Wieder stellt sich die Frage: Welche Verbesserungen gibt EA seinem Fußball-Flaggschiff für die 2005er-Version mit auf den Weg?
Hersteller:
Termin:
Spieler:
Testurteil:
89
Steuerung
84
Grafik
83
Sound
88
Multiplayer
89
26.11.2004 12:43 Uhr - GameCube-Besitzer haben es bei einigen Dingen einfacher als diejenigen, die eine PS2 oder eine Xbox ihr Eigen nennen. Zum Beispiel bei der Frage, welches das beste Fußballspiel für ihr System ist. Da die Konkurrenz von Ko-nami mittlerweile die dritte Neuauflage ihres Pro Evolution Soccer beinahe parallel zu EAs Vorzeigefußball auf den Markt schmeißt, stehen Sony- und Microsoft-Jünger erneut vor der Qual der Wahl: prächtig präsentiertes Lizenzgekicke oder spielerisch unangefochtene Fuß-ballkunst. Da die Pro Evo-Reihe aber nicht für Nintendo-Konsolen erscheint, sehen sich Cube-Fans in einer einfacheren, wenn auch nicht zwangsläufig glücklicheren Lage: Für Fußballbegeisterte führt auch dieses Jahr kein Weg an FIFA Football 2005 vorbei.
Alles wie gehabt Nachdem die 2004er-Ausgabe gegenüber FIFA Football 2003 einem umfassenden Lifting unterzogen wurde und neue Features und Modi Einzug hielten, begnügt sich das diesjährige Update mit Verbesserungen im Detail. Das fällt bereits beim ersten Match, das man spielt, auf. Wir können versichern, dass die hier abgedruckten Screenshots tatsächlich aus der aktuellen 2005er-Version stammen, auch wenn die Ähnlichkeiten zu FIFA Football 2004 frappierend sind. Die Unterschiede zum Vorgänger sind auf den ersten Blick kaum erkennbar. Neben einem neuen Spielereditor (siehe Extrakasten) versuchten die Entwickler, das Gameplay konsequent zu verbessern und die Lizenzen auf den neuesten Stand zu bringen, wie man es von der FIFA-Reihe mittlerweile gewohnt ist. So wurden die Teams aus 18 Ligen sowie von 40 Nationalmannschaften eingepflegt, damit dem wahren Fußballfan die breite Palette von 15.000 originalen Spielern aus aller Welt zur Verfügung steht. Das Team hinter FIFA Football 2005 hat ganze Arbeit geleistet und die Mannschaften und Spieler nicht nur namentlich implementiert, sondern auch versucht, die individuellen Stärken der Spieler und Mannschaften zu übertragen. Daher spielt sich ein FC Bayern München zum Beispiel anders als ein SC Freiburg. Auch Stadien wurden nachgebaut und die Fangesänge wirken vor allem mit krachender Dolby-Pro-Logic-II-Unterstützung authentischer als je zuvor. Kleiner Wermutstropfen ist das Kommentatoren-Team, RTL-Mann Florian König und Tom Bartels, das nicht immer korrekte Kommentare zum Spielablauf abgibt und auf Dauer leicht nervig sein kann. Aber alles in allem ist die gesamte Präsentation erneut eine Klasse für sich und in dieser Form einmalig. Größter Motivationsbringer ist auch 2005 wieder der Karriere-Modus, in dem man seine Mannschaft als Manager betreut. Hier wählt man zu Beginn ein Team und versucht, innerhalb von 15 Jahren so viele Titel wie möglich zu gewinnen. Da man das Spielgeschehen auf dem Platz in jedem Match kontrollieren kann, sorgt dieser Modus für enormen Langzeitspielspaß. Wahlweise können sogar alle Spiele simuliert werden, sodass man sich voll auf das Managing konzentrieren kann. Dann heißt es nur noch kaufen und verkaufen, Werbeverträge abschließen und die Trainingsmethoden festlegen. Ohne Management-Teil darf man eine Mannschaft ebenso durch ein reguläres Ligajahr führen. Hier kommt es einfach darauf an, am Ende der Saison Tabellenführer zu sein. Natürlich begleitet man seine Mannschaft als Manager, Trainer und Spieler durch die anderen Wettbewerbe wie Pokal, Champions League oder individuell zusammengestellte Turniere.
Wie steht's mit dem Gameplay? Die Spielmodi lassen kaum Wünsche offen, beinahe alles, was der Fußballfan begehrt, ist von EAs Vollprofis im Spiel untergebracht. Doch was nutzen all die netten Features, sollte es bei der eigentlichen Spielmechanik haken? Hier können wir Entwarnung geben. Wer den sehr gut spielbaren Vorgänger kennt, weiß ziemlich genau, was ihn erwartet - Spielmechanik und Engine wurden nämlich größtenteils komplett übernommen. So wurde das Augenmerk auf den Simulationsanteil gelegt. Dadurch gestaltet sich das Spiel anspruchsvoller und Aktionen wie Ballannahme und Dribblings gehen nicht mehr so einfach von der Hand wie noch vor ein paar Jahren. Mit dabei ist auch wieder die "Off the Ball"-Steuerung, mit der man Mitspieler für Zuckerpässe in Position bringen kann. Eine entscheidende Neuerung wurde dem 2005er-FIFA dennoch vergönnt, zur Freude aller Fans: Die brandneue "First Touch"-Kontrolle erweist sich als echter Spielspaß-Multiplikator. War im Vorgänger die Ballannahme eine echte Geduldsprobe, wurde im aktuellen Teil extrem an dem Aspekt einer schnellen und cleveren Ballbehandlung bei der Annahme gearbeitet. Dadurch wird das Spiel schneller und unkomplizierter, Frustmomente werden eliminiert. Zusätzlich positiv fällt auf, dass die Durchführung der "First Touch"-Kontrolle per C-Stick ein Kinderspiel ist. Im Gegensatz dazu bleibt die "Off the Ball"-Steuerung, obwohl leicht vereinfacht, in der Praxis schwer umsetzbar, sodass im Eifer eines Matches diese Aktion ohne Training nicht problemlos ausgeführt werden kann. Die Freistoß-Mechanik zeigt sich ebenso dezent verbessert, trotzdem landen nicht alle Freistöße bei korrekter Einstellung im Tor. Allerdings würden sich viele FIFA-Zocker über eine Vereinfachung dieses Features freuen. Das klappt bei anderen Fußballsimulationen, zum Beispiel Konamis Pro Evolution Soccer-Reihe, besser. Nichtsdestotrotz macht das Spiel dank der kleinen, aber feinen Änderungen einen runderen Eindruck als der Vorgänger, da fällt auch die erneut verbesserte Gegner-KI (und eigenen Mannschaftskameraden) positiv ins Gewicht. Einen Rüffel kassiert EA für das Memory-Card-Ma-nage-ment: Eine 256-Block-Karte belegt FIFA Football 2005 ohne Probleme und der Durchschnittszocker dürfte im-mer noch eine 59-Block-Memory-Card sein Eigen nennen. Trotzdem macht das Update mehr Spaß als der Vorgänger, was zum großen Teil den umfangreichen Lizenzen angerechnet werden muss. Es bringt einfach mehr Laune, den Stürmer seines Lieblingsvereins mit einem Steilpass Richtung Tor zu schicken als einen unbekannten Fußballstar. Obwohl FIFA Football 2005 das beste GameCube-Fußballspiel ist, sollten sich nur Zocker, die bisher keinen FIFA-Titel besitzen, sowie updatesüchtige Cube-only-Besitzer den Kauf überlegen, da sich die Änderungen zum Vorgänger in Grenzen halten. Multi-Konsoleros sollten sich überlegen, ob Pro Evolution Soccer die bessere Alternative ist.
Fußballbegeisterte Multi-Konsoleros diskutieren bereits seit drei Jahren über die Tabellenführung zwischen EA und Konami. EA bleibt, trotz dicker Lizenz und prächtiger Präsentation, wegen spielerischen Defizits knapp hinter Konami. Mit der vorliegenden Version macht EA konsequent weiter Boden gut. Kleine, aber feine Verbesserungen in der Spielmechanik sowie der große Umfang lassen Nintendo-Verfechter nicht mehr ganz so neidisch in das Lager der Konkurrenz-Zocker blicken. Trotzdem geht das EA-Fußballspiel noch immer nicht so leicht von der Hand wie der japanische Konkurrent. Was soll´s, für den Cube ist das sowieso kein Thema, daher sollten alle, die FIFA 2004 nicht besitzen, auf jeden Fall zugreifen, große Memory Card vorausgesetzt.