Die Kehrseite
Bei aller anfänglichen Begeisterung für die lebendige, offene Spielwelt, das geniale Afrika-Setting, die vielen liebevollen Details etc. ergeben sich mit längerer Spieldauer aber auch einige Ärgernisse, die man hätte umgehen oder zumindest eleganter lösen können. Zunächst einmal schlucken die Gegner einfach zu viele Kugeln. Wenn man aber mit einem leichten MG aus nächster Nähe ganze Salven zielsicher abfeuert und sich der getroffene Widersacher mehrmals wieder hochrappelt, leidet darunter die Authentizität des ansonsten so stimmigen Shooters. Zudem ist es aufgrund der bis zu einem bestimmten Punkt etwas trägen, dann aber zu hektisch reagierenden Analogstick-Abfrage schwer, bewegte Ziele zu treffen. Zum Vergleich: In Call of Duty 4 funktioniert das Aiming dank der ausgewogenen Beschleunigungskurve hervorragend.
Weiterhin ist das unbemerkte Anschleichen an feindliche Stellungen so gut wie nicht möglich. Selbst mit schallgedämpften Waffen, dem teuren Tarnanzug (Zitat Waffen-Shop: "Stealthverbesserung") und in absoluter Dunkelheit eröffnen die Gegner ab einer bestimmten Entfernung so gut wie immer das Feuer. Da es in punkto Feindverhalten und -anzahl keine Unterschiede zwischen Tag und Nacht gibt, verkommt der Zeitenwechsel zum rein optischen Gimmick, das sich lediglich auf Lichtverhältnisse und Atmosphäre auswirkt. Stressig: Gesäuberte Checkpoints an Straßen und in Dörfern werden nach jeder erfüllten Mission wieder von neuen Schergen bemannt. Besonders ärgerlich, wenn man gerade erst vor fünf Minuten das komplette Camp ausradiert hat und nun schon wieder angegriffen wird.
Söldneralltag
Das Design der Hauptmissionen ist - samt der Zusatzaufgaben eurer Buddys - vom Grundprinzip her recht schnell durchschaut, gestaltet sich aber durchaus abwechslungsreich. Nebenaufgaben von den örtlichen Waffenhändlern und anonymen Auftraggebern via angezapfter Telefonmasten sind da wesentlich unspannender. Für erste müsst ihr jeweils einen LKW-Konvoy vernichten, letztere setzen euch auf eine bestimmte, für den Story-Verlauf völlig irrelevante Zielperson an. Immerhin bessert ihr damit einerseits das Angebot an Waffen sowie andererseits euer Portmonee auf. Das Malaria-Feature allerdings wirkt in letzter Konsequenz aufgesetzt und dient lediglich dazu, die Spielzeit zu strecken.
In technischer Hinsicht sticht vor allem das zum Teil heftige Tearing negativ heraus. Hinzu kommen weitaus weniger störende Pop-ups und Draw-ins, die nur dann auffallen, wenn man in einem Fahrzeug unterwegs ist und entsprechend große Weitsicht hat. Der Rest ist, wie Kollege Sebastian in seinem Meinungskasten völlig richtig anmerkt, "wie aus einem Guss". Ladezeiten gibt es dank Streaming nur beim Wechsel zwischen nördlichem ins südlichem Territorium, Ruckler halten sich trotz opulenter Flora und weitläufiger Areale in engen Grenzen und die bei Gefahr einsetzenden afrikanischen Klänge unterstützen das "Mittendrin"-Gefühl zusätzlich. Besonders nett sind auch Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass euer Alter-Ego tatsächlich nach Objekten greift oder sich beim Wechsel vom Geschütz eines Jeeps ans Steuer lässig am Überrollbügel in den Sitz schwingt.
