Demon Slayer: The Hinokami Chronicles im Test: Gelungene Anime-Adaption?
Test
Die Videospiel-Adaption der beliebten Anime-Serie Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba überzeugt in Sachen Story und Präsentation. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Sowohl im Story- als auch im Mehrspielermodus lässt das Spiel so einige Wünsche offen. Lohnt sich der Kauf doch trotzdem für Fans? Das klären wir im Test!
Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba ist eine der beliebtesten Anime- und Manga-Serien der letzten Jahre. Da überrascht es nicht, dass sie nun auch mit The Hinokami Chronicles Einzug in die Welt der Videospiele findet. Entwickelt wurde das Spiel von CyberConnect2, Sega fungiert hierzulande als Publisher.
Die verschiedenen Modi des Kampfspiels weisen allesamt dasselbe Gameplay auf: Auf einem dreidimensionalen Schlachtfeld gilt es, mithilfe verschiedener Angriffe und Fähigkeiten die Lebensanzeige des Gegners auf 0 zu bringen. Dafür steht eine Auswahl an Charakteren aus der Serie zur Verfügung. Die meisten müssen erst im Story-Modus freigeschaltet werden. Dieser ist zudem nur im Einzelspieler erlebbar, wodurch Mehrspieler-Optionen zu Beginn des Spiels stark limitiert sind.
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Von Dämonen und Menschen
Quelle: PC Games
Diese zwei Mädchen weisen Tanjiro auf seinem Weg zum Dämonenjäger.
Im Story-Modus wird die Handlung der ersten Staffel der Serie erzählt: In der Taishō-Ära Japans, in welcher Menschen Angst vor menschenfressenden Dämonen haben, absolviert ein Junge namens Tanjiro Kamado sein Training zum Dämonenjäger. Bei denen handelt es sich um eine Gruppe von Soldaten, welche die Menschheit vor besagten Dämonen beschützen wollen.
Gruselig: Diese Dämonen waren früher mal Menschen. Niemandem ist das mehr bewusst als Tanjiro, denn nach einem Dämonen-Angriff auf seine Familie überlebte neben ihm nur seine Schwester Nezuko, welche sich bei diesem Vorfall ebenfalls in einen Dämon verwandelte. Nun erhofft sich Tanjiro, als Dämonenjäger die Ursache des sich ausbreitenden Dämonen-Fluches sowie ein Heilmittel für seine Schwester zu finden.
Fantastische Präsentation
Quelle: PC Games
So manch eine ultimative Technik löst eine bombige Explosion aus!
Insgesamt wird die Story in acht Kapiteln erzählt. Die nach Wahl von englischen oder japanischen Synchronsprechern vertonten Zwischensequenzen sind eine optische Augenweide und schaffen es, die Story auch für Leute, die weder mit dem Anime noch dem Manga vertraut sind, verständlich zu erzählen. Jedoch endet das Spiel in einem Cliffhanger - verständlich, da es auf dem aktuellen Stand der Anime-Serie basiert. Doch so lässt sich hier keine eigenständige Handlung im Spiel finden und wer wissen will, wie es weitergeht, ist gezwungen, sich entweder den Anime anzusehen oder den Manga zu lesen.
Das Gameplay ist zum größten Teil in zwei Teile gespalten: Neben den aus den anderen Modi bekannten Kämpfen, nach welchen man mit einem Rang bewertet wird, gibt es auch verschiedene Gegenden zu erkunden. In diesen lassen sich diverse Sammelobjekte finden. Zum einen sind das verstreute Erinnerungsfragmente, welche zusätzliche Sequenzen freischalten, die sich jederzeit über den Pausenbildschirm aufrufen lassen. Diese erzählen zusätzliche Hintergrundinformationen der Geschichte.
Vollständig synchronisiert sind diese zwar, jedoch nicht animiert - stattdessen werden sie in einem Diashow-ähnlichen Format präsentiert. Zum anderen finden sich in den Levels sogenannte Kimetsu-Punkte, die Ingame-Währung des Spiels, mit der sich freischaltbare Inhalte erkaufen lassen. Auch Sidequests lassen sich finden, durch welche sich ebenfalls Inhalte freischalten lassen.
Einfach zu leicht
Quelle: PC Games
In diesem Minispiel gilt es, eine kürbisförmige Flasche bis zum Zerbersten aufzublasen. Was das mit dem Erlegen von Dämonen zu tun hat? Gute Frage!
All diese Objekte und Missionen sind auf einer Karte markiert und somit leicht auffindbar. Von Verstecken und Erkundung kann man kaum zu reden - man geht höchstens einen Umweg in den ohnehin schon recht linearen Levels. Generell fehlt dem Story-Modus die Herausforderung, denn die CPU-Gegner, gegen die man antritt, sind selbst für Neueinsteiger meist ziemlich leicht.
Zudem lässt sich der Schwierigkeitsgrad nicht ändern, wodurch sich in vielen Kämpfen leicht der S-Rang erreichen lässt. Stirbt man selber in einem Kampf, kann man sich beliebig oft wiederbeleben. Man gibt dafür lediglich den S-Rang auf, welchen man sich bei erneutem Abschluss des Levels weiterhin holen kann.
Ebenfalls auffällig sind Kapitel 6 und 7. Hier kommt die Story zu einem drastischen Halt, der das Geschehen sowie das Gameplay enorm unterbricht. Statt Kämpfen werden hier Rhythmusspiel-ähnliche Minispiele absolviert. Besonders so kurz vor dem finalen Kapitel des Spiels fühlen sich diese Passagen sehr fehl am Platz an.
Spaß auf kurze Dauer
Quelle: PC Games
Viele der Charaktere greifen im Nahkampf mit Wasser an.
Neben dem Story-Modus gibt es auch den klassischen Versus-Modus, wo man entweder gegen CPUs oder lokal sowie online gegen andere Spieler antreten kann. Hier wählt man jeweils zwei Charaktere, welche sich im Verlauf des Kampfes nach Auffüllen der Leiste wechseln lassen oder einem je nach Kontext helfen, den Gegner anzugreifen oder einen vor einem gegnerischen Angriff zu schützen.
Letzteres ist besonders strategisch relevant, da die Hilfe durch den Partner-Charakter die einzige Möglichkeit ist, sich aus einer gegnerischen Attacken-Kombi zu befreien. Ansonsten ähnelt das Kampfsystem denen anderer Anime-Kampfspiele stark: Es gibt Standardangriffe, Spezialangriffe, Griff- und Wurftechniken und eine Spezialliste für besonders starke Angriffe.
Durch die gefüllte Leiste kann man sich selber auch einen Schub geben, der einen schneller und stärker macht. Diese Aufmachung ist zwar nicht revolutionär, jedoch sehr gut umgesetzt. Die Steuerung ist leicht zu erlernen und intuitiv, lässt aber noch genügend Freiraum für komplexere und individuelle Spielweisen.
Natürlich haben die verschiedenen Charaktere auch ihre eigenen Moves sowie alternative Outfits, jedoch lässt die Auswahl der Charaktere zu wünschen übrig. Insgesamt achtzehn Charaktere stehen zu Release zur Verfügung, sechs weitere werden über kostenlose Updates später hinzugefügt und standen für unseren Test nicht zur Verfügung.
Unter den achtzehn auswählbaren Charakteren befinden sich jedoch zahlreiche Klone anderer Charaktere, während so mancher Fan-Favorit fehlt. Die Movesets vieler Figuren ähneln sich stark und viele davon sind nur andere Charaktere in Schulkleidung. Diese Schul-Versionen der Charaktere basieren auf "Chuukou Ikkan!! Kimetsu Gakuen Monogatari", einem Spin-off-Anime des Demon-Slayer-Franchises, und können somit als Fanservice betrachtet werden. Jedoch unterscheiden sie sich mit Ausnahme der humorvoll inszenierten ultimativen Angriffen nur optisch von den Originalversionen und sind somit kaum mehr als weitere alternative Outfits.
Zudem können alternative Versionen der Charaktere nicht als Partner für die originalen Varianten ausgewählt werden. Stages unterscheiden sich außerdem nur optisch voneinander und bieten keine individuellen Eigenschaften, wodurch sich Kämpfe recht schnell monoton anfühlen. Beim Testen auf der PS5 musste sich Spieler 2 nach jedem Kampf außerdem erneut anmelden - seltsam.
Gefangen in einer Identitätskrise
Quelle: PC Games
Hier lassen sich Belohnungen für verschiedene Leistungen erhalten oder erkaufen.
Wer sich weiter in das Kampfsystem vertiefen will, dem steht neben dem selbsterklärenden Tutorial-Modus auch der Trainings-Modus zur Verfügung, wo Kämpfe unter verschiedenen Bedingungen bestritten werden müssen. Für den Online-Modus lassen sich außerdem Kämpfer-Karten erstellen, welche sich mit ausgewählten Screenshots der Anime-Serie sowie einer Auswahl von Zitaten der verschiedenen Charaktere personalisieren lassen - einen Effekt auf das Gameplay haben diese aber nicht.
In den Archiven lassen sich zudem die Freischaltbedingungen allerlei zusätzlicher Inhalte nachschlagen. Diese Bedingungen könnten unter anderem sein, einen bestimmten Rang in einem Kapitel im Story-Modus zu erhalten, eine bestimmte Anzahl Online-Kämpfe zu bestreiten oder vieles mehr. Wer sich einer Aufgabe nicht gewachsen fühlt, kann diese Inhalte alternativ auch mit Kimetsu-Punkten erwerben. Erhältlich sind hier freischaltbare Charaktere, alternative Outfits, Stages oder Bilder und Zitate für die Kämpfer-Karte.
Das wahrscheinlich größte Problem des Spiels ist die Frage, für wen sich nun ein Kauf bei vollem Preis lohnt. Fans der Serie werden es garantiert genießen, die aufregenden Kämpfe in der Handlung selber zu bestreiten. Wen nur die Story und nicht das Gameplay interessiert, wäre entweder mit dem Anime oder dem Manga besser beraten.
Für Fans von Kampfspielen ohne Interesse an der Serie bietet das Spiel nicht genügend Inhalte, denn der Multiplayer macht zwar Spaß, wird jedoch schnell monoton und fordert den Spieler auf, den Story-Modus zu spielen, um Charaktere und Stages freizuschalten. Ein Kauf zum Vollpreis lohnt sich somit nur für jene, die bereits Interesse an der Serie haben und zudem Fans von Kampfspielen sind.
Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba - The Hinokami Chronicles ist seit dem 14. Oktober 2021 für PC, PS5, PS4, Xbox Series X/S und Xbox One zu haben.
