Während unseres Tests zu Homefront stellten wir fest, dass es der Shooter nicht schafft, Call of Duty oder Battlefield den Rang abzulaufen. Dafür aber hat Homefront anderen Shootern eines voraus: eine erdrückende Atmosphäre ohne Fremdschäm-Faktor.
Endlich rotiert die Test-Version von Homefront in unserem Laufwerk, endlich erfahren wir, ob das Amerika der fiktiven Zukunft endgültig dem Untergang geweiht ist oder nicht. Und nachdem wir im Rahmen diverser Vorschauberichte bereits die erste Hälfte des Abenteuers hinter uns gebracht haben, wissen wir zumindest eines schon vorher: Die Aussichten sind nicht gerade rosig. Eine Schnellzusammenfassung der Vorgeschichte: Amerika im Jahr 2027, die Nordkoreaner sind gerade dabei, das Land vollends zu unterwerfen.
Ein wenig Militär, ein bisschen Widerstand, viel mehr ist da nicht mehr zwischen dem Volk aus dem Osten und der einst so großen Nation in Übersee. Ihr seid natürlich in den Reihen der Rebellen zu finden und spielt als ehemaliger Pilot eine wichtige Rolle bei der Beschaffung von Treibstoff für das finale militärische Aufgebot. Wie sich der Shooter schlägt, lest ihr in unserem Test zu Homefront für PS3 und Xbox 360.
Das hat uns an Homefront gefallen
Emotionale und abwechslungsreiche Kampagne
Die erste Hälfte der Kampagne ist emotional mitreißend wie in kaum einem anderen Spiel.
Wie wir ja bereits vor dem Test wussten, ist die erste Hälfte der nur rund fünf Stunden umfassenden Kampagne emotional mitreißend wie in kaum einem anderen Spiel. Und auch wenn es später etwas oberflächlicher zugeht und zum Finale hin zudem die Nachvollziehbarkeit leidet, so stimmt übers gesamte Abenteuer zumindest die Abwechslung: Krasse Szenen, die wir nur als Zuschauer erleben dürfen, knackige Schusswechsel, Rail-Shooter-Passagen, Goliath-Einlagen, Heliflüge und sogar ein Schleichlevel sorgen dafür, dass wirklich an keiner Stelle Abnutzungserscheinungen auftreten.
Mitreißende Geschichte
Der ambitionierte Shooter mag vielleicht nicht alles richtig machen und bietet somit ausreichend Angriffsfläche für penible Nörgler und Neider, wir danken ihm aber dafür, dass er zeigt, wie moderne Spiele Atmosphäre und Spannung erzeugen können, ohne dabei auf lächerliche Übertreibungen, überpatriotischen Schmonz und Bombast im Sekundentakt zu setzen. Ja, Call of Duty, du bist gemeint! Mit seiner zwar wenig plausiblen, aber überwiegend schlüssig vorgetragenen Geschichte trifft Homefront gleich ein ganzes Nervenbündel. Die unterjochten Amerikaner, die Leichen, die achtlos in eine Grube geworfen werden, die Frau mit dem Baby, der wir versehentlich einen Kugelhagel bescheren, das Leid, die Schmerzen, die Wut - das alles wirkt plastisch, bewegend und überzeugend.
Ihr habt unterwegs zeitweise das Gefühl, die Besatzer wirklich bekämpfen zu wollen! Äußerst positiv fällt dabei auf, dass die Nordkoreaner selbst, politisch ganz korrekt, eine untergeordnete Rolle spielen, die Invasoren im Spiel also austauschbar sind - Deutsche, Russen, Engländer, egal: Die entsprechende Story vorausgesetzt, könnten wir uns sogar Australier als Besatzungsmacht vorstellen! Auch geben sich die amerikanischen Entwickler erstaunlich selbstkritisch und porträtieren in einem Level einen Haufen unpatriotischer Hinterwäldler, die sich überhaupt nicht um die Lage der Nation scheren und vor Plünderung und "Friendly Fire" keineswegs zurückschrecken. Solch eine erquickende Spiel-Erfahrung findet ihr sonst nur ganz selten und dafür solltet ihr ein paar kleinere technische und spielerische Mängel unbedingt in Kauf nehmen!
Ordentliche Grafik
Die Optik von Homefront reißt keine Bäume aus, geht aber völlig okay und stützt auf gelungene Weise die intensive Atmosphäre. Spielfiguren (insbesondere eure Begleiter) verfügen über detaillierte Gesichter, dazu erzeugt die Beleuchtung etwa in der idyllischen Rebellenzentrale stets die richtige Stimmung. Objekte werfen feine Schatten und Tearing tritt nur vereinzelt auf. Zudem geht die Bildwiederholrate selbst bei großen Gefechten mit dutzenden Soldaten auf dem Bildschirm nie in die Knie.
Der Kern der Mehrspielerschlacht ist der Bodenkontrolle-Spielmodus in der Battle-Commander-Ausführung.
Mehrspieler: Fesselnde Spielmodi
Der Kern der Mehrspielerschlacht ist der Bodenkontrolle-Spielmodus in der Battle-Commander-Ausführung. Darin gilt es, auf einer in drei Abschnitte geteilten Karte drei Ziele einzunehmen und zu beschützen - die Partei, die eine bestimmte Zeit lang auf der Mehrzahl dieser Ziele hockt, erntet einen Siegpunkt und verschiebt die Frontlinie in Richtung Feind. Dort warten wieder drei Punkte, die nach dem gleichen Schema umkämpft werden. Die Mannschaft, die als Erstes zwei Punkte auf dem Konto hat, gewinnt - die Schlacht kann sich also auch wieder zurückverlagern. Der optional aktivierte Battle Commander sorgt dafür, dass Spieler, die mehrere Gegner in Folge aus dem Spiel nehmen, ohne zwischenzeitlich selbst ins virtuelle Gras zu beißen, mit einem Kopfgeld versehen und für einige der Feinde sichtbar markiert werden. Je größer die Bedrohung, desto mehr Kopfgeld wird aus- und Kopfgeldjäger werden auf sie angesetzt. Bodenkontrolle spielt sich also wie eine Mischung aus Domination und Rush, entwickelt sich aber dank innerhalb der Partie verdienter Währung von einem einfachen Infanteriekampf zum ausufernden Fahrzeuggefecht mit Drohnen, Artillerieschlägen und jeder Menge anderem aktiven und passiven Tötungswerkzeug. Schick!
Mehrspieler: Intelligentes Kaufsystem
Wer durch Abschüsse oder die Eroberung von Kontrollpunkten fleißig zum Teamerfolg beiträgt, hat schnell genug Kröten auf dem Konto, um sich mit einem von zwei vor Spielbeginn festgelegten Extras auszurüsten. Auf diese Weise setzt ihr dem gegnerischen Team per ferngesteuerten Boden- und Luftdrohnen zu oder ordnet einen Bombenabwurf an. Auch Vehikel wie Jeeps, Panzer und Helikopter kosten Knete. Weil ihr selbst bestimmt, wann ihr welche Belohnung einsetzt, seid ihr in den Gefechten deutlich flexibler als in anderen Multiplayer-Shootern. Falls das andere Team etwa mit einem Panzer anrollt, kauft ihr euch flugs eine Panzerfaust und stoppt das Fahrzeug, ohne erst die Klasse wechseln zu müssen.
