All-Star Fruit Racing im Test: Konkurrenz für Mario Kart?​

Test Johannes Gehrling 13,30 €
All-Star Fruit Racing im Test: Konkurrenz für Mario Kart?​
Quelle: Nintendo

Natürlich gibt es auf der Nintendo Switch neben Mario Kart 8 Deluxe auch eine Daseinsberechtigung für andere Fun-Racer. All-Star Fruit Racing gehört aber nur bedingt dazu. Wir verraten euch in unserem Test, ob das Spiel lohnt und ob ihr zuschlagen oder doch lieber beim Genre-Primus bleiben solltet.

Jeder neue Fun-Racer muss sich mit der extrem beliebten Mario-Kart-Serie messen, das ist quasi ein ungeschriebenes Gesetz. Klar, Mario Kart 8 Deluxe ist schon jetzt das erfolgreichste Switch-Spiel und hat sich sogar öfter verkauft als The Legend of Zelda: Breath of the Wild, irgendwas muss der Klempner-Racer also richtig machen, weshalb er als Instanz des Sub-Genres gilt. Wagen wir also diesen Vergleich mit All-Star Fruit Racing (jetzt kaufen / 13,3 € )(ASFR), klingt der Konkurrent eigentlich erst einmal durchaus vielversprechend: Viele verschiedene Modi, 21 Strecken, unzählige Kart-Individualisierungen und ein innovatives Item-System mit Fruchtsäften sollen das Rennspiel interessant und abwechslungsreich machen. Leider hält ASFR aber bei näherem Hinsehen dann doch nicht ansatzweise das, was der erste Eindruck zu versprechen vermag.

Juicer? Lieber doch nicht.

Eine der größten Enttäuschungen soll eigentlich das Highlight und vor allem das Alleinstellungsmerkmal von ASFR sein, nämlich das Juicer-System. In den Rennen müsst ihr Früchte aus vier verschiedenen Kategorien einsammeln, um die vier Tanks des Juicers zu füllen. Je nach Regeln des jeweiligen Rennens dürft ihr die einzelnen Tanks selbst kombinieren oder auch alle auf einmal verwenden. Je nach Kombination entfesselt ihr verschiedene Power-Ups, beispielsweise Turbos verschiedener Stärke, Hindernisse für eure Mitstreiter wie Eisblöcke oder Angriffs-Items wie einen Tornado. Was interessant und vielfältig klingt, entpuppt sich beim Spielen aber leider als ziemlich lahme Gurke. Viele Power-Ups bringen euch einfach kaum einen Vorteil bei den Rennen, weil sie beispielsweise ins Leere gehen. Außerdem ist das Juicer-System anfangs nur recht schwer zu begreifen, sodass ihr den Saft aus den Tanks oft für unsinnige Power-Ups verschwendet. Und wenn ihr ständig auf die vier Tanks schauen, per Buttons einzelne Tanks ab- und ankoppeln und dann noch die passenden Früchte sammeln müsst, ist das einfach viel zu viel Ablenkung für ein Rennspiel, bei dem es nun mal einfach rasant zur Sache geht. Die nächste Leitplanke küsst euer Gesicht gerne mal, wenn ihr euch zu sehr mit dem Juicer-System beschäftigt. Typisch für einen Fun-Racer reicht die Spannweite der Power-Ups von (fast schon) langweiligen Turbos über Angriffs-Items bis hin zu Verteidigungs-Fähigkeiten. Quelle: N-ZONE Typisch für einen Fun-Racer reicht die Spannweite der Power-Ups von (fast schon) langweiligen Turbos über Angriffs-Items bis hin zu Verteidigungs-Fähigkeiten.

Gameplay: Typisch

Abgesehen davon gibt sich ASFR als recht gewöhnlicher Fun-Racer mit einer simplen Fahrzeug-Steuerung ohne Gimmicks wie Schaltung oder anderen realitätsgetreuen Feinheiten; im Grunde gebt ihr halt Gas und steuert, Bremsen ist eigentlich nie nötig, wie bei Mario Kart auch (dort abgesehen vom 200ccm-Modus). Driften verleiht euch Genre-üblich einen Boost, nur übertreiben dürft ihr es nicht: Wenn ihr zu lange driftet, erleidet euer Motor einen Schaden. Boost-Felder und kleine Schanzen säumen die Strecke. Die Karts liegen extrem schwammig auf der Strecke, was uns sofort nach der knackigen Steuerung eines Mario Kart sehnen lässt.

Obst voraus: Mit auf der Strecke verteilten Früchten füllt ihr die Tanks des Juicers. Dadurch könnt ihr wiederum auf verschiedene Items und Power-Ups zugreifen. Quelle: N-ZONE Obst voraus: Mit auf der Strecke verteilten Früchten füllt ihr die Tanks des Juicers. Dadurch könnt ihr wiederum auf verschiedene Items und Power-Ups zugreifen. Beweisen dürft ihr euch in verschiedenen Modi, der wichtigste ist dabei der Karriere-Modus. Hier absolviert ihr immer vier Rennen am Stück und fahrt einen Gesamtsieg ein, was bei guter Platzierung neue Kart-Teile zum Individualisieren sowie neue Strecken und den jeweils nächsten Cup freischaltet. Bei der schnellen Meisterschaft handelt es sich im Grunde auch um Cups aus je vier Strecken, die aber in diesem Fall zufällig sind. Bei der eigenen Meisterschaft bastelt ihr euch aus den verfügbaren Strecken und Regeln eure eigene Meisterschaft. Einzelne, freie Rennen sind auch möglich, genauso wie Zeitrennen ohne Gegner und Items um die beste Streckenzeit. Beim Training wartet ein recht hilfreiches Tutorial auf euch.

Viele Enttäuschungen

Im Multiplayer dürft ihr ebenfalls ran, maximal zu viert, ein Online-Modus fehlt leider. Hierbei habt ihr die Wahl zwischen freien Rennen, schnellen Meisterschaften und eigenen Meisterschaften. Der Mehrspieler-Modus bereitet bei ASFR noch am ehesten Spaß, wenn er doch auch unter der gleichen Problematik des umständlichen Juicer-Systems leidet.

Obendrauf kommen leider noch recht gravierende technische Probleme: Die Grafik ist sehr verwaschen und unscharf, die Bildwiederholrate sowohl im TV- als auch im Handheld-Modus viel zu niedrig, die Musik zwar stellenweise überraschend gut, manchmal dafür aber völlig deplatziert oder einfach nur merkwürdig, die Sounds wiederum bestenfalls gewöhnungsbedürftig. Auch die Spielwelt ist zwar um Vielfältigkeit, Abwechslungsreichtum und Atmosphäre bemüht, alle drei kommen aber kaum zustande. In der Werkstatt könnt ihr eure Karts optisch mit den in den freien Rennen und Karriere-Cups freigeschalteten Objekten verschönern. Quelle: N-ZONE In der Werkstatt könnt ihr eure Karts optisch mit den in den freien Rennen und Karriere-Cups freigeschalteten Objekten verschönern.

Das ganze Spiel wirkt großteils leblos, Detailreichtum fehlt und zu den bereits erwähnten technischen Problemen, die viel Spielspaß killen, gesellen sich auch noch dauernd extrem spät aufpoppende Objekte. Da schaffen auch die fünf Welten mit verschiedenen Themen (entsprechend der Jahreszeiten + Spezial) und verschiedene Renntypen (Dragster, Hill-Climb, Eliminierung) nicht ansatzweise genug Spielspaß-Ausgleich. Das (rein optische) Tuning in der Werkstatt mit den freigeschalteten Bauteilen aus verschiedenen Kategorien (Karosserie, Reifen etc.) ist ein ganz nettes Spielelement, die verschiedenen Fahrer sind wiederum ziemlich gesichtslos und völlig austauschbar. Bei fast jedem Spielaspekt merkt man dem Game an, wie bemüht die Entwickler waren, etwas Tolles zu schaffen. Leider ist ihnen das aber nicht gelungen.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu All-Star Fruit Racing (NSW)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Eigene Meisterschaften erstellenWitzige Fun-Facts beim LadebildschirmNette MusikEinführendes Tutorial
Schwammige SteuerungKompliziertes Juice-SystemVerwaschene GrafikRuckeliges BildKein Online-MultiplayerUnübersichtliche InterfacesEinzelne Rennen viel zu langwierigExtrem lange Ladezeiten
Fazit

„Gute Ideen der Entwickler, aber leider in allen Bereichen schlecht umgesetzt.“

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