Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 3: Happy End und Lieblingsprogramme

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 3: Happy End und Lieblingsprogramme
Quelle: Simon Fistrich

Autor Sebastian Göttling erzählt von den nostalgischen Erinnerungen an seinen ersten Spiele-PC. In Teil 3 geht alles gut aus - und er berichtet von seinen Lieblingsspielen und -programmen.

Ein ultrakurzer Rückblick auf die ersten beiden Artikel dieser Reihe: Weihnachten 1993 hätte ich eigentlich meinen ersten PC geschenkt bekommen sollen, doch er verspätete sich und kam erst am 27. Dezember an. Das war lediglich das erste von mancherlei Geknirsche, welches mir der neue Rechner über das Jahr 1994 verteilt bescheren sollte, denn er wollte einfach nicht richtig funktionieren. Ständig war irgendwas und niemand, nicht einmal die gewieftesten Spezis, konnte sich einen Reim darauf machen. Ein gutes Jahr später, im Januar 1995, schicken wir den Rechner zurück an seinen Hersteller, mit der Maßgabe: "Bitte ein Upgrade vornehmen." Als ich am Mittwoch, dem 8. Februar von der Schule heimkam, notierte ich lapidarst: "Mein PC war am Vormittag zurückgekommen, also machte ich schnell Hausaufgaben und arbeitete dann ausgiebig am PC, der nun 8 MByte RAM, ein Quadro Speed CD-ROM hatte und zu meiner Überraschung jetzt ein 486 DX2/66 war."

Angesichts dieser äußerst positiven Überraschung - mein Vater hatte wohl heimlich zum Telefon gegriffen, als er gerade die Spendierhosen anhatte, und einen brandneuen Prozessor hinzubestellt -, und vor allem auch in Anbetracht der Ärgernisse der zurückliegenden dreizehneinhalb Monate erscheint mir diese sehr sachliche Darstellung eines Happy Ends heute, 28 Jahre später, beinahe schon undankbar.

Da ist es also an der Zeit, dies endlich nachzuholen: Danke, Papa! Und nach den eher negativen Schilderungen der ersten beiden Artikel nun auch die Dinge zu nennen, die wunderbar waren an meinem allerersten Personal Computer.


Nachlesen: Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 1

Nachlesen: Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2


Hierbei möchte ich vor allem die Programme aufführen, an die sich womöglich kaum jemand erinnert, die aber trotzdem einerseits Freudenquell, andererseits sogar entscheidend für meine weitere Zukunft bis heute waren. Was folgt, ist meine ultimative Softwaresammlung des Jahres 1994.

Platz 9

Vergesst Word, jene völlig überfrachtete Textverarbeitung aus dem Office-Paket - denn hier kommt Textomat plus! DOS-basiert, ASCII-Zeichensatz, minimalistisches Design, kaum Funktionen, spartanisch. Dafür aber auch schnörkellos-elegant und innerhalb weniger Sekunden gestartet.

Textomat plus, seinerzeit erschienen als Teil von Data Beckers legendärer Anwendungssoftware-Reihe "Die Goldene Serie", erlaubte es meinem Schulkollegen Christian und mir, Tag für Tag akribische Aufzeichnungen als platzsparende TXT-Dateien anzufertigen. Aufzeichnungen, für welche wir Mitte der Neunziger, als wir diese Praxis einigermaßen lückenlos verfolgten, vielleicht von unseren Zeitgenossen belächelt wurden.

Doch heute blicken wir zurück auf ein Gesamtwerk, ein Fenster in die eigene Jugend, die ultimative Gedächtnisstütze. Woran sich andere nur bruchstückhaft erinnern, nämlich was sie als Teenager im Alltag so getrieben haben, lässt sich für uns nachvollziehen, in den Jahren 1994 und 1995 beispielsweise nahezu vollständig.

Eine Datenbank, die nicht nur für diese Artikelreihe, sondern auch für meinen Retro-Podcast "Die Rückspultaste" eine wahre Goldgrube darstellt. Gewiss: Ausgefeilt war meine Sprache damals nicht, aber mithilfe von Textomat plus und einem Quäntchen Disziplin gewöhnte ich mir schon in Jugendjahren zielgerichtetes Niederschreiben von Informationen an.

Platz 8

"Formula One Grand Prix" von MicroProse. Erschienen zum Weihnachtsgeschäft 1991, riss diese Rennspielsimulation bereits zweieinhalb Jahre später zumindest mit ihrer Präsentation niemanden mehr vom Hocker. Sehr schlichte, vektorbasierte Grafik und ein nicht gerade realitätsnahes Physiksystem ließen kein authentisches Formel-1-Gefühl aufkommen.

Doch haben sich bis heute der Streckenverlauf beispielsweise des Hockenheimrings, vor allem aber die Straßenschluchten Monacos in mein Gedächtnis eingebrannt. Wann immer ich 1994 diese Kurse fuhr, saß jede einzelne Lenkbewegung und die Ideallinie war mir grundsätzlich sicher.

Es ging mir nicht darum, ein adrenalinaufputschendes Rennerlebnis zu spüren, sondern auf diesen Strecken, die ich auch heute noch im Schlaf nachvollziehen kann, als 15- und 16-Jähriger ein wenig buddhistischen Zen-Status zu erreichen. Innerer Frieden durch Routine und ständige Wiederholung.

Und wenn ich gerade einmal nicht friedlich drauf war, sondern stattdessen eher frustriert nach einem anstrengenden Schultag, dann freute ich mich umso mehr darüber, dass ich meinen Rennrivalen die Namen meiner Mitschüler und Lehrer geben und sie im eigenen Unverwundbarkeitsmodus von der monegassischen Strecke herunterrammen konnte. Entspannung und Abreagieren pur, was will man mehr?

Platz 7

Das Soundblaster-Toolpaket mit SB-Parrot, SB-Talker und Dr. Sbaitso. Eigentlich handelte es sich hierbei lediglich um drei einfachere Programme, welche die unterschiedlichen Fähigkeiten der Soundblaster-Pro-Soundkarte präsentieren sollten, denn in deren Lieferumfang waren sie seinerzeit enthalten - und trotzdem hatten wir jede Menge Spaß damit.

Der SB-Parrot wurde auf dem Bildschirm als bunter Papagei dargestellt, der, wenn man ein Mikrofon an die Soundkarte anschloss, das Hineingesprochene Wort nach ein paar Sekunden wiederholte - in einem höheren, möglicherweise papageienhaften Pitch.

SB Parrot Quelle: Sebastian Göttling Screengrab des SB Parrots Der SB-Talker war wesentlich interessanter, denn jeglicher eingegebener Text wurde von ihm per Sprachsample ausgegeben.

Das Programm lud so zum ausgiebigen Herumexperimentieren ein. Wilde und unaussprechliche Buchstabenketten? Die eigene Zunge scheiterte zwar daran, doch für den SB-Talker stellten sie kein Problem dar. Weil es sich aber um ein US-amerikanisches Programm handelte, konnte es auch nur in angelsächsischer Aussprache "reden".

Es war ein großes Fest, zu hören, was das Programm aus solchen deutschen Monsterwörtern wie "Schokoladenkuchen" und "Fischstäbchen" machte (nämlich "Skokolädnkatschen" und "Fiss-Stäpp-Tschän"), aber eine beinahe noch größere Herausforderung stellte es dar, diese Worte mittels unserer Versuche einer englischen Lautschrift doch wieder einigermaßen Deutsch klingend aus den Lautsprechern zu holen.

Bildergalerie

"Sho co lar dan coo shen" wurde so wieder zum halbwegs verständlichen "Schokoladenkuchen", herrlich. Auf derselben Sprachroutine basierte schließlich Dr. Sbaitso, ein Programm, das einen New-Age-Gesprächstherapeuten simulieren sollte. Zur Zeiten von ChatGPT ist es freilich wenig beeindruckend, was die äußerst rudimentäre KI des Sbaitso leisten konnte, aber dennoch ließen wir uns 1994 gerne auf die ein oder andere Soundblaster-Therapiesitzung ein.

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