Diablo 4: Dank Lord of Hatred sind grüne Sets zurück - und schlauer gelöst als in Diablo 2
Special
Bislang fehlten sie in Diablo 4, doch Lord of Hatred bringt sie endlich zurück: Grüne Gegenstände mit speziellen Set-Boni. Allerdings ändert sich diesmal eine ganze Menge, denn Blizzard führt mit den Sets mehrere Neuerungen ein.
Ein Diablo ohne Sets? Für viele Fans undenkbar! Schließlich gibt es die extrem seltenen Items mit ihrer markant grünen Schriftfarbe schon seit Diablo 2. Dort waren sie im Grunde legendäre Items mit starken Grundeigenschaften, doch ihre Besonderheiten lagen woanders: Sobald ihr mehrere grüne Items aus dem gleichen Set ausgerüstet habt, gab's nochmal ein paar kräftige Bonus-Vorteile dazu, vor allem die klassenspezifischen Sets fielen besonders mächtig aus und ließen die Augen der Beutefarmer leuchten.
Auch in Diablo 3 kehrten die beliebten Set-Gegenstände zurück, sie wurden mit dem Add-on Reaper of Souls ins Spiel eingebaut. Doch in Diablo 4? Bislang komplette Fehlanzeige. Über Jahre hinweg wurde Blizzard immer wieder nach den grünen Sets in Diablo 4 gefragt, die Antwort war stets dieselbe: Man suche noch nach einer Möglichkeit, Sets sinnvoll in Diablo 4 einzubauen. Mit Lord of Hatred haben die Entwickler endlich eine Antwort gefunden.
Talisman: So ändert Diablo 4 die beliebten Sets
Dank der zweiten Erweiterung Lord of Hatred kehren die Sets in Diablo 4 zurück, diesmal allerdings in ungewohnter Form. Denn hier sammelt ihr keine Waffen und Rüstungsteile, um ein Set zusammenzustellen.
Stattdessen erbeutet ihr nun Siegel und Zauber (Charms). Beides sind neue Gegenstandstypen in Diablo 4, die ihr nun in einen speziellen Talisman einsetzt. Auch der ist neu, ihr erhaltet ihn zu Beginn der Lord-of-Hatred-Kampagne, ab da ist er als eigener Reiter im Inventar verfügbar.
Quelle: PC Games
Siegel bringen grundlegende Boni und schalten neue Slots für Zauber (Charms) frei.
Der Ablauf ist sehr einfach: Siegel liefern nicht nur einen starken Grundbonus (z.B. 5 Prozent mehr Schaden), sondern schalten vor allem Slots für euren Talisman frei. Einfache Siegel schaffen nur drei Steckplätze, während hochwertige, legendäre Siegel bis zu sechs Slots enthalten. In diese Slots wandern nun eure Zauber. Die Steinchen liegen ebenfalls in verschiedenen Seltenheitsgraden vor und haben unterschiedliche Boni. Manche verbessern bestimmte Talentgruppen, andere pushen eure Attribute, euren Goldfundbonus oder XP-Gewinn. Zauber können aber auch als grüne Qualitätsstufe droppen - das sind dann die Set-Gegenstände, die besondere Vorteile liefern, wenn ihr sie gemeinsam ausrüstet.
Quelle: PC Games
Grüne Zauber kommen mit besonderen Set-Boni, die nur aktiv sind, wenn ihr mehrere oder alle Items aus dem Set ausgerüstet habt.
In unserem Test zu Diablo 4: Lord of Hatred sind für uns nur ziemlich unspektakuläre Sets gedroppt. Ein starker Bonus auf Erfahrungspunkte oder +2 auf eine bestimmte Sorte Fähigkeiten ist zwar sehr willkommen, aber eben auch nicht bahnbrechend. Wir haben in unserer Spielzeit noch keine Sets gefunden, die wirklich neue Builds ermöglichen oder welche die Spielweise eines Charakters grundlegend ändern - eben das war in Diablo 2 und Diablo 3 noch anders.
Auch die Tatsache, dass Sets "nur" die Zauber (Charms) betreffen und nicht die reguläre Beute, könnte manchen Diablo-Veteranen vielleicht erst mal sauer aufstoßen.
Die Gründe dahinter sind allerdings nachvollziehbar:
- Indem Blizzard die Sets aus dem regulären Beutepool ausklammert, kommen sie sich mit den anderen Gegenständen nicht in die Quere. Crafting und andere Inhalte müssen nicht angepasst werden, was zweifellos riskant wäre. Der Talisman stellt also eher eine Ergänzung zu den bisherigen Systemen dar, und genau das macht ihn für die Zukunft ziemlich ausbaufähig: Wenn Blizzard neue Gegenstandstypen einführen will, etwa für Seasons, könnten sie hier einen Platz finden. Auch wäre es denkbar, den Talisman später noch zu erweitern. Das alles könnte man umsetzen, ohne die Beutejagd gleich auf den Kopf zu stellen.
- Dass Sets "nur" noch starke Boni liefern, wirkt auf den ersten Blick langweilig. Aber: Würde Blizzard auf einen Schlag 20 neue Uber-Sets einbauen, die alles andere in den Schatten stellen, wäre die Gefahr groß, dass dadurch andere Items direkt wieder entwertet würden. Will man eine möglichst große Vielfalt an Builds und Spielweisen fördern und die Beutejagd lebendig halten? Dann kann es nicht das Ziel sein, die Spieler anzuspornen, nur noch auf bestimmte Sets hinzuarbeiten. Es ist richtig, hier "klein" anzufangen. Neue Sets und stärkere Boni lassen sich ja auch noch in Zukunft einbauen, sofern die Fans Bock darauf haben.
- Mit Lord of Hatred hat Blizzard alle Talentbäume für sämtliche Klassen überarbeitet und erweitert. Es gibt nun mehr Modifikatoren für Talente, mehr Varianten und mehr Auswahl. Im gleichen Atemzug wurden einige der passiven Vorteile, die man unten im Talentbaum finden konnte, entfernt. Manche davon wurden über die neuen Skill-Modifikatoren ausgeglichen, andere Lücken könnt ihr aber auch einfach mithilfe des Talismans schließen. Die neuen Zauber sind dazu ideal.
Noch mehr Gedanken und Infos zu Lord of Hatred findet ihr in unserem Test-Video. Und wenn ihr noch etwas weiter nach unten scrollt, haben wir noch ein bisschen Trivia für euch!
Schon gewusst? Der Talisman ist gar nicht neu!
Hier noch ein kleiner Fun Fact für euren nächsten Diablo-Stammtisch: Der Talisman in Diablo 4 ist tatsächlich keine neue Erfindung für die Reihe, sondern geht auf ein altes Design für Diablo 3 zurück. Woher wir das wissen? Wir haben Diablo 3 schon seit dem 2008 in mehreren frühen Versionen gespielt, manchmal bei Blizzard vor Ort, manchmal auf der Blizzcon. In diesen Fassungen waren noch zig Mechaniken unfertig oder gar nicht enthalten, dafür gab es andere Features (zum Beispiel Runen), die später wieder weichen mussten.
2010 hatte Blizzard dann eine weitere frühe Version von Diablo 3 im Gepäck, diesmal mit dem Demon Hunter und vielen Neuerungen. Eine davon war der neue Talisman. Screenshots davon sind selten, aber wir haben damals beim Probespielen schnell ein Foto gemacht.
Quelle: PC Games
Bild aus einer frühen Version von Diablo 3 aus dem Jahr 2010: Der Talisman samt Zaubern befand sich links im Inventar. Das Feature wurde noch vor dem Release wieder entfernt.
Wie ihr seht, war der Talisman ein rundes Element im Inventarbildschirm. Seine einzige Funktion bestand darin, Platz für Zauber (Charms) zu schaffen. Zur Erinnerung: In Diablo 2 waren Zauber noch riesige Items, die massenhaft Platz im Inventar wegfraßen. Diesen Design-Fehler wollte Blizzard nicht wiederholen, also überlegte man sich ein eigenes Mini-Inventar, das extra für die Zauber vorgesehen war. Und so war schließlich der Talisman geboren.
Leider beschloss Blizzard später, viele Systeme von Diablo 3 abzuändern oder zu entfernen. Attributpunkte durfte man nicht länger selbst verteilen, Runen mit Skill-Modifikatoren wurden gestrichen, später mussten dann auch die klassischen Talentbäume dran glauben. Der Talisman war da ein vergleichsweise kleines Opfer.
Mit Diablo 4 wollte Blizzard wieder mehr Tiefgang in das Beute-Gameplay und in die Charakterentwicklung zurückbringen. Zwar nie so ausufernd und komplex wie beispielsweise Path of Exile, aber doch mit deutlich mehr Spieltiefe als noch im einsteigerfreundlichen Diablo 3: Reaper of Souls.
Wie gefallen euch die ganzen Neuerungen in Lord of Hatred? Könnt ihr etwas mit dem Talisman und den Zaubern anfangen oder ist euch das System noch zu seicht? Vor allem: Welche Features und Änderungen wünscht ihr euch für die Zukunft von Diablo 4? Schreibt uns eure Ideen gerne in die Kommentare!
