Call of Duty 3

Test Bernd Holtmann

Minispiele wie diese lockern die intensive Atmosphäre regelmäßig auf. Minispiele wie diese lockern die intensive Atmosphäre regelmäßig auf. Auch fest montierte Waffen spielen in Call of Duty 3 eine große Rolle: Mehr als einmal müssen Sie mit einem Mörser eine Straße räumen oder mit einer stationären MG anstürmende Feinde sprichwörtlich niedermähen. Noch rasanter wird es dann in den ebenfalls eingestreuten Kämpfen der polnischen Panzerdivision, die zwar kurz, aber auch knackig sind.

Die interessanteste Veränderung zum Vorgänger betrifft allerdings die PKW-Fahrten, denn die spielen im französischen Hinterland eine größere Rolle. In einer Mission müssen Sie beispielsweise einen Weg über die Straßen und Gassen eines von den Deutschen besetzten Dorfes finden. Auf der Levelkarte erkennen Sie dann die Straßen der näheren Umgebung und Ihre Beifahrer rufen Ihnen wie in einem Rallye-Rennen zu, in welche Richtung Sie als Nächstes einschlagen müssen. Die Steuerung dieser Levels ist erstklassig - und geskriptete Überraschungen wie ein aus einer Häuserwand brechender Panzer heizen Ihnen so richtig ein.

Dass die COD-Reihe generell von einer Menge fest eingebauter Spielelemente lebt, ist keine Neuigkeit. Dass man aber selbst einfache Skripts sehr aufwendig choreographiert, hat immer wieder überrascht: Da öffnet beispielsweise ein Soldat nach einem Kampf die Balkontür, sanftes Licht strömt in den Raum, die Musik beruhigt sich - und wie die Tauben in einem John-Woo-Streifen sausen zwei alliierte Kampfflugzeuge über das Dach. Ja, das ist pathetisch - und ja, es macht unglaublich viel Spaß.

Das Grafikgerüst des Spiels stützt sich auf die technische Basis von Call of Duty 2, wirkt aber alles andere als alt. Treyarch setzt den Tiefenunschärfeeffekt hier zum ersten Mal so konsequent ein, dass nur der anvisierte Bereich deutlich zu erkennen ist. Gegner verschwinden im Hintergrund , bis man das Fadenkreuz auf sie richtet - dieser Effekt bleibt von der ersten bis zur letzten Spielminute ein Hingucker.

Ebenso aufregend sind auch die 3D-Modelle der Waffen, ihre Anima­tionen und die durchs Nachladen verwackelte Kameraperspektive. Wenn Ihr Alter Ego vor einem Soldatenpulk plötzlich mit hektischen Bewegungen ein neues Magazin in die MP40 stopft, während die Kugeln neben ihm in die Wand prasseln, dann sieht das verdammt echt aus - grandios.

Einen gewissen Teil der grandiosen optischen Leistung rechnen wir der fast durchweg guten Animation der Bildschirmcharaktere an. In den Zwischensequenzen und in ausgesuchten Situationen während der Levels erkennt man, wie viel Arbeit sich das Motion-Capturing-Team gemacht hat. Die deutsche Fassung hat aber eine Macke, denn Sprechertexte passen nicht zu den Lippenbewegungen und Gestiken der Charaktere. Hoffentlich löst man das Problem im nächsten Teil ...
Abseits der Charakteranimation verdient die Spielgrafik ein Lob: In den 14 Levels finden Sie Häuserruinen, überzeugende Waldabschnitte, eine durch den Hochofen gelb ausgeleuchtete Schmelzerei, einen Weinkeller etc. Die Vielfalt und optische Qualität hat uns echt überrascht - ein Blick auf die Screenshots zeigt Ihnen allerdings nicht, wie geschickt Verwischungseffekte zum Beispiel starken Beschuss unterstreichen. Das muss man gesehen haben.

Je nach Schwierigkeitsgrad ist die Kampagne nach sieben bis elf Stunden vorbei. Dann beginnt der Spaß mit dem Online-Modus, der seit dem zweiten Teil stark ausgebaut wurde. Sechs Spielmodi (CTF, CTF eine Flagge, Hauptquartier, Schlacht, Team­schlacht und Krieg), sieben Mehrspielerkarten für 24 Teilnehmer und zwei Maps für 12 Spieler sind eine solide Basis für stundenlange Action. Dass man sich eine von sieben Spielerklassen aussuchen muss (Schütze, leichter und schwerer Soldat, Späher, Sanitäter, Hilfssoldat und PA-Soldat) fördert die Zusammenarbeit und wird in Turnieren eine große Rolle spielen.

Auf der Xbox 360 ist Call of Duty 3 der bislang beste Ego-Shooter, auch wenn in unserer Testversion an zwei Spielstellen kleine Skriptfehler auftraten. Am exzellenten Gesamteindruck ändert das nichts, sodass sich die Programmierer stolz unsere Awards an die Uniform heften dürfen.

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