Soundkulisse und die Synchronisierung: Die Charaktere klingen selbst auf Deutsch noch cool und der teils machohafte, teils sehr raue Umgangston trägt ebenso wie die fetzigen Waffenklänge und die stimmige Musik zur gelungenen Atmosphäre von Stranglehold bei. Ob auch die verschiedenen Mehrspieler-Modi Spaß machen, verraten wir Ihnen erst in einem Nachtest in der nächsten Ausgabe des OXM - zum Zeitpunkt unseres Tests waren Xbox-Live-Schießereien leider noch nicht möglich.
Im Vergleich mit Max Payne 2 zieht John Woo präsentiert Stranglehold lediglich bei der Story den Kürzeren. Was Technik, Abwechslung und Gameplay-Features anbelangt, lässt der John-Woo-Titel das mittlerweile betagte Xbox-Spiel (das seinerzeit Traumwertungen von 90 % absahnen konnte) stellenweise doch recht alt aussehen. Wer also auf kurzweilige, brachiale, cineastisch inszenierte Action oder einfach nur den John-Woo-Stil steht, kommt um Stranglehold nicht herum - auch wenn dem Titel stellenweise etwas mehr Feinschliff nicht geschadet hätte.
Mehrspieler-Nachtest
Die Zwischensequenzen sehen nicht nur gut aus, sondern sind durchaus unterhaltsam.
Im Mehrspielermodus dürfen Sie sich mit bis zu fünf weiteren Mitspielern in sieben Levels in den Spielmodi Deathmatch und Team-Deathmatch austoben. Wie im Einzelspieler-Modus können Sie in den Gefechten auch die Tequila-Time und die Tequila-Moves anweden, müssen dabei aber auf einen Teil der coolen Inszenierung verzichten. Im Großen und Ganzen läuft es schnell darauf hinaus, dass sich in den hektischen Gefechten alles darum dreht, die Spezial-Leiste zu füllen und dann seine Widersacher mit den Tequila-Attacken auszuschalten. Je mehr Spieler auf dem Server sind, desto häufiger findet das Geschehen in Zeitlupe statt, was besonders dann nerven kann, wenn man nicht selbst der Auslöser dafür war. Online macht Stranglehold (dt.) dadurch keine so gute Figur und sollte daher als eine nette Dreingabe zum Herzstück des Spiels, nämlich dem bombastischen Singleplayer, gesehen werden.
