Chippy: Stellt euch der Herausforderung und zerlegt eure Feinde im wahrsten Sinne des Wortes

Test Narayan Luca
Chippy: Stellt euch der Herausforderung und zerlegt eure Feinde im wahrsten Sinne des Wortes
Quelle: Steam

Ein kleines Dreieck fliegt munter durch den digitalen Raum, trennt fleißig mit seinen Laserschüssen Einzelteile von großen Boss-Gegnern ab und weicht dabei verspielt bunten, leuchtenden Kugeln aus - klingt doch erstmal ganz simpel. Dabei ist der neue Titel von Facepunch Studios namens Chippy alles andere als ein seichter Ausflug mit Baller-Einlagen. Ein paar Erinnerungen an alte Arcade-Shooter wie zum Beispiel Konamis Gradius kommen während des Spieles ins Gedächtnis. Wie sich der bunte Boss-Rush anfühlt, erfahrt ihr in unserem Test.

Wir befinden uns in einem großen quadratischen Raum, außer dem kleinen dreieckigen Wesen, wir nennen es im weiteren nun Chippy, das wir kontrollieren, befindet sich bloß eine Art Auge in dem Raum mit uns. Schnell entpuppt sich die fragwürdige Gestallt als Feind, den es zu besiegen gilt.

Dafür traktieren wir seine äußere Hülle mit einem Dauerfeuer aus Laserschüssen, um ihn zu schädigen - tatsächlich haben wir zuerst ein anderes Ziel im Sinn, als bloß Schaden an ihm anzurichten. Anstatt einfach wild auf das Auge im Zentrum zu schießen, trennen wir die Arme des Wesens ab. Auf denen sitzen Kerne, die uns unter Beschuss nehmen. Entledigen wir uns derer, ist das Auge am Ende fast wehrlos ausgeliefert und leichte Beute.

Angetreten zum Boss-Rush

Und das ist auch so ziemlich der Kern des Spielprinzips. Der Arcade-Top-Down-Shooter von Rust-Entwickler Facepunch Studios stellt euch vor 14 Bossgegner, die es zu besiegen gilt. Dafür steht euch einerseits die Crusade- und andererseits die Invasion-Kampagne zur Auswahl, welche an sich beide gleich ablaufen: Ihr besiegt Boss A, schaltet Boss B frei und haut diesem dann aufs Auge; nur, dass die zweite Kampagne wesentlich anspruchsvoller ist.

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Ganz offensichtlich möchte das Spiel, an alte Arcade-Klassiker wie zum Beispiel Shooter von Atari erinnern - das Gameplay ist schnell, die Kämpfe sind herausfordernd und ein einzelner Fehler kann sofort die Niederlage bedeuten. Dafür ist der Wiedereinstieg in das Spiel sehr flott, Ladezeiten innerhalb des Boss-Kampfes gibt es quasi nicht. In Teils Bullet-Hell-artiger Manier werdet ihr von Boss-Monstern mit einer riesen Anzahl an Kugeln beschossen. Die verschiedenen Bosse unterscheiden sich alle in ihrer Thematik, so ist einer zum Beispiel eine Art Kraken, der im Kampf auch Wasserblasen verschießt.
Oft lässt es sich nicht vermeiden, buchstäblich ins Maul des Schreckens zu fliegen. Quelle: PC Games Oft lässt es sich nicht vermeiden, buchstäblich ins Maul des Schreckens zu fliegen. Ein anderer ist wiederum eine Pflanzen-Mutation, die sich ständig selbst regeneriert. Zusätzlich haben die Schrecken auch unterschiedlich viele Phasen, in denen der Gegner größer und gefährlicher wird. Weiterhin kriegen die Monstrositäten mit jeder Stufe neue Kerne hinzu, die noch mehr Kugeln verschießen, was es immer wichtiger macht, diese zuerst abzutrennen. Jedoch wird das Feature eher zur Pflicht als zur klugen Alternative, was dann doch auch Schade ist. Cool wäre es, wenn man sich nur auf das Auge des Bosses konzentrieren könnte, um so dann schneller einen Sieg zu erringen, auch wenn wir dann wesentlich mehr Angriffen ausweichen müssten. So würde sich die Option auch belohnender anfüllen, die Arme abzuschießen, um die Anzahl der Angriffe zu verringern. Stattdessen nimmt das Auge gar keinen Schaden, solange noch ein Arm mit Kern existiert. So müssen wir dann immer zuerst alle Arme ausschalten, eine andere Herangehensweise führt leider nicht zum Sieg.

Fingerübungen

Wir selbst sind ziemlich winzig. Die gigantischen Bosse wirken dadurch noch bedrohlicher. Quelle: PC Games Wir selbst sind ziemlich winzig. Die gigantischen Bosse wirken dadurch noch bedrohlicher. Die verschiedenen Levels unterscheiden sich ausreichend und sorgen für Abwechslung. Jedoch werden hin und wieder einige der Bullet-Pattern wiederverwendet, sodass man nur ab und zu etwas Neues sieht. Die Formationen der Angriffe sind eher schlichter Natur und versuchen gar nicht erst, optisch ein Hingucker zu sein - in dem Fall eine gute Entscheidung des Entwicklers, denn in Chippy kann einen schnell der Kopf rauchen! So müsst ihr gleichzeitig den Geschossen ausweichen, überlegen wie der Boss überhaupt besiegt werden soll und zusätzlich noch euren Schusswinkel steuern. Da kann es schnell mal passieren, dass man entweder flüssig durch die Angriffe durchmanövriert, ohne einen Treffer am Feind zu landen oder umgekehrt. Trotz der an sich simplen Muster verspricht sich bei jedem Herausforderer ein harter Kampf. Gerade die Kombination von mehreren, einfachen Angriffen reicht schon aus, um uns genug einzuheizen. Die ersten Bossgegner sind noch gute Reaktionsübung, spätestens aber ab der Hälfte der ersten Kampagne ist es sehr angebracht, mit Strategie an die Duelle heranzugehen - eine geübte Hand beim Ausweichen ist ab dem Zeitpunkt schon längst eine Grundvoraussetzung.

Jeder Boss fängt erst einmal klein an. In seiner nächsten Phase sieht die Sache dann aber schon anders aus. Quelle: PC Games Mit jeder Phase gilt es, mehr Kerne zu zerstören, bevor wir das Auge des Bosses angreifen können. Quelle: PC Games

Immerhin überzeugt Chippy auch durch seine Übersichtlichkeit: Ist ein Geschoss rötlich bis orange gefärbt und leuchtet, dann ist es eine Gefahr. Alle anderen Bullets verletzen uns nicht, dafür haben sie oft negative Effekte für uns. Darunter sind interessante Ideen dabei, wie zum Beispiel Kugeln die euch an ein Seil binden, sodass ihr nur eine kurze Strecke fliegen könnt, bevor die Leine stramm wird. Nicht so gut gelungen sind die Bullets, welche zum Beispiel andere Kugeln wegstoßen, was extrem gefährlich für den Spieler werden kann, da Flugbahnen dann gar nicht mehr einschätzbar sind. Auch nervig sind die "Verwirrungs-Kugeln" welche uns einfach sinnlos und unkontrollierbar rumfliegen lassen - bei diesen wäre es vielleicht angemessener, wenn die Steuerung invertiert wäre, anstatt dass man selbstständig herumtrudelt und dann in eine tödliche Kugel kracht; oder eben auch nicht, wenn man Glück hat.

Problem-Marathon

Da guckt Chippy ziemlich passend zur Situation - der Bildschirm wird schnell mit Kugeln gefüllt. Quelle: PC Games Da guckt Chippy ziemlich passend zur Situation - der Bildschirm wird schnell mit Kugeln gefüllt. Ebenfalls spielt sich unsere Figur nicht ganz reibungslos. Vor allem die eigene Hitbox agiert sehr merkwürdig: Das Auge von Chippy ist sein Schwachpunkt, erst, wenn eine Bullet dieses überlappt, sterben wir. Trotzdem passiert es oft genug, dass wir regelrecht von tödlichen Bullets abprallen, so als ob es eine Art zweite Hitbox geben würde, welche etwas größer als das Auge ist - und dann sterben wir doch wieder direkt beim nächstbesten Kontakt zur Kugel. Wollen wir anhalten schlittert Chippy auch etwas, was schnelle Drehungen und Wendemanöver zusätzlich erschweren kann. Zwar gibt es eine Taste, mit der man sich langsamer und genauer bewegt, um so dann besser auszuweichen, doch dabei stellt sich die Frage, wofür das Schlittern überhaupt da sein soll. Werden wir getroffen, verlangsamt sich die Zeit, sodass wir uns besser orientieren können - wenn wir doch nicht ab und zu bei einem Treffer herumgeworfen werden würden. Gerade in den Situationen, wo wir in einem dichten Kugel-Hagel getroffen werden, kommt es mal gerne vor, dass Chippy einfach direkt in die nächsten Bullets geschmissen wird. Da hilft die Zeitlupe nicht viel, außer dass man krampfhaft versucht, noch die Flugbahn zu korrigieren.

Bunte Gefahren-Tüte

Apropos Zeitlupe, während eines Boss-Kampfes lassen sich verschiedene Items sammeln. Diese werden von zerstörten Kernen, der Bosse fallen gelassen. Zur Auswahl stehen Offensiv- und Defensiv-Items: Raketen und Schutzschilde sind als Klassiker dabei. Weiterhin lassen sich auch nützliche Fähigkeiten wie kurze Unsterblichkeit und Gravitätsfelder einsammeln. Jedoch sind die besonders coolen Fähigkeiten auch oftmals besonders Gefährlich: Kugeln einzufrieren hilft am Anfang enorm, leider werden sie nicht gelöscht, sondern tauen nach einer gewissen Zeit wieder auf. Je nach Situation haben wir dann mit ihnen erneut zu kämpfen.

Jeder Boss besitzt ein eigenes Gimmick, das es herauszufinden gilt. In diesem Fall müssen wir die Unterseite des 'Gefängnisses' des Bosses angreifen. Quelle: PC Games Jeder Boss besitzt ein eigenes Gimmick, das es herauszufinden gilt. In diesem Fall müssen wir die Unterseite des "Gefängnisses" des Bosses angreifen. Fehlerfrei ist das Spiel zum Zeitpunkt unseres Testes auch nicht. Bugs lassen zum Beispiel, ab und zu Online-Highscore-Tabellen verschwinden und das Steam-Overlay kann dazu führen, dass nur noch das Hauptmenü sichtbar ist und ansonsten nichts mehr anderes. Schade ist auch, dass ein cooles Feature des Spieles derzeit auch ein paar Fehler besitzt: Ihr könnt euch Wiederholungen anderer Spieler anschauen, um von ihnen zu lernen. Es lässt sich sogar jederzeit im Replay, selbst die Kontrolle über Chippy übernehmen. Klingt ja sehr praktisch, nur ist es blöd, dass derzeit viele Aufzeichnung fehlerhaft sind, sodass fast immer ab drei bis vier Minuten nichts mehr geht. Die Wiederholungen von längeren Bossen lassen sich dadurch fast nie komplett ansehen.

Effektfeuerwerk

Optisch gibst sich das Spiel abwechslungsreich. Zwar sind die Hintergründe der Level fast immer gleich, dafür sind die Bosse bedrohlich und schick gestaltet. Besonders Anschaulich sind die Transformationen der Kreaturen, welche immer mehr Teile hinzukriegen und am Ende fast das gesamte Kampffeld einnehmen aufgrund ihrer schieren Größe. Schade ist bloß, dass einige der Effekte, so schön leuchtend und bunt sie doch sein mögen, dem Gameplay nur im Weg sind. So ist es zum Beispiel zwar cool, dass die drei Arme die wir eben abgeschossen haben, in grünen Funken explodieren, wenn diese aber alle Kugeln in dem Bereich verdecken und wir dann getroffen werden, ist der Anblick auch kein Trost mehr. In dem Fall hätte es einfach gereicht, wenn die Bullets immer über den Effekten angezeigt werden.
Nachdem wir den finalen Schuss gelandet haben, explodieren die Bosse in einem regelrechten Effektfeuerwerk. Quelle: PC Games Nachdem wir den finalen Schuss gelandet haben, explodieren die Bosse in einem regelrechten Effektfeuerwerk. Schlussendlich lässt sich sagen, dass der Versuch von Facepunch Studios trotz des einen oder anderen Problems gelungen ist: Chippy weckt durchaus das Gefühl an alte Arcade-Shooter und bietet eine taffe Herausforderung für Bestzeit-Fans. Ein Gefühl der Befriedigung kehrt ein, nachdem man einen der Brocken von Bossen besiegt hat - der nächste noch stärkere wartet direkt schon auf einen. Einige der Probleme trüben zwar den Spielspaß, für eine Herausforderung taugt Chippy aber alle Mal.

Meinung

Wertung zu Chippy (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Innovative Idee hinter dem Teile-AbschießenOptisch gute Lesbarkeit der KugelnHerausfordernde BosseStimmiger SoundtrackHübscher Pixel-Look mit bunten Lichtern und coolen EffektenReplay-Feature gut zum Dazulernen
Steuerung manchmal schwierigViele Bullet-Pattern sehr schlichter Natur, wenig ÜberraschungTeile Abschießen-Feature zu wenig ausgereiztEinige Bugs, Replays funktioniereren zur Zeit Teils gar nicht
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