Bravely Default 2: Unser Test klärt, warum das JRPG ein Meisterwerk ist

Test Yannik Cunha Katharina Pache Lukas Schmid
Bravely Default 2: Unser Test klärt, warum das JRPG ein Meisterwerk ist
Quelle: Square Enix

Die modernen Final-Fantasy-Spiele sind nicht mehr rundenbasiert - schafft Bravely Default 2 es, die Leere in den Herzen der alteingesessenen JRPG-Fans zu füllen? Diese Frage kläre wir in unserem Test!

Mit Bravely Default 2 schickt das Entwicklerteam Claytechworks ihre - verwirrenderweise - bereits dritte Liebeshymne an die Final-Fantasy-Reihe ins Rennen. Vorwissen zu den anderen Spielen ist glücklicherweise nicht nötig. Das japanische RPG bedient sich, wie von den Vorgängern gewohnt, großzügig am großen Vorbild Final Fantasy: Fähigkeiten, Zauber, Klassen, Waffen und Gegner werden nicht selten direkt aus der beliebten Vorlage entliehen. Ebenfalls sind rundenbasierte Kämpfe an der Tagesordnung. Jedoch steht das Kopieren keineswegs dem Spielspaß oder originellen Ideen im Weg - beides bietet der Titel nämlich ebenfalls.

Bittersüß

Um den sprichwörtlichen Elefanten im Raum direkt anzusprechen: Bravely Default 2 hat einen kindlichen Grafikstil. Dieser wird einige Spieler wahrscheinlich abschrecken, doch Fakt ist: Hinter der niedlichen Fassade versteckt sich eine verzwickte und brutale Geschichte. Als Held, den wir genretypisch selbst benennen, wachen wir angespült an einem Strand auf.

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Bald darauf treffen wir unsere neuen Mitstreiter, die uns das ganze Abenteuer lang begleiten werden. Die Kumpane haben ihre ganz eigenen Motivationen, sich auf die Reise zu begeben. Welche, das offenbart sich erst langsam im Verlauf des Spiels. Rasch wird uns klar, dass die Katastrophe, die das Meer aus den Angeln hob, durch einen von vier magischen Kristallen ausgelöst wurde. Natürlich trachten viele Menschen nach den mächtigen Objekten, weswegen wir uns mit unseren neuen Bekanntschaften auf die Suche nach den Kristallen begeben, um zu verhindern, dass deren Kräfte für böse Zwecke ausgenutzt werden.

Bravely Default 2: Unser Test klärt, warum das JRPG ein Meisterwerk ist (2) Quelle: PC Games Bravely Default 2: Unser Test klärt, warum das JRPG ein Meisterwerk ist (2) Im Prolog wirkt Bravely Default 2 (jetzt kaufen 35,99 € ) noch vorhersehbar und wie Standard-Rollenspielkost, sobald wir aber die ersten fremden Städte nach dem Start betreten, nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf. Die verschiedenen Kristalle der Elemente Feuer, Erde, Wasser und Wind wurden in mehrere Königreiche verteilt und sorgen dort für ordentlich Aufruhr. Denn ähnlich wie das Meer, das vom Einfluss des Wasser-Kristalls betroffen war, verändert sich die Natur um die verschiedenen Reiche! Natürlich haben es nicht nur die ehrbaren Charaktere der Spielwelt auf die magischen Kristalle abgesehen, sondern hauptsächlich die machtbesessenen Bösewichte. Diese greifen rücksichtslos zu allen Mitteln, um die Naturmächte in die Finger zu bekommen. Innerhalb der Städte werden so Intrigen gesponnen, die starke Game-of-Thrones-Erinnerungen in uns wecken: Mord, Betrug und Hochverrat klopfen stets an die Tür, wobei nie offensichtlich ist, was die nächsten Schritte der durchtriebenen Übeltäter genau sind und wer überhaupt auf welcher Seite steht.

Unserem schnitzelbesessenen Monsterfreund namens Truff begegnen wir immer wieder. Er ist außerdem Teil einer sehr interessanten Nebenquest. Quelle: PC Games Unserem schnitzelbesessenen Monsterfreund namens Truff begegnen wir immer wieder. Er ist außerdem Teil einer sehr interessanten Nebenquest. So steht der Chibi-Grafikstil im direkten Kontrast zu der erwachsenen Erzählung, aber manchmal auch der Ernsthaftigkeit des Spiels im Weg. Bei mancher mitreißender Szene fragten wir uns: "Wie würde das wohl in weniger niedlicher Grafik wirken?" Zwar kann man die Geschichte dennoch ernst nehmen, einen faden Beigeschmack hat die Gestaltung trotzdem. Immerhin: An sich sind die Charaktermodelle schön und überraschend detailreich gestaltet. Zudem trägt die englische Vertonung stark zur Spannung bei, denn alle Charaktere sind wundervoll synchronisiert und wurden mit verschiedenen Dialekten versehen, je nachdem, woher sie stammen. Obendrauf sprechen Figuren aus dem Adel deutlich anders als gewöhnliche Bürger. Wer möchte, kann der Sprachausgabe auch auf Japanisch lauschen.

Je nach Job verfügen die Charaktere in der Party über andere Spezialfähigkeiten. Diese Talente effektiv im Kampf einzusetzen, ist der Schlüssel zum Sieg! Quelle: PC Games Je nach Job verfügen die Charaktere in der Party über andere Spezialfähigkeiten. Diese Talente effektiv im Kampf einzusetzen, ist der Schlüssel zum Sieg! Neben der interessanten Hauptgeschichte gibt es auch Nebenquests. Diese reichen von belanglosen "Töte fünf Wölfe"-Aufgaben oder "Sprich mit fünf unterschiedlichen NPCs"-Laufquests bis hin zu interessanten kleinen Missionen, die mehr über die Spielwelt verraten. Die meisten der kleinen Abenteuer kann man während der Hauptgeschichte nebenher erledigen. Leider weiß man im Voraus nie, ob man nun einen spannenden Einblick in die Hintergründe erhascht, oder ob man lediglich eine stupide MMORPG-Fleißaufgabe vor die Füße geworfen bekommt.

Nur Mut!

Dieses kleine Mädchen wirkt auf den ersten Blick süß, die Situation ändert sich jedoch, wenn wir sie besser kennenlernen ... Quelle: PC Games Dieses kleine Mädchen wirkt auf den ersten Blick süß, die Situation ändert sich jedoch, wenn wir sie besser kennenlernen ... Wie auch einige andere Facetten des Titels, erinnern die Kämpfe in Bravely Default 2 an die Final-Fantasy-Serie und andere klassische RPGs aus dem Land der aufgehenden Sonne. Auseinandersetzungen finden ausschließlich rundenbasiert statt. Jedoch sorgte schon der erste Teil von Bravely Default für frischen Wind, denn wie der Name andeutet, gibt es die Kampfbefehle "Brave" und "Default". Brave lässt uns, ähnlich wie bei Octopath Traveler, zukünftige Runden opfern, um sofort mehrere Fähigkeiten in einem Zug zu verwenden. Default auf der anderen Seite dient oft der Verteidigung: Hier haben wir während unseres nächsten Zuges mit dem ausgewählten Charakter einen zusätzlichen Befehl zur Verfügung. Hierdurch entsteht taktische Tiefe, denn wir müssen immer genau abwägen, ob es nun das Risiko wert ist, alle verfügbaren Runden in einen Angriff zu stecken, oder ob wir den Kampf lieber in die Länge ziehen, um sicher durch die Begegnung zu kommen. Auch die Gegner nutzen diese durchdachte Mechanik, wodurch wir immer ein Auge auf deren verfügbare Befehle haben sollten.

Die Dungeons sind oft sehr schön gestaltet, auf Dauer kann sich das Erkunden aber repetitiv anfühlen. Quelle: PC Games Die Dungeons sind oft sehr schön gestaltet, auf Dauer kann sich das Erkunden aber repetitiv anfühlen. Ebenso wichtig sind die Schwächen der Feinde. Falls wir diese nicht beachten und ausnutzen, landen wir sehr schnell beim Game-Over-Screen, denn der Schwierigkeitsgrad ist selbst auf mittlerer Stufe nicht zu unterschätzen, es gilt ganz klar das Sprichwort "Vorsicht ist besser als Nachsicht". Ein Schlüsselelement sind außerdem die Jobs der Mitstreiter: Im Laufe des Spiels schalten wir davon sehr, sehr viele frei, sie sorgen für diverse Boni und Spezialisierungen. Abwehr, physische und magische Angriffe, auf all diese Aspekte müssen wir bei der Gruppenaufstellung achten. Dazu können wir die verschiedenen Klassen aufleveln, wodurch sich passive und aktive Fähigkeiten freischalten. Aktive Fähigkeiten lassen sich verwenden, sobald eine unserer Spielfiguren den entsprechenden Job wählt, passive Fertigkeiten können nach dem Freispielen immer ausgerüstet werden. Wollen wir unsere Truppe voll und ganz optimieren, sollten wir uns überlegen, welcher Charakter welche Rolle übernimmt, und welche passiven Fähigkeiten am besten zu ihm passen.

Die Kristalle sind mächtige Objekte. Wir wollen sie in unsere Hände bekommen. Quelle: PC Games Die Kristalle sind mächtige Objekte. Wir wollen sie in unsere Hände bekommen. Was auf der einen Seite erfrischende Tiefe in das klassische System bringt, kann auf der anderen Seite in ein Grind-Fest ausarten, da man Jobs erst einmal leveln muss, bevor sie nützlich werden. Auch der zuvor erwähnte Schwierigkeitsgrad trägt zum Zeitaufwand bei, den wir einplanen müssen, um mit Feinden und Bossen Schritt halten zu können. Was hilfreich, mittlerweile zwar quasi Industriestandard, aber nicht minder erfreulich ist: Wir müssen nicht mehr bei jedem Schritt eine Zufallsbegegnung fürchten. Alle Feinde sind auf der Oberwelt einwandfrei zu erkennen, womit wir uns aussuchen können, wann wir kämpfen wollen. Auch wenn wir meistens wirklich jeden Erfahrungspunkt mitnehmen sollten, den wir bekommen können
.

Während wir auf der Landkarte umherstreifen, finden wir nicht nur normale Monster, sondern auch Schatzkisten, Dungeons und weitere NPCs. Und es gibt Gras! Jede Menge Gras, das nur darauf wartet, mit unserem Schwert gemäht zu werden. Es ist zwar wirklich befriedigend, einen nützlichen Gegenstand oder auch Geld in einem Grasbüschel zu finden, jedoch wird das Dasein als Mähdrescher schnell nervig, wenn wir überall von Rasen umgeben sind. Aber nützliche Gegenstände will man eben auch nicht verpassen - dadurch fühlen wir uns manchmal so, als hätten wir unserem Helden den Job "Gärtner" verpasst, was dem eigentlichen Erkunden der Welt ein wenig im Weg stehen kann.

Billiges Final Fantasy oder originelle Hommage?

Nur einige der Story-Schlüsselmomente sind als Zwischensequenzen inszeniert. Oftmals vermitteln stattdessen Unterhaltungen die Handlungen. Quelle: PC Games Nur einige der Story-Schlüsselmomente sind als Zwischensequenzen inszeniert. Oftmals vermitteln stattdessen Unterhaltungen die Handlungen. Ja, die ganze Bravely-Default-Serie orientiert sich offensichtlich am Genre-Schwergewicht Final Fantasy, mal offensichtlich, mal subtiler. Die Handlung rund um mächtige Kristalle kennt man von der offensichtlichen Inspirationsquelle, es geistern auch in Bravely Default 2 einige optionale Gegner umher, denen wir nur mit perfekter Vorbereitung das Licht ausknipsen können. Dennoch verfügt das Switch-JRPG über eine eigene Identität, ist mehr als nur ein Klon. Die mittelalterliche Hintergrundmusik klingt nicht nur einzigartig, sondern ist auch stets passend zum jeweiligen Geschehen. Nie wirkt das Spiel wie eine billige Kopie, sondern eher, als stamme es aus einer alternativen Realität, in der ein Final Fantasy niemals in die Action-RPG-Richtung abgebogen ist.

Zudem schreckt Bravely Default 2 auch nicht davor zurück, eigene und neue Ideen in Gameplay und Story einzubauen. Kurzum: Das Abenteuer hat es nicht nötig, sich hinter der Vorlage zu verstecken und wirkt wie ein Liebesbrief an vergangene Zeiten. Wer klassische Spiele der FF-Reihe vermisst und eine Ladung moderne Nostalgie tanken möchte oder schlichtweg Fan von JRPGs ist, sollte der Chibi-Welt von Bravely Default 2 unbedingt eine Chance geben. Denn mit den 50 bis 60 Stunden, die wir alleine in der Hauptgeschichte verbringen, bekommen wir viel erstklassige Rollenspielkost geboten.

Meinung

Wertung zu Bravely Default 2 (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Spaßiges KampfsystemErwachsene StorySchöne und passende MusikuntermalungGute VertonungAusgeklügeltes JobsystemDetailreiche, hübsche Grafik ...
... die in ernsten Momenten etwas zu niedlich wirktZu viel Grinding
Fazit

Bravely Default 2 erweitert die Final-Fantasy-Formel erfolgreich um eigene Ideen.

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