Meisterwerk oder müder Neuaufguss?
Die Zielerfassung ist alles andere als zuverlässig.
BILD: PLAYZONE
Eins muss man Rockstar Games und Take 2 lassen: Sie ziehen ihre PR-Strategien stets konsequent durch. So konnten wir die letzten Monate so oft fragen, wie wir wollten, eine Bestätigung der Umsetzung von Vice City Stories für die PS2 war niemandem aus dem Kreuz zu leiern - und dennoch war es ja eigentlich völlig klar, das sie kommen würde. Etwas überrascht waren wir trotzdem, denn schließlich kam erst letzten Monat die offizielle Ankündigung und diesen Monat halten wir das fertige Spiel bereits in den Händen.
Same procedure...
Im Prinzip gilt für Vice City Stories auf der PS2 das Gleiche, was auch schon die Bewertung von Liberty City Stories zustande kommen ließ. Was auf der PSP technisch beeindruckt und ziemlich konkurrenzlos dasteht, muss auf der PS2 allerdings mit mehr Gegenwind zurechtkommen. Konkurrenztitel wie Scarface (dt.) sind Vice City Stories technisch und spielerisch klar überlegen, doch da wären ja noch die bewährten Qualitäten der Reihe: Die stimmigen Charaktere, die detailreich ausgeschmückte Story, die liebevoll ausgestattete Welt - all das trifft auf Vice City Stories durchaus zu, das Niveau des PS2-Vorgängers GTA: San Andreas wird aber zu keinem Zeitpunkt erreicht.
Die Story um Vic Vance, der aus der Armee fliegt und sich fortan sein Imperium in der sonnigen Stadt aufbaut, obwohl er eigentlich in erster Linie ein rechtschaffenes Leben führen will, ist gewohnt witzig erzählt. Skurille Charaktere bevölkern jede Mission und die Stadt ist bereits aus GTA: Vice City (dt.) bekannt und beliebt. Erneut sorgt das zeitliche Setting für Tonnen von Hits aus den Achtzigern und mit Phil Collins konnte Rockstar Games einen sehens- und hörenswerten Stargast für das Spiel gewinnen. Dieser hatte ganz offensichtlich eine Menge Spaß an seinem Job, was zahlreiche Radiokommentare von ihm deutlich machen. Überhaupt glänzt Vice City Stories vor allem dann, wenn man nicht gerade eine Mission spielt, sondern den bissigen und brillant produzierten Werbespots im Radio lauscht. Hier kriegt jeder sein Fett weg.
Rückschritt
Das Wiedersehen mit Lance fällt dank der bockschweren Mission recht unschön aus. BILD: PLAYZONE
Zahlreiche Fans der Reihe konnten sich mit den Mammut-Ausmaßen von San Andreas nicht anfreunden und hätten auf die Rollenspiel-Elemente gut und gerne verzichten können, wenn der Soundtrack wieder an die Klasse von Vice City (dt.) angeknüpft hätte. Diese Spieler werden definitiv nicht enttäuscht sein. Vice City Stories ist im Grunde genommen ein verspätetes Add-on, das keine neuen Maßstäbe setzt, aber zumindest Fans von Vice City (dt.) richtig viel Spaß machen dürfte.
Wer sich dagegen schon sehr an die Verbesserungen aus San Andreas gewöhnt hat, der wird unter Umständen enttäuscht. Spielerisch und inhaltlich ist Vice City Stories ein klarer Rückschritt gegenüber der letzten PS2-Episode und vergessen geglaubte Probleme wie das fürchterliche Zielsystem, verschwindende Autos und eine nicht selten chaotische Kamera verdaut man nur schwerlich. Richtig ärgerlich ist aber vor allem, dass die Entwickler diese Probleme nicht etwa durch weitläufigere Areale umgehen, sondern den Spieler gern in enge Innenräume schicken, in denen Kamera und Zielsystem komplett versagen. Da hilft auch die manuelle Kontrolle per rechtem Analogstick nichts. Auch die Fahrphysik zeigt sich etwas überempfindlich und sorgt gelegentlich für Frust.
Argh!
Unsere Mitfahrer feuern aus allen Rohren auf die Angreifer.
BILD: PLAYZONE
Frust bereiten auch die schlecht ausbalancierten Schwierigkeitsgrade. Einige Missionen waren schon auf der PSP echte Nervenproben und erlangen diesen Titel auch auf der PS2. Wer sich nicht daran stört, viele Missionen doppelt und dreifach zu spielen, der kann beruhigt zugreifen. Anfänger, die in erster Linie eine frei erkundbare Welt entdecken und gelegentlich auch mal etwas ballern möchten, seien gewarnt - aus welchem Grund auch immer sieht man es bei Rockstar Games wohl als besonders motivierend an, wenn man dank der hakeligen Steuerung mal wieder ins Gras beißt und eine Mission von vorne beginnen muss.
