God of War im Serienrückblick: Das machte die Reihe so großartig!
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Mit God of War (2018) bekommt Sonys Action-Reihe rund um den dauergrimmigen Kratos eine komplette Neuausrichtung spendiert. Zur Feier des neuesten Werks blicken wir auf die bisherigen Ableger zurück und erklären, was die Spiel damals auszeichnete und warum ein blasser Spartaner mit Aggressionsproblemen zu einer Ikone der Videospielgeschichte aufsteigen konnte.
Als das erste God of War (jetzt kaufen / 44,99 € ) im Jahr 2005 veröffentlicht wurde, schaffte es etwas, das nur wenigen Spielen gelingt: Es hob ein ganzes Genre um mehrere Stufen an. Die famose Inszenierung, das innovative Setting und das wunderbar flüssige Gameplay sowie ein erbarmungsloser Antiheld begeisterten Spieler auf der ganzen Welt und sorgten für einen Meilenstein der PS2-Ära. Nur in Deutschland musste man sich etwa ein Jahr länger gedulden, da das blutige Action-Adventure des Santa Monica Studios von der USK zunächst keine Altersfreigabe erhielt. Glücklicherweise ließ Publisher Sony mit seinem exklusiven Baby nicht locker und Kratos durfte am 10. Mai 2006 schließlich auch in Deutschland sein Debüt feiern. Kriegsgott sei Dank! Was hätten wir nicht alles verpasst, wenn der bleiche Grobian nie zu uns gekommen wäre? Nun, genau diese Frage versuchen wir in diesem Serienrückblick zu beantworten.
God of War - Serienrückblick
Am Anfang war die Hydra
Quelle: PC Games
Der Beginn des ersten God of War ist legendär. Jeder Zocker erinnert sich an den eindrucksvollen Kampf gegen die Hydra.
Während wir Probleme damit haben, uns an irgendetwas zu erinnern, das im 2016er Watch Dogs 2 passierte, können wir noch genau sagen, mit welcher Begeisterung wir im Mai 2006 vor dem Röhrenfernseher hockten. Schon die ersten Minuten von God of War zogen uns so sehr in diesen Strudel aus Action und Gewalt, dass alle anderen Spiele kurzzeitig absolut zweitklassig erschienen. Wer dieser grimmige, blasse Kerl ist, den man da steuert, war erstmal völlig egal, denn das Kampfsystem war so eingängig und geschmeidig. Unsere Klingen sausten durch die modrigen Körper der Zombie-Soldaten, wir packten uns Gegner und rissen sie in der Mitte durch, um uns herum tobte ein Sturm auf hoher See - konnte das noch eindrucksvoller werden?
Kurz gesagt: Ja, es konnte. Ohne überhaupt genau Bescheid darüber zu wissen, wo wir hier hineingeraten waren, kämpften wir plötzlich gegen die dreiköpfige Hydra, wichen ihren Attacken aus, griffen an, bestanden ein paar Quicktime-Events und pfählten schlussendlich die Köpfe des Ungetüms. Wow! Als wäre das nicht schon genug, warteten anschließend noch ein paar nackte Pixel-Schönheiten auf unseren Protagonisten, die per Kopfdruck befriedigt wurden. Auch heute noch ist God of War - insbesondere der Einstieg in die Serie - ein echtes Brett, schließlich klappte uns im Jahr 2006 im Minutentakt die Kinnlade herunter.
God of War war hart, roh, schnell und - so überstrapaziert dieses Wort im Videospielbereich auch ist - episch! Kratos hatte den perfekten Einstand und das erste Kapitel des Spiels versprach nicht zu viel. Man drang weiter vor in dieses innovative Setting in der griechischen Mythologie, schlachtete allerhand legendäre Monster, löste ein paar Schiebe- und Schalterrätsel und sabberte ein bisschen vor dem Bildschirm, wenn die Kamera herauszoomte und die prachtvollen Kulissen einfing. God of War war nicht nur spielerisch grandios, sondern auch ein echtes Technikspektakel. Der Titel sah gut aus und lief selbst bei vielen Gegnern auf dem Bildschirm flüssig.
Quelle: PC Games
Die Chaosklingen sausen durch die modrigen Körper der immer weiter anrückenden Kreaturen, während der Kombozähler in die Höhe schnellt – das ist God of War, wie wir es lieben!
Schon im ersten Teil etablierte God of War etliche Markenzeichen der Serie: Rätsel, das flinke und eingängige Kampfsystem, Quicktime-Events, wunderbar fies designte Monster und riesige, teils bildschirmfüllende Bosse kamen in jedem Part bis zur jetzigen Serienneuausrichtung vor. Das Santa Monica Studio, damals unter der kreativen Leitung von David Jaffe, erfand die Quicktime-Events zwar nicht, nutzte sie aber perfekt, um die Kämpfe gegen Bosse möglichst spektakulär zu gestalten. Auch das Hack&Slash-Kampfsystem in einem 3D-Action-Adventure war eigentlich nichts Neues: Devil May Cry setzte beispielsweise schon zuvor auf diese Art von Action. Während Capcoms Dante jedoch möglichst schnell, cool und stylish auf Kombos setzte, ging Kratos wilder, brutaler und wuchtiger vor. Wie auch im neuen 2018er God of War bediente sich der Titel hinsichtlich der Elemente seit jeher bei anderen Titeln und fügte diese zu etwas Eigenem und Großartigem zusammen - nur dass damals der Fokus auf erbarmungslos harter Action lag.
Quelle: PC Games
God of War hat die Quicktime-Events zwar nicht erfunden, trug aber sehr viel dazu bei, sie im Gaming zu etablieren. Joa … danke?
Man hätte auch damals schon eine emotionale Story rund um den Protagonisten Kratos erzählen können, schließlich ist seine Hintergrundgeschichte mehr als tragisch. In der Knechtschaft von Kriegsgott Ares verfällt der Glatzkopf in einen Blutrausch im Tempel der Athene und schlachtet völlig von Sinnen sogar seine Ehefrau Lysandra und seine kleine Tochter Kalliope ab. Kratos schwört daraufhin Ares ab und stellt sich in den Dienst der anderen Götter, um seine ständigen Albträume über seine Taten loszuwerden. Vor allem Athene wird nun zu seiner Verbündeten, da sie ihm Heilung verspricht. Die Erzählung war damals noch klar der fetten Inszenierung und der Action untergeordnet. Natürlich haben einige Zwischensequenzen einen Aha-Effekt ausgelöst, viel wichtiger ist aber, dass man loszieht, um die Büchse der Pandora zu finden und mit der Waffe darin den Kriegsgott Ares zu töten. Episch, episch, episch!
Quelle: PC Games
Der Anfang von God of War 2 toppt sogar den Einstieg von Teil 1. Der Kampf gegen den Koloss von Rhodos ist auch heute noch genial inszeniert.
Kolossal gute Fortsetzung
Auch in der im Jahr 2007 erschienenen Fortsetzung God of War 2 war die Erzählung eher zweitrangig. Kratos war nun der neue Kriegsgott, hegte aber einen Groll gegen alles und jeden, da Athene ihn nicht von seinen Albträumen befreien konnte. Schließlich zettelte er überall Kriege an und zog den Zorn der anderen Götter auf sich, woraufhin er seiner Kräfte beraubt und von Zeus getötet wurde. Im Totenreich geht Kratos jedoch ein Bündnis mit der Titanin Gaia ein und kehrt in die Welt der Lebenden zurück, um die Moiren zu suchen und mit deren Hilfe in der Zeit zurückzureisen zu dem Punkt, bevor Zeus ihm die Klinge des Olymps in den Bauch rammte. Das ist alles etwas wirr, aber auch ziemlich egal. Was zählt, ist einzig und allein, dass Kratos mächtig angepisst ist und Zeus in den Arsch treten will.
Quelle: PC Games
Kratos lässt sich immer weitere Manöver einfallen, um seine Widersacher möglichst barbarisch abzuschlachten.
God of War 2 war im Großen und Ganzen eine konsequente Weiterentwicklung des eh schon großartigen Vorgängers. Der Titel holte noch mal alles aus der betagten Playstation 2 heraus und übertraf den Erstling technisch deutlich. Die Animationen waren geschmeidiger, Figurenmodelle sowie Levels noch detaillierter, die Farben noch knalliger - God of War 2 sieht selbst heutzutage noch richtig gut aus. Spielerisch machte man keine großen Sprünge, feilte aber an etablierten Elementen und erweiterte den Titel sinnvoll. So gab es nun auch Shoot-'em-up-mäßige Flugabschnitte, in denen Kratos auf dem Rücken eines Pegasus saß und in der Luft gegen allerhand fiese Monster antrat. Natürlich inklusive spektakulärer Finishing-Manöver, bei denen unser spartanischer Protagonist beispielsweise einem Greifen die Flügel abhackt und ihn dann abstürzen lässt, während er selbst lässig auf seinen Pegasus zurückspringt.
Quelle: PC Games
Die Bosskämpfe sind in God of War 2 einfach überragend. Man tritt sogar gegen einen alten Bekannten von Kratos an.
Überhaupt machte die Inszenierung noch einen ganz großen Sprung nach vorne, was vor allem an den genialen Bosskämpfen lag, von denen es nun viel mehr gab als noch im Vorgänger. So tritt Kratos beispielsweise gegen den toten Barbaren-Häuptling an, der ihn einst im Kampf besiegte und dafür sorgte, dass sich unser bleicher Glatzkopf an Ares band. Sogar der famose Einstieg von Teil 1 wird noch mal getoppt, indem man anfangs gegen den Koloss von Rhodos antritt. God of War 2 war inszenatorisch seiner Zeit klar voraus und wirkt teilweise immer noch cineastischer, spektakulärer und eindrucksvoller als einige aktuelle Spiele. Gepaart mit dem absolut runden, schnellen, befriedigenden Gameplay, das sich noch mal besser anfühlt als im ersten Teil, wird God of War 2 zu einem der besten Action-Spiele aller Zeiten. Wer dieses Meisterwerk verpasst hat, muss es unbedingt nachholen! Ein absoluter Pflichttitel für alle Genrefans!
