21.01.2007 15:00 Uhr -Activision gibt einen Vorgeschmack auf die perfekte Shooter-Steuerung.
Wenn es um handfeste Weltkriegsaction geht, um grandios inszenierte Gefechte und realistisches Schlachtengetümmel, dann fällt der Blick unweigerlich auf Call of Duty. Die Reihe hat vor allem dank ihrer fantastischen Präsentation das Herz der Spieler gewonnen und auch der dritte Teil spielt mächtig auf. Während andere Shooter zuweilen konstruiert wirken, strotzt Call of Duty 3 vor Leben. Ständig passiert etwas, niemals herrscht Ruhe - wenn man von der Ruhe vor dem Sturm mal absieht. Während der dritte Einsatz auf der Next-Generation-Konkurrenz vor allem durch seine Edelgrafik punktet, versucht die Wii-Version, bei der Steuerung neue Maßstäbe zu setzen.
Trip nach Frankreich
Zunächst aber ein Blick auf die Story, die dreht sich um den Normandie-Feldzug der Alliierten, bei welchem die deutschen Linien von Norden durchbrochen wurden. Einige der heftigsten Schlachten des zweiten Weltkrieges tobten da und im Spiel soll genau diese Atmosphäre eingefangen werden. Neu ist dabei, dass man nicht mehr so ganz allein in die Schlacht zieht. Zwar gab es bereits in den bisherigen Teilen KI-Kameraden, nun wurde ihnen jedoch eine Persönlichkeit eingehaucht, die in den stimmungsvollen Zwischensequenzen zum Tragen kommt.
Der derbe Humor und die Konflikte innerhalb des eigenen Trupps tun dem Spiel sehr gut, da es einem nun nicht mehr so egal ist, wenn der Nebenmann unter Feuer gerät. Erzählt wird diese Story in soliden Zwischensequenzen, die zu unserem Unmut nicht abzubrechen sind, nicht einmal per Home-Taste.
Die Kollegen leisten solide Feldarbeit, sind allerdings selten zu taktischen Finessen aufgelegt. Ihr seid also der Mann fürs Grobe oder besser: vier Männer. Denn insgesamt schlüpft man in die Rollen vierer Alliierter verschiedener Nationalitäten.
Das bringt Abwechslung ins Spiel und ermöglicht jede Menge verschiedener Schauplätze und Missionen, bricht jedoch immer wieder die kumpelhafte Atmosphäre, die sich nach einer Weile um einen Charakter herum entwickelt.
Bombastische Action
Was während der Missionen auf euch zukommt, unterstreicht eindrucksvoll den guten Ruf der Serie. Zwei frei austauschbare Waffen, Rauch- und Splittergranaten sind eure treuen Begleiter neben den KI-Kameraden. Bereits die erste Mission wirft euch in ein Inferno aus Mündungsfeuer, Explosionen und Geschrei. Dieses hohe Niveau kann sich fast durchweg halten und das Leveldesign wartet immer wieder mit Überraschungen und alternativen Wegen auf. Häuserkampf, das Halten einer Stellung, die Flucht per Jeep, Sabotagemissionen, Sprengkommandos, Sturmangriffe & es ist alles drin.
In den letzten beiden Missionen muss man dann noch einmal alles geben und sich vor einer Übermacht von Feinden verteidigen. Auf eine Gesundheitsanzeige wurde verzichtet, man haucht erst dann sein virtuelles Leben aus, wenn man so oft hintereinander getroffen wurde. Eine Warnung erscheint und man sollte schnell in Deckung gehen, denn noch ein paar Sekunden unter Beschuss bedeuten den Neustart. Die Rücksetzpunkte sind allerdings sehr fair verteilt, sodass auch an einer kniffligen Stelle kein Frust aufkommt.
Inhaltlich ist das Spiel mit den Versionen der anderen Konsolen nahezu identisch. Grafisch kommt der Titel zwar nicht über Xbox-Niveau hinaus, beeindruckt aber mit Liebe zum Detail und tollen Rauch- und Lichteffekten. Darüber hinaus läuft die Action stets flüssig. Einen genauen Vergleich zwischen Wii- und Xbox-Grafik findet ihr im Extra-Kasten. Wir jedenfalls sind vollauf zufrieden mit der Optik des Spiels, das einem ohnehin kaum Zeit lässt, die Grafik lang zu betrachten. Der Sound ist übrigens über alle Zweifel erhaben. Der Lärm der Schlacht ist laut und donnernd, die Gewehre bellen giftig und Soldaten schreien panisch. Das ist wahres Kinofeeling!
Fernbedienung im Anschlag
Der Großteil der Aufgaben wird zu Fuß bestritten und bietet spielerisch gewohnte Ego-Shooter-Kost. Doch was heißt schon "gewohnt" bei einem solch revolutionären Controller? Wir waren mehr als positiv überrascht, wie gut und eingängig sich die Geschicke der Spielfigur lenken lassen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass die Kamera sehr früh beginnt, sich in die Richtung des Fadenkreuzes zu drehen, auch wenn der Bildschirmrand noch nicht erreicht ist.
Man kann sich also nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr flott durch die Levels bewegen und sich dabei sehr präzise und flüssig umsehen. Ebenfalls positiv ist der eher dezente Einsatz von Gesten, das Nunchuk wird zum Waffenwechsel oder Nachladen geschwungen und die Wii-Fernbedienung wird für einen Schlag mit dem Gewehrkolben nach vorn gestoßen. Dreht man das Handgelenk, kann man um Ecken spähen und somit geschützt aus der Deckung feuern. Einen Ego-Shooter mit Pad steuern? Können wir uns nicht mehr vorstellen.
Immer wieder mal darf an Bord eines Fahrzeugs Platz genommen werden, entweder an dessen Geschütz oder am Steuer. Ersteres bedient man wie ein Gewehr, das virtuelle Lenkrad muss man jedoch wirklich in die Hand nehmen. Beide Controllerhälften werden auf 3 und 9 Uhr gehalten und man dreht damit wie an einem echten Steuerrad. Eine nette Idee, der es aber an Genauigkeit und Komfort mangelt.
Wieso wurde hier nicht eine Steuerung a la Tony Hawk's Downhill Jam zum Vorbild genommen? Besser gefallen uns da die vielen interaktiven Momente, die den Kampf unterbrechen. Ob man um sein Gewehr ringt, Sprengladungen platziert, Kräne bedient, Boote rudert oder an Ventilen dreht, die dazu nötigen Bewegungen sind eine willkommene Auflockerung und machen wirklich Spaß!
Allein auf dem Feld
Nach etwa fünfzehn aufregenden Stunden ist das Spiel geschafft und Frankreich befreit. Doch wohin nun? Leider bleibt nur, sich in einem höheren Schwierigkeitsgrad zu versuchen, da es keinerlei Mehrspielermodi gibt. Zwar wartet in den schwierigeren Stufen ein stärker forderndes Spielerlebnis, der Verzicht auf einen Splitscreen- oder Online-Modus ist dennoch unverständlich, da das Spiel mehr als genug Potenzial dafür hat, wie die Online-Schlachten auf den anderen Konsolen eindrucksvoll beweisen.
Alles in allem schien man sich beim Wii-Debüt der Serie vor allem auf ein durchweg solides Hauptspiel konzentriert zu haben, was sich deutlich ausgezahlt hat. Die Steuerung ist derzeit die Genre-Referenz auf Wii und die Nonstop-Action treibt auch abgebrühten Konsolenveteranen den Schweiß auf die Stirn. Wer damit leben kann, nur allein zu zocken, kann mit dem Titel nicht viel falsch machen. Schließlich demonstriert er eindeutig das Potenzial Nintendos neuer Konsole. Wir freuen uns auf Teil vier!
Die häufigen Explosionen sind wunderschön, aber
leider nur eine sehr kurze Freude.
BILD: N-ZONE
Ohne Angriffe auf die Flanken der Gegner sind viele Missionen unsäglich schwer. BILD:N-ZONE
Ich muss zugeben, Call of Duty ist echt gelungen. Mir hat Red Steel aber besser gefallen: Der coole Japano-Look, die modernen Waffen und die Schwertkämpfe! Den zweiten Weltkrieg habe ich einfach schon zu oft gespielt und die vielen neuen Spiele in diesem Setting langweilen mich. Ich brauche Abwechslung!