Guilty Gear: Strive im Test - Rockiger Fighter überzeugt mit frischem Wind
Test
Guilty Gear ist gemeinhin als eine der schwersten Fighting-Game-Serien bekannt, mit Strive will der Entwickler Arc System Works nun auch Kampfspielanfängern den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig sollen Veteranen nicht vor den Kopf gestoßen werden und die Spieltiefe erhalten bleiben. Ob dieses noble Vorhaben erfolgreich oder eher ein Reinfall ist, haben wir getestet.
Obwohl oder vielleicht gerade weil Guilty Gear seit den Anfängen des Fighting-Game-Genres mitmischt, wurde der neueste Teil von Fans sehnlichst erwartet. Der letzte Hauptteil der Serie kam mit Xrd Revelator im Jahr 2016 raus, der DLC Xrd Rev2 erweiterte das Ganze ein Jahr darauf mit neuen Charakteren und Zusätzen zum Story-Modus. Für Prügelspiel-Begeisterte lieferte der Entwickler in der Zwischenzeit aber auch andere Titel aus der Blazblue- und Dragon-Ball-Fighterz-Serie.
Guilty Gear Strive ist nun der siebte Teil der Hauptreihe und ging bereits letztes Jahr in die Beta. Schon da zeigten sich Änderungen, die das Spiel einsteigerfreundlicher machen sollten - was mal mehr und mal weniger gut von Kennern der Serie aufgenommen wurde. Dennoch hat Arc System Works es geschafft, dass der Titel gut ankommt. Die Story wird weitergeführt, altbekannte Freunde und Feinde finden sich neben zwei neuen Kämpfern in der Charakterauswahl wieder und die Animationen sind sogar noch knackiger als zuvor.
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For Justice
Quelle: PC Games
That Man, Gears und einiges an Geheimnissen - der Einstieg in die Story ist für Guilty-Gear-Neulinge alles andere als einfach.
Auch wenn ihr bei Fighting-Games vielleicht mehr an ein Messen unter Freunden auf der Couch oder an Turniere denkt, Guilty Gear bringt einiges an Hintergrundgeschichte mit. Wie auch im letzten Teil Xrd Revolution bekommt ihr aber wenig Mitspracherecht im Story-Modus. Hier kommt ihr nämlich nicht zum Spielen, stattdessen gibt es einen ungefähr vierstündigen Anime im Stil des restlichen Games. Wer sich nur auf die Geschichte konzentrieren und die Handlung ohne Zwischenkämpfe genießen will, dem könnte das ganz recht sein, wir können dem nur wenig abgewinnen.
Erwartet aber nicht, dass nur, weil das Spiel einsteigerfreundlicher sein soll, auch die Story zugänglicher gemacht wurde. Sie setzt an die Entwicklungen von Xrd an, vergeudet keine Zeit mit Erklärungen oder Zusammenfassungen und startet gleich mit Action. Ihr solltet euch am besten vorher ein Recap reinziehen, denn Strive gipfelt in der finalen Konfrontation des Protagonisten Sol Badguy mit That Man. Generell ist die Welt von Guilty Gear, anders, als vielleicht erwartet, von Magie geprägt. Technik stellte sich in der Lore der Serie irgendwann als zu gefährlich heraus. Dennoch kam es zur Entwicklung der Gears - Menschen, die zu biomechanischen Waffen gemacht wurden. Und wer hätte es gedacht, unser recht zynischer Protagonist sowie andere Kämpfer des Spiels zählen zu dieser Kategorie und sie ringen um ihre jeweiligen Ideale.
Die Sammlung, die Personen und Ereignisse aufführt, erleichtert den Einstieg in die Handlung nicht unbedingt, als Wiederholung oder zum Nachsehen ist sie wesentlich praktischer. Wundert euch nicht, falls ihr selbst mit Zusammenfassungen nicht alles versteht, die Geschichte ist verworren und teils auch nicht ganz verständlich, das war auch schon in den Vorgängern so.
Prügeln, was das Zeug hält
Der eigentliche Kern des Spiels sind aber natürlich die Kämpfe, die online und offline ausgetragen werden können. Die Grundzüge des Ganzen sind einfacher aufgezählt, als ausgeführt: angreifen, blocken und das Gegenüber K.O. schlagen. Es gibt normale Attacken wie Tritte und Schläge, die in Kombination mit verschiedenen Richtungstasten zu Spezialangriffen werden, die sich je nach Charakter anders verhalten. In der Praxis gestaltet sich das aber wesentlich schwieriger, da ihr Techniken und Timing kennen und lernen müsst, um weiterzukommen.
Hinzu kommen auch noch verschiedene Leisten wie Burst und Tension, die für passive und aggressive Techniken verwendet werden. Füllt ihr Tension durch Attacken vollkommen auf, habt ihr Zugriff auf Overdrive-Angriffe. Einer davon löst eine kurze Cinematic-Sequenz aus und drückt eurem Gegner ordentlich Schaden rein. Neu in Strive: Solltet ihr euren Rivalen gegen die Wand schlagen und genug Schaden anrichten, bricht die unsichtbare Barriere und ihr gelangt auf einen neuen Teil der Stage. Wenn euch das Spaß macht, könnt ihr im Trainingsmodus mal versuchen, den Dummy einmal quer über die Map zu prügeln.
Quelle: PC Games
Wall-Breaks sind neu in Strive und machen viel Spaß. Ihr könnt damit verschiedene Teile der Stage ausnutzen.
Was lange währt, wird (endlich) neu
Quelle: PC Games
Für manche Techniken braucht man einiges an Übung. Der aus der Reihe bekannte Roman Cancel ist nur eine davon.
Kennern von Guilty Gear werden zudem noch andere Neuerungen auffallen, vor allem die Änderungen am Gatling, was viele Fans kritisch sehen. In vorhergenagnenen Teilen war es möglich, von einer Attacke zum "nächsthöheren" Angriff zu gehen, wodurch lange Kombos entstanden. In Strive gibt es nun viele Kombinationen, die anders als in etwa Xrd funktionieren oder komplett rausgenommen wurden.
Einfaches Button-Mashing, das gerne von Anfängern in den Vorgängern genutzt wurde, funktioniert hier nicht mehr. Es geht nun mehr darum, sich die kürzeren Kombos zu merken und zu wissen, wann diese eingesetzt werden müssen. Das veränderte Gatling, höherer Schaden und Bestrafungen für zu defensives Verhalten verpassen dem Spiel eine andere Geschwindigkeit, riskanteres Spielen wird belohnt.
Von Helden und Schurken
Für die Prügelpartien stehen euch insgesamt 15 Recken zur Verfügung, unter anderem aus der Reihe bekannte Gesichter wie Sol Badguy, dessen Rivale Ky Kyske oder der seltsame Faust. Zu ihnen gesellen sich zwei Neulinge: Giovanna, die im Tandem mit ihrem Geisterwolf Rei ordentlich aufs Maul gibt, und Nagoriyuki, ein Vampir-Samurai, der in Blutrage verfällt. Die verschiedenen Typen, unter die viele der Charaktere fallen, sorgen dafür, dass jeder einen Kämpfer finden kann, der ihm liegt.
Für Freunde von Geschwindigkeit ist zum Beispiel Millia geeignet, die mit ihren Haaren kämpft, wer lieber Schusswaffen verwendet, sollte Ramlethal wählen, ausbalanciert hingegen sind unter anderem Sol und Ky. Die Charaktere sind zwar Kategorien zugeordnet, doch auch innerhalb einer Gruppe spielen sich die einzelnen Streiter sehr unterschiedlich. Und natürlich gibt es noch ein paar Ausreißer, die nirgends reinpassen, wie etwa Faust, der mit einem riesigen Skalpell kämpft und mit Dingen um sich wirft.
Quelle: PC Games
Giovanna und Nagoriyuki sind die zwei neuen Charaktere, die sich zu dreizehn bekannten Streitern aus den Vorgängern gesellen.
Die KI und ich
Quelle: PC Games
Im Arcade-Modus tretet ihr gegen viele verschiedene Gegner an, die euch mit seltsamen Attacken wie Stofftieren überraschen können.
Im Solo-Modus stehen Prügeleien gegen KI-Gegner, Trainingsmodi und Missionen zur Verfügung. Beim Messen mit den Computergegnern könnt ihr euch entweder euer Traummatch zusammenstellen, indem ihr Rundenlänge, CPU-Stärke, Stage und Musik auswählt. Wollt ihr hingegen lieber eine Reihe an verschiedenen Gegner klatschen, gibt es den Arcade-Modus, dessen Schwierigkeit sich anpasst, je nachdem, wie gut ihr euch anstellt. Verliert ihr hier ein Match, kommt ihr meist weiter, aus bestimmten Kämpfen müsst ihr aber als Sieger hervorgehen. In Survival heißt es durchhalten, solange es geht, ein Kampf folgt auf den Nächsten. Da ihr zwischen den einzelnen Gegnern kaum Wartezeit habt, fühlt sich das Ganze auch sehr flüssig an, euer Adrenalin wird also fleißig weiterpumpen. Nur wenn ihr das Spiel startet, braucht ihr etwas Geduld, es kann einige Minuten dauern, bis euer Gerät endlich fertig mit dem Server kommuniziert hat und ihr endlich loslegen dürft.
Am Anfang war das Dreieck
Quelle: PC Games
Die Missionen werden auf der Karte dargestellt, inklusive Fortschritt und Schwierigkeit. Die Stages sind an den jeweiligen Ort angepasst.
Kampfspielneulingen werden im Tutorial Grundzüge der Steuerung und des Spielablaufs gezeigt. Das meiste lernt ihr aber in den Missionen, die generelle Konzepte von Fighting Games und Eigenheiten von Guilty Gear wie die Roman Cancel vorstellen (von denen es in Strive übrigens vier verschiedene gibt). Einige Techniken sind dabei so grundlegend, dass ihr die Mission nicht unbedingt "geschafft", also drei von fünf Mal erfolgreich ausgeführt haben müsst. Denn jemandem hinterherzuhechten oder Angriffstasten zu drücken, zählt jetzt nicht zur höheren Kunst des Kämpfens.
Andere Aufgaben sind wesentlich schwieriger. Da ihr die einzelnen Missionskapitel nicht in der vorgegebenen Reihenfolge durchackern müsst, könnt ihr euch einfach das heraussuchen, was ihr gerade braucht, sei es eine Technik oder ein bestimmtes Match-up. Als Neuling müsst ihr einiges an Zeit reinstecken, keine Frage, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Zum Meister werdet ihr nicht allzu schnell aufsteigen, aber wenn ihr mal ein paar Moves draufhabt, macht es Spaß, diese an mehr oder weniger harmlosen KI-Gegnern auszulassen und dabei noch ziemlich cool auszusehen.
Die große, weite Onlinewelt
Quelle: PC Games
Für die Online-Lobby könnt ihr euren Pixel-Avatar anpassen. Um neue Outfits zu bekommen, müsst ihr angeln.
Online solltet ihr euch aber nur wagen, wenn ihr schon geübt habt. Fühlt ihr euch bereit, gibt es mehrere Möglichkeiten, um mit anderen zu spielen. Der Turm funktioniert als eine Art Ranked-Modus, bei dem Spieler je nach Können einem der zehn Stockwerke zugeteilt werden. Von da an könnt ihr gegen andere Teilnehmer auf eurem Stock oder darüber kämpfen, solltet ihr eine größere Herausforderung suchen. Ihr könnt aber nicht nach unten um ein paar Neulinge für einfache Siege abzuziehen. Nur Niederlagen können euch nach unten verfrachten, für Siege steigt ihr auf.
Freier geht es im Park zu, da könnt ihr euch je nach Region einfach einen Sparring-Partner aussuchen. Ungeduldige können die Lobby überspringen, indem sie Quick Start wählen und bis zum richtigen Match gegen eine KI trainieren. Bezüglich Verzögerungsproblemen müsst ihr euch keine Sorgen machen: Der schon in der Beta gelobte Rollback Netcode sorgt dafür, dass Lags minimiert und der reibungslose Ablauf der Kämpfe gewährleistet werden. Wer lieber gegen jemanden vor Ort spielen will, kann natürlich offline ein 1-vs.-1-Macht starten, hier müsst ihr euch auch nicht mit der Lobby und anderem Zeug herumschlagen.
Quelle: PC Games
Overdrives sehen einfach imposant aus und richten eine Menge Schaden an.
Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen
Bevor es an das eigentliche Match geht, schmeißen die Charaktere im Offline-Modus nach dem kurzen Anime-Opening mit kessen Sprüchen um sich - oder auch nicht. Ungeduldige Seelen können das Ganze überspringen, ein paar der Interaktionen solltet ihr euch aber anhören. Die Provokationen sowie alles andere Gesprochene gibt es nur auf Englisch oder Japanisch, Untertitel sind aber auch auf Deutsch verfügbar. Wenn es dann schließlich losgeht, wird euer Kampf wie bereits in vorigen Teilen von einem energiegeladenen Rock-Soundtrack begleitet.
In bester Arc-System-Works-Manier sieht alles auch noch umwerfend gut aus: Wunderschöne Anime-Grafik, Special Effects, die das Herz höherschlagen lassen und dazu noch detailliert ausgestaltete Stages, die sogar die Vorgänger in den Hintergrund stellen. Charaktermodelle wirken ebenfalls detaillierter als zuvor, Attacken haben einen richtigen optischen Impact und bei den jeweiligen Overdrives könnt ihr euch schon mal auf die imposanten Cutscenes freuen.
Guilty Gear Strive (jetzt kaufen 215,60 € ) spaltet mit den veränderten Gatlings die Fangemeinde, für viele gehörten diese zur Serie dazu. Diese und andere Neuerungen geben dem Spiel und damit der Serie unserer Meinung nach aber frischen Wind, den sie ganz gut gebrauchen kann. Gleichzeitig scheint die Vision des Chief Creative Officer Daisuke Ishiwatari, das Spiel auch Einsteigern zugänglich zu machen, geglückt zu sein. Welche neuen Charaktere in zukünftigen DLCs warten und wann diese veröffentlicht werden, hat der Entwickler noch nicht verraten. Es ist jedoch bekannt, dass als nächstes fünf neue Kämpfer, zwei Stages sowie zusätzliche Storyinhalte erscheinen sollen.
Guilty Gear Strive ist seit dem 11. Juni 2021 für PC, PS5 und PS4 erhältich.
