Empire of the Ants im Test: Grafik zum Staunen, doch etwas Wichtiges fehlt

Test Felix Schütz
Empire of the Ants im Test: Grafik zum Staunen, doch etwas Wichtiges fehlt
Quelle: Microids

Hier kloppen sich die schönsten Insekten der Videospielgeschichte: Empire of the Ants verspricht zugängliche Echtzeit-Strategie in moderner Unreal-Engine-Optik. Das Ergebnis sieht fantastisch aus, verspielt aber auch wichtige Chancen.

Nein, tolle Grafik ist wirklich nicht alles. Aber verdammt, was kann sie für einen Unterschied machen! Jüngstes Beispiel: Empire of the Ants.

Das Genre ist riskant, die Idee bestenfalls nischig. Eigentlich hätte dieses Strategiespiel scheitern müssen. Eigentlich. Doch Empire of the Ants (jetzt kaufen 25,34 € ) ist - mit ein paar Abstrichen - überraschend gelungen, manchmal sogar faszinierend. Und das hat es auch seiner fabelhaften Grafik zu verdanken.

Aus nächster Nähe lasse ich da ganze Armeen von hübsch animierten Ameisen, Käfern und anderem Krabbelgetier vor herrlichen Naturpanoramen aufmarschieren. Gigantisches Blattwerk, Gräser wie Bambuswälder, Pfützen wie Bergseen, ganze Meere aus Kieselsteinen, feine Beleuchtung und detailreiches Terrain lassen mich so richtig im Mikrokosmos abzutauchen. Mein persönliches Highlight: Die dicken Hummeln, die brummend über mich hinwegsausen und dabei einen Lärm machen, der an Propellerflugzeuge erinnert - bei solchen Details geht mir das Herz auf.

Bildergalerie

Auch die schiere Menge an Einheiten hat mich beeindruckt, denn wir reden hier nicht nur von einer Handvoll Ameisen, sondern von hunderten! Ganze Schwärme detailreicher Insekten, die sich gegenseitig die Chitinpanzer eindellen, mit Säure bespucken oder die sich über feindliche Nester hermachen. Natürlich hat diese Pracht ihren Preis - alles über die Hardwareanforderungen und Stärken der Unreal Engine 5.4 lest ihr bei meinen Kollegen von PC Games Hardware.

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Doch egal, ob ihr auf Konsolen oder modernen PCs spielt: Das Ergebnis sieht nicht nur toll aus, es klingt aus so! Ein gelungener, orchestraler Soundtrack unterstreicht passend das Spielgeschehen, sei es nun im Kampf oder in seinen vielen ruhigen Momenten - das sorgt für jede Menge Atmosphäre.

Aber kann das Gameplay da mithalten? Steckt unter der Edel-Fassade auch ein gutes Echtzeit-Strategiespiel? Ich habe es durchgespielt.

Im Auftrag ihrer Majestät

Eine knapp 15-stündige Kampagne bildet das Herzstück von Empire of the Ants. Sie basiert lose auf den Romanen von Bernard Werber, steht also auf einer guten Grundlage. Trotzdem schafft sie es nie, so etwas wie Spannung aufzubauen. Ich spiele eine einzelne Ameise, die im Auftrag ihrer Königin auf verschiedenste Missionen geschickt wird. Doch die Ziele wechseln munter durch, mal soll man anderen Stämmen helfen, dann wieder Ressourcen sammeln oder Termiten bekämpfen.

Das alles wirkt zusammengewürfelt, der Plot hält die Einsätze kaum zusammen und mündet in ein schwaches Finale. Zwischendurch gibt's zwar jede Menge optionale Dialoge mit anderen Insekten, doch die Gespräche sind weder vertont noch interessant geschrieben. So sehr ich mich auch anstrenge: Ich kann mich an keine einzige Figur aus dem Spiel erinnern.

Zwei Ameisen unterhalten sich in einem Multiple-Choice-Dialog. Quelle: PC Games Die ruhigen Abschnitte, in denen eigentlich der Plot vorangetrieben werden soll, verfehlen darum ihre Wirkung. Dafür haben sich die Entwickler aber ein paar nette Ideen einfallen lassen, um etwas Abwechslung in die Kampagne zu bringen. Möglich macht's die ungewöhnliche Steuerung!

Mittendrin im Geschehen

Anders als in den meisten Strategiespielen kommandiere ich meine kleine Ameise nämlich nicht aus der typischen Draufsicht. Ich gebe ihr auch keine Marschbefehle. Stattdessen ist sie eine aktive Spielfigur, die ich wie in einem Action-Adventure selbst bewege. Die Kamera klebt deshalb immer nahe an ihr dran.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!
Schon im Jahr 2000 versuchte Publisher Microids, ein Ameisen-Strategiespiel auf den Markt zu bringen. Auch das hörte damals auf den Namen Empire of the Ants, fiel spielerisch aber dürftig aus. Aber keine Sorge: Außer dem Titel hat die neue Version nichts mehr mit dem alten Spiel gemein.

Die Steuerung ist zwar auf Gamepads zugeschnitten, geht aber auch mit Maus und Tastatur gut von der Hand. Besonders cool: Ich kann an praktisch jeder Oberfläche bequem entlang kraxeln, ganz egal ob Baumrinde, Grashalm oder ein weggeworfener Fußball. Kämpfen kann ich allerdings nicht, meine Ameise ist völlig wehrlos. Nur Rennen und Springen ist erlaubt, so lassen sich zum Beispiel tödliche Pfützen überqueren oder neue Wege erreichen.

Diese direkte Steuerung macht einige "Abenteuer"-Missionen möglich, in denen ich komplett allein unterwegs bin. Manche davon sind gelungen, da soll ich zum Beispiel nachts einen feindlichen Termitenstamm auskundschaften und die Position ihrer Lager und Truppenverbände bestimmen. Und in einer anderen Szene soll man sich an einer imposanten Kreuzspinne vorbeischleichen, von der ich heute noch Albträume habe. Beides sind richtig hübsche Einfälle, die auch nicht zu lange dauern.

Doch es gibt auch Solo-Missionen, die überhaupt nicht funktionieren. Wenn ich zum Beispiel verlorene Arbeiter suche, während langsam der Wasserpegel steigt. Wenn ich unter Zeitdruck in einem Gleisbett kostbare Blattläuse aufsammle (lecker Honigtau!). Oder wenn ich in einem rappelvollen unterirdischen Ameisenbau mehrere Verräter ausfindig machen soll - die Sucherei dauert einfach viel zu lange und macht darum nur wenig Spaß.

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