Herr der Ringe: Dieser geheime Realfilm wird wohl nie veröffentlicht
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Herr der Ringe hat ein verborgenes Film-Geheimnis: Unter Bakshis Animationsfilm steckt ein Realfilm, den Fans wohl nie sehen werden.
Der Herr der Ringe ist einfach nicht totzukriegen. Und das ist in diesem Fall ausdrücklich positiv gemeint. Tolkiens Mittelerde gehört noch immer zu den größten Fantasy-Welten überhaupt. Peter Jacksons Filmtrilogie wird bis heute gefeiert, regelmäßig wieder geschaut und von vielen Fans wie ein heiliger Schatz behandelt. Dazu kamen später die Hobbit-Filme, die zwar deutlich umstrittener waren, aber trotzdem noch Millionen Menschen nach Mittelerde gelockt haben.
Und auch aktuell ist längst nicht Schluss. Amazons Die Ringe der Macht läuft noch eine Weile lang weiter und soll die Geschichte rund um Sauron, die Elben und die titelgebenden Ringe fortsetzen. Gleichzeitig arbeitet Warner Bros. wieder an neuen Kinofilmen. Besonders spannend ist dabei Die Jagd nach Gollum, bei dem Andy Serkis nicht nur erneut mit der Figur verbunden ist, sondern auch Regie führt. Mittelerde bleibt also ein großes Thema.
Umso kurioser ist ein Blick zurück. Denn lange bevor Frodo, Aragorn, Gandalf und Gollum in Peter Jacksons Filmen ihr endgültiges Kino-Gesicht bekamen, gab es bereits eine andere große Herr-der-Ringe-Adaption. Und bei der steckt ein kleines Geheimnis drin, das viele Fans vermutlich gar nicht kennen. Denn streng genommen gibt es noch einen weiteren Live-Action-Film zu Der Herr der Ringe. Nur werden wir diesen wohl niemals zu sehen bekommen.
Damit ist nicht irgendein verschollener Konkurrenzfilm aus Hollywood gemeint. Es geht auch nicht um ein geheimes Projekt, das damals kurz vor dem Dreh gestoppt wurde. Gemeint ist Ralph Bakshis Der Herr der Ringe aus dem Jahr 1978. Den kennen viele von uns als Animationsfilm.
Mal geliebt, mal belächelt, mal als seltsames Zwischenstück zwischen Tolkien-Buch und Jackson-Trilogie abgestempelt. Doch unter der gezeichneten Oberfläche steckt sehr viel mehr echter Film, als man zunächst denkt.
Bakshi arbeitete damals massiv mit Rotoskopie. Das bedeutet: Szenen wurden erst mit echten Schauspielern gedreht. Danach nahm man dieses Material als Vorlage für die Animation. Bewegungen, Gesten, Körperhaltung, Schatten, Kämpfe - all das entstand also nicht einfach frei am Zeichentisch. Es wurde zunächst real gefilmt und anschließend überzeichnet, verfremdet und in den Stil des fertigen Films übertragen.
Das erklärt auch, warum Bakshis Herr der Ringe bis heute so eigenartig aussieht. Und das ist gar nicht unbedingt negativ gemeint. Der Film wirkt manchmal fast wie ein Traum, manchmal wie ein Albtraum und manchmal wie ein historisches Experiment, das man nicht so richtig einordnen kann. Die Figuren bewegen sich nicht wie klassische Zeichentrickfiguren. Sie wirken schwerer, echter, körperlicher. Vor allem in den Schlachten und bei den Ringgeistern merkt man, dass hier echte Menschen als Grundlage dienten.
Für Bakshi war das nicht nur ein künstlerischer Kniff, sondern auch eine ziemlich clevere Lösung. Ende der 70er gab es keine modernen CGI-Effekte, keine digitale Nachbearbeitung wie heute und natürlich auch kein Motion Capturing, wie es später bei Gollum in Peter Jacksons Filmen berühmt wurde. Wer damals realistische Bewegungen in einen Animationsfilm bringen wollte, musste improvisieren.
Und genau hier wird es spannend. Denn im Grunde existierte damit eine echte Live-Action-Grundlage von Der Herr der Ringe. Schauspieler standen vor der Kamera. Sie trugen Kostüme. Sie spielten Frodo, Aragorn, Gandalf, Boromir, Orks, Ringgeister und andere Figuren. Sie bewegten sich durch echte Sets oder vor Kulissen. All das wurde aufgenommen. Nur war dieses Material nie dafür gedacht, als fertiger Film veröffentlicht zu werden.
Es war Arbeitsmaterial. Eine Art Gerüst, aus dem später der Animationsfilm wurde. Trotzdem ist der Gedanke ziemlich faszinierend: Irgendwo gibt es also quasi einen Herr-der-Ringe-Realfilm aus den 70ern. Lange bevor Peter Jackson Mittelerde auf die große Leinwand brachte.
Noch kurioser wird das Ganze, wenn man bedenkt, wie schwierig Herr der Ringe damals überhaupt fürs Kino galt. Vor Bakshis Version gab es Ideen, Tolkiens komplette Geschichte in einen einzigen Live-Action-Film zu pressen. Aus heutiger Sicht klingt das fast absurd. Drei Bücher, eine riesige Welt, unzählige Figuren, mehrere Handlungsstränge, große Schlachten und der gesamte Weg zum Schicksalsberg - alles in einem Film. Bakshi wollte genau das nicht. Er war der Meinung, dass man die Vorlage damit viel zu stark verstümmeln würde.
Sein Plan war deshalb eine Umsetzung in zwei Teilen. Der Film von 1978 erzählt grob die Handlung aus Die Gefährten und Teilen von Die zwei Türme. Danach sollte es eigentlich weitergehen. Doch der zweite Teil kam nie. Bakshis Herr der Ringe blieb unvollendet.
Gerade deshalb wäre das alte Live-Action-Material heute so spannend. Man könnte sehen, wie Mittelerde kurz vor der Peter-Jackson-Ära ganz anders gedacht wurde. Wie sah Aragorn aus? Wie bewegten sich die Orks? Wie wurden die Ringgeister gespielt? Wie viel von diesem Material steckt tatsächlich noch im fertigen Animationsfilm?
Die traurige Antwort: Wir werden es wohl nie erfahren. Ob das komplette Material überhaupt noch existiert, ist unklar. Und selbst wenn irgendwo in einem Archiv noch Rollen oder Kopien liegen sollten, wäre eine Veröffentlichung eher unwahrscheinlich. Trotzdem bleibt diese Geschichte herrlich kurios.
Was meint ihr: Würdet ihr euch dieses Material anschauen, wenn es eines Tages doch noch auftaucht? Wäre Bakshis unveröffentlichte Live-Action-Grundlage für euch ein spannender Schatz aus der Tolkien-Geschichte? Oder sollte dieses seltsame Kapitel lieber genau dort bleiben, wo es seit Jahrzehnten liegt: unsichtbar unter einem der ungewöhnlichsten Herr-der-Ringe-Filme aller Zeiten?
