Rayman Origins: Test der Wii-Version

Test Thorsten Küchler

Keine Arme, keine Beine, aber ganz viel Spielwitz: Ubisofts legendäres Maskottchen feiert mit Rayman: Origins sein erstaunlich brillantes Wii-Comeback! Unser Test verrät euch, warum!

Der englische Untertitel Origins bedeutet so viel wie "Ursprünge" – und genau zu denen kehrt Rayman in seinem neuen Wii-Abenteuer zurück. 3D-Schnickschnack? Nix da! Durchgedrehte Karnickel? Braucht niemand! Und öde Minispiele? Auch nicht! Stattdessen erwartet euch ein reinrassiges Jump & Run im Stile der New Super Mario-Titel – und noch dazu ein verdammt gut gemachtes!

In künstlerischer Hinsicht ist Rayman: Origins ein echtes Meisterstück: Die zweidimensionalen Hintergründe stecken voll liebevoller Details, das Geschehen flimmert stets ruckelfrei über eure Mattscheibe und die Animationen könnten glatt aus einem Disney-Film stammen. Egal ob Lava-Level, Eis-Höhle oder Zauberwald: Selten war ein 2D-Spiel so schick, so abwechslungsreich, so packend inszeniert. Schade jedoch, dass Ubisoft bis auf Vor- und Abspann komplett auf Zwischensequenzen verzichtet – hier hätten wir uns mehr Slapstick- Einlagen gewünscht.

Bossbombe: Diesen Riesenvogel erledigt ihr mittels zuvor eingesaugter Sprengkörper. Bossbombe: Diesen Riesenvogel erledigt ihr mittels zuvor eingesaugter Sprengkörper. Einfach genial, genial einfach

Das Spielprinzip ist herrlich altmodisch und wirkt dennoch erstaunlich frisch: Ihr spurtet mit eurem Helden von links nach rechts durch die Levels, hüpft über Plattformen und vertrimmt nebenbei ein paar Gegner. Später erlernt Rayman dann noch Spezialfähigkeiten: Mit dem Propeller-Upgrade schwebt ihr durch die Lüfte, die Spurtfunktion lässt euch an senkrechten Wänden hochlaufen. Sammelwütige schnappen sich zudem wertvolle Goldmünzen und die überall verstreuten Lums. Letztere sind deshalb wichtig, weil am Ende jedes Abschnitts abgerechnet wird: Je besser ihr agiert habt, desto mehr Electoons werden euch gutgeschrieben. Und diese Währung schaltet wiederum neue Welten und zusätzliche spielbare Charaktere frei. In jeder der insgesamt 10 Welten mit je 5 Levels wartet außerdem eine optionale, zumeist bockschwere Verfolgungsjagd auf euch. Und dann wären da ja noch die Shooter- Passagen: Rayman schwingt sich regelmäßig auf einen Moskito, schwirrt dann durch die Lüfte und ballert unzählige Widersacher ab. Was wie lästige Pflicht klingt, entpuppt sich als tolle Abwechslung: Denn die kunterbunten Schießereien werden immer komplexer und steuern sich nahezu perfekt. Wirklich klasse sind auch die Bosskämpfe: Riesenvogel, Monsterblume, Flammenechse und Wasserschlange fordern sowohl euer Geschick als auch eure Auffassungsgabe. Denn jeder der gigantischen Gegner erfordert eine spezielle Angriffstaktik, um ihn zu besiegen.

Perfekt positioniert: Das überaus kluge Leveldesign könnte glatt von Nintendo stammen. Perfekt positioniert: Das überaus kluge Leveldesign könnte glatt von Nintendo stammen. Mehr Spieler, mehr Spaß

Könnt ihr euch noch an Zelda: Four Swords Adventures erinnern? Die GameCube-Gaudi bot einen 4-Spieler-Modus, der eine Mischung aus Koop und Schadenfreude war. Rayman: Origins macht es genauso: Alle Levels lassen sich nämlich auch gemeinsam absolvieren. Was folgt, ist eine wunderbar abgedrehte Team-Action: Schnappt euren Kumpels Goldmünzen vor der Nase weg, haut ihnen einfach aus Boshaftigkeit eins auf die virtuelle Rübe und lasst euch bei Bedarf wiederbeleben. Der Mehrspieler-Modus hat aber auch seine Schwächen: Einige der Levels (Stichwort: Verfolgungsjagden) lassen sich gemeinsam kaum bewältigen, da die Übersicht enorm unter den zusätzlichen Spielfiguren leidet.

Kleine, aber nervige Macken

Während das Spiel zu Beginn noch überaus simpel ist und selbst Einsteiger unterfordert, wird es gegen Ende sackschwer. Dann offenbaren sich leider auch einige fiese Design-Fehler: Wenn ihr etwa bei einem Bosskampf von der ungenauen Kollisionsabfrage oder einem Steuerungs- Aussetzer sabotiert werdet, dann kommt Frust auf. Außerdem sind einige Levels auf pures "Erst auswendig lernen, dann perfekt meistern" getrimmt – was ungeduldige Spieler schnell in den Wahnsinn treiben dürfte.

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