Blood Souls - Oder die Lust am Frust - Leser-Test von LouisLoiselle
"Nur noch eine Stunde, dann hör ich auf"....sagte er, und der Morgen brach an. Eine Reminiszenz an die Souls-SpieleAchtung: Der Text dieses Artikels kann winzige Spoiler enthalten.
Quelle: Bild: LouisLoiselle
Fast schon ein Hieronymus Bosch Gemälde.
Vorsichtig schleiche ich durch den wabernden Bodennebel vorwärts. Da, eine Fackel! Ein Gegner patroulliert langsam durchs Unterholz. Ich bleibe stehen, und schaue, ob noch mehr Feinde in seiner Nähe sind. Und plötzlich verliere ich ein dickes Stück meiner Lebensenergie!
Heimlich und lautlos hat sich ein kleines Schlangenviech, vermutlich hinter einem Baum oder Felsen versteckt, an mich herangeschlichen!
In diesem Wald ist jede Unachtsamkeit schmerzhaft.
Selber Wald, andere Stelle. Ich komme an eine Grube, aus der ich ein Zischen höre. Vorsichtig stelle ich mich an den Rand, und spähe hinunter: Zwei riesige, fette Mutterschlangen liegen dort unten, schlängeln und zischen, und ich muss an den grottigen Film "Anacondas - Die Jagd nach der Blutorchidee" denken. Wärend ich meine Quickitems durchblättere, um Molotovs auszuwählen und den "Damen" dort unten zu kredenzen, schlägt mich plötzlich etwas von hinten. Einer der laufenden Schlangenheinis. Wo er herkam, weiss ich bis heute nicht. Ich falle natürlich mitten rein in die Drecksgrube. Verflucht, From Software, euch soll doch der Teufel holen.
Nur meinem, durch viel Grinden absurd hohem Level ist es zu verdanken, dass ich die Aktion mit einem Fitzel Lebensenergie überstehe, und mich aus der Gefahrenzone rollen kann, wärend die Riesenschlangen noch wütend schwarzes Gift hinter mir herspucken.
Selber Wald, andere Stelle. Ich laufe auf ein kleines Gartentor in einer Mauer zu, als mich plötzlich ein riesiger, stachelbewehrter Baumstamm am Kopf trifft, so heftig wie ein Spruch von Dieter Bohlen einen DSDS-Kandidaten. Ich fliege zurück, und erneut ist es vermutlich mein hoher Level, der mich das überleben lässt. Gerade so. Dann entdecke ich unter ein paar Holzplanken einen Schalter.
Jaja, man sollte vorsichtiger sein. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, er ist selbst dann schwer zu sehen, wenn man weiss, dass er da ist. Hm. Ein schelmisches Grinsen huscht über mein Gesicht. Neu geladen, wieder da hin, und einen Gegner angelockt. Den Abstand zu ihm groß genug gewählt, den Schalter muss ich selber drücken, Gegner lösen ihn nicht aus. Schade eigentlich. Drüber gelaufen, Ausweichrolle. BAM, und schon fliegt er, wie einst Reinhard Mey über den Wolken. Ja, Bloodborne kann auch ein schöner Spielplatz sein, für die, die wissen wie man Spaß hat.
Warum aber tun wir uns solche Spiele an? Wo das scheitern auf derart masochistische Art zelebriert wird, wie nirgendwo anders? In den Souls-Spielen ist nicht unbedingt das Spielende das Ziel. Es ist der Weg dorthin. Der Weg, der dunkel ist, voller Geheimnisse, mit dem Tod an jeder Ecke. Es ist der Weg, der unsere Neugier an abgelegenen Stellen mit seltenen Items belohnt. Oder wieder mit dem Tod.
Die permanente Anspannung, die feuchten Handflächen, wenn man mal wieder einen Bosskampf nach dem x-ten Anlauf endlich knapp überstanden hat. Keine tipps, keine Übersichtskarte, keine Questmarkierungen. Schnörkellose, alptraumhaft, fast schon pittoresk schöne Landschaften, gefüllt mit absolut schrägen und eindrucksvoll kreierten Feinden, die uns schon mal eine Abrissbirne als Waffe vor die Omme hauen.
Im Grunde bin ich nicht sehr frusttolerant. Ich spiele Spiele grundsätzlich auf dem niedrigsten der verfügbaren Schwierigkeitsgrade. In meinem Alter will man entspannt Spaß haben, keine Herausforderungen mehr. Diese Spiele jedoch sind eine Ausnahme.
Vielleicht weil ihr Ruf als "schwerste Spiele überhaupt" doch noch einmal etwas Kampfgeist anstachelt. Gemäß dem Lethal Weapon 4 Motiv: "Wir sind nicht zu alt für den Scheiss!"
Und so werden wir wohl auch weiter in Abgründe fallen, von Schwertern zerschnitten, von Sichelbeilen zerhackt, und von Bossen gefressen und zermalmt. Wir wehren uns so gut es geht, mit überdimensionalen Waffen, (Japan, was sonst) die trotz ihrer Größe weniger Schaden machen als uns lieb wäre, und sammeln Blutechos als ob es Freikarten in der Allianz-Arena wären.