Düsterer als je zuvor! Endlich könnt ihr die aufreibenden Anfänge des dunklen Ritters selber spielen.
Hersteller:
Termin:
Spieler:
Testurteil:
76
Steuerung
80
Grafik
70
Sound
84
Multiplayer
-
23.08.2005 15:00 Uhr - Die Partnerschaft zwischen Electronic Arts unddem Filmstudio Warner Brothers scheint gut zu funktionieren, denn für die Softwareumsetzung des neuen Batman-Films vergab man die Lizenz erneut an den Software-Riesen EA. Warum auch nicht, schließlich waren die Kooperationen in der jüngeren Vergangenheit meist von großem Erfolg gekrönt; die beliebten Harry Potter-Spiele sind da nur eines von vielen Beispielen.
Batman Begins bleibt der mittlerweile in der Games-Branche üblichen Lizenzrezeptur treu: Man kopiere ein erfolgreiches Spielkonzept und verziere es mit Filmschnipseln und einer Story, die mehr oder weniger der Geschichte des Filmes folgt. Im vorliegenden Fall orientierte sich Electronic Arts an Oberschleicher Sam Fisher und presste die Splinter Cell-Charakteristika in das Batman-Kostüm. Die Geschichte des Spiels orientiert sich an der Handlung des Films. Leider wird diese im Spiel relativ konfus erzählt, sodass sich die Details wohl erst vollends eröffnen, wenn man auch den Film gesehen hat.
Heldenanfänge
Es geht darum, dass Bruce Wayne alias Batman hinter einem wertvollen, gestohlenen Gut her ist, nachdem bei seiner Firma Wayne Enterprises eingebrochen wurde. Während seiner Jagd stellt er fest, dass hinter der Sache mehr steckt als nur ein einfacher Diebstahl. Batman-Fans werden den dunklen Ritter in dieser Version der Geschichte von einer anderen, dunklen und undurchschaubaren Seite kennen lernen. Er lässt sowohl gegenüber den bösen Jungs als auch bei der Polizei Vorsicht walten. Daher verlässt sich der schwarze Latex-Flattermann auch in erster Linie auf seine ausgeprägten Schleich-Fähigkeiten. Ihr bahnt euch euren Weg, wie bereits angedeutet, in der Haut von Batman in bester Sam-Fisher-Manier.
Sam Fisher stand Pate
Wer schon einmal ein Splinter Cell-Abenteuer gespielt hat, weiß, was auf ihn zukommt: schleichen, verstecken, Kraxelübungen, Überraschungsangriffe aus dem Dunkeln und ständige Einbeziehung der Umgebung. Gerade letzteres Feature stellt sich als nicht zu unterschätzender Vorteil heraus. Da Batman bereits ein mysteriöser Ruf vorauseilt, reicht es schon, ein wackeliges Gerüst zum Einsturz zu bringen, damit sich die schweren Jungs ordentlich in die Hosen machen und ihre Waffen fallen lassen.
Besonders cool sind bei solchen Aktionen die verängstigten Sprüche der Gangster, mit denen sie versuchen, ihre Angst zu überspielen. Als Konsequenz daraus hat Batman mit den zähneklappernden Nervenbündeln leichtes Spiel und geht in die direkte Konfrontation über. Das Kampfsystem wurde sehr simpel gehalten, neben je einem Schlag und Kick beherrscht er lediglich noch einen Spezialangriff und kümmert sich um seine Deckung. Optisch macht Batman während der Auseinandersetzungen eine sehr gute Figur.
Fausthiebe gehen nahtlos in Tritte über und immer ist der schwarze Umhang mit netten Schimmer-Effekten am Flattern. Theoretisch sollten die Kämpfe sehr gut funktionieren, in der Praxis allerdings gibt es einige Macken, die etwas am Spielspaß nagen: Deckt Batman einen Gangster mit einigen Combos ein, sollte man eigentlich einen finalen Schlag erwarten. Leider kommt es stellenweise vor, dass er dann plötzlich einen völlig anderen Gegner anvisiert. Wenn dieser auch noch einige Meter von ihm entfernt ist und man als Krönung von dem beinahe Besiegten eine ins Kreuz bekommt, ist das doppelt ärgerlich.
Streng linear
Batmans Aktionsrepertoire ist recht stattlich und macht sogar ansatzweise Sam Fishers Fähigkeiten Konkurrenz. An und für sich lässt diese Bewegungsbandbreite auf viel Abwechslung hoffen. Die ist auf den ersten Blick auch vorhanden, da die einzelnen Abschnitte durchdacht gestaltet sind und Batman einiges an körperlicher Ertüchtigung abverlangen. So wechseln sich Kletter- Sprung- Prügel- und Schleich-Passagen konstant ab und werden im späteren Verlauf sogar stellenweise richtig fordernd.
Beim genaueren Hinschauen wird allerdings auch klar, dass die Entwickler in jeder Situation einen Lösungsweg vorschreiben. So wundert man sich, warum sich Batman nicht an einen Vorsprung hängen kann, obwohl er es vor ein paar Metern noch in Perfektion gezeigt hat. Die Begründung dafür ist einfach: Die Entwickler wollen das nicht. Der Spieler wird sehr straff durch die Levels geführt, ohne die Möglichkeit, herumzuexperimentieren.
Ein weitere Form dieser extremen Linearität ist ein Scanner, der viele Funktionen bietet und in den Spielablauf eingreift. Mehr Informationen hierzu findet ihr im Extrakasten "Batmans Umgebungsscanner". Damit zusätzliche Würze ins Spiel kommt, haben die Entwickler zwei Rennspielabschnitte integriert, in denen ihr mit dem neuen Batmobil beweist, dass ihr der Held der Straße seid. Auch hier wurde von den Genrekönigen kopiert.
Diese Levels, bei denen es vornehmlich darauf ankommt, mit Vollgas und ohne Rücksicht auf Verluste dem einfachen Streckenverlauf zu folgen, spielen sich wie eine Art abgespecktes Burnout für Nachtschwärmer. Sogar das Zeitlupen-Feature bei Unfällen ist mit dabei. Besonders cool sind die Funksprüche der Verfolger. Sie sorgen durch aggressive Parolen und verwunderte Zweifel an der eigenen Zurechnungsfähigkeit für Laune.
Kino-Atmosphäre
Im Hinblick auf die Technik präsentiert sich der Titel grundsolide. Im Bereich Sound ist die Produktion - wie für EA-Standards üblich - in jeder Hinsicht sehr gut. Die cineastische Musik, knallige Effekte und die Stimmen der Original-Synchronsprecher sorgen für echte Kinoatmosphäre. Ertönt das Spiel über Dolby Pro Logic II aus den heimischen Boxen, ist zumindest die akustische Erfahrung nahezu perfekt.
Auf nicht ganz so hohem Niveau ist die Grafik angesiedelt, die trotz allem aber einen guten Eindruck macht. Batman und alle anderen Figuren bewegen sich flüssig über den Bildschirm. Die Umgebungen sehen gut aus, lassen aber an keiner Stelle die Kinnlade nach unten fallen. Dafür ist die Architektur zu simpel und die Texturen sind teilweise recht matschig. Auch lässt die Kamera an manchen Stellen eine bessere Übersicht vermissen.
Dafür fällt die Darstellung nicht durch Ruckler negativ ins Gewicht, wie es zum Beispiel bei der PS2-Fassung der Fall ist. Zwar erreicht Batman Begins zu keinem Zeitpunkt die Spieltiefe und Komplexität, wie man sie zum Beispiel von Tom Clancys Splinter Cell Chaos Theory gewohnt ist, dafür macht das Spiel in Anbetracht der relativ kurzen Spieldauer durchaus Spaß. Leicht verdauliche und gute Unterhaltung für alle Batman-Fans eben.
Die Anfänge von Batman Begins erlebt der Spieler in Form eines Tutorials.
Sind die Feinde extrem
eingeschüchtert, erscheint Batman als Dämon.
Batman packt während der Kämpfe einige coole Moves aus.
Einige Passagen sehen richtig gut und stimmungsvoll aus.
Der dunkle Rächer holt sich seine Gegner still und leise.
Das Angst-Feature ist eine coole Sache, kommt aber etwas zu kurz. Außerdem hätte man dem Spieler etwas mehr spielerische Freiheit lassen können. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass die Entwickler die Levels recht abwechslungsreich und überlegt gestaltet haben.