Charles Martinet, die Stimme von Super Mario - Interview: Teil 2

Special Toni Opl Anne Schmiedl

Videogameszone.de traf Charles Martinet, die Stimme von Nintendo-Held Super Mario, auf der Gamescom 2010. Im Interview verrät er uns Details über seine Arbeit, seine seltsamsten Projekte und wie oft er sich mit Shigeru Miyamoto trifft.

Videogameszone: Wie bereiten Sie ihre Stimme vor, um so wie Mario, Luigi, Wario und so weiter zu klingen? Gibt es da ein spezielles Ritual, mit dem Sie ihre Stimme in Form bringen?

Charles Martinet: Nein, ich habe keine Rituale, mit denen ich meine Stimme zum Laufen bringe, ich sitze also nicht hier und mache erst einmal (Er gibt ein paar Stimmen-Impressionen). Die Figuren sind die ganze Zeit in mir, die ganze Zeit. Um ehrlich zu sein, manchmal wache ich am Morgen auf und mache "Wuhu! Here we go!", oder ich summe Melodien vor mich hin (Er summt zwei Mario-Themas). Die Stimmen aus den Spielen, ihre Freude, die ist immer bei mir.

Videogameszone: Was sagen Ihre Nachbarn dazu?

Charles Martinet: (lacht) Nun, ich schreie ja nicht laut herum. Obwohl, einmal habe ich um fünf Uhr morgens ein Interview für einen New Yorker TV-Sender gemacht. Ich war im ersten Stock und machte "Wuhu! Here we go! Thank you very much!" Da klopfte plötzlich meine Nachbarin an die Tür und sagte: "Können Sie das bitte nicht ganz so laut machen?" (lacht). Tut mir leid, Frau Nachbarin!

Videogameszone: Denken Sie, dass sich ihre Stimme im Laufe der Jahre verändert hat? Und falls ja, hat das auch Marios Stimme verändert?

Charles Martinet: Wissen Sie, darüber denke ich oft nach. Ich versuche, etwaige Veränderungen in einem gewissen Rahmen zu halten. Ich hoffe, meine Stimme hat sich nicht zu sehr verändert. Das müssen eigentlich Sie mir sagen! Finden Sie, dass die Stimme heute ein bisschen höher klingt?

Videogameszone: Nein.

Charles Martinet: Es scheint noch immer ziemlich genau dieselbe Stimme zu sein. Wir versuchen auch bewusst, die Stimme nicht zu verändern. Wir haben Aufnahmen, die wir uns anhören, bevor wir neue Dinge aufnehmen, nur, um sicherzugehen, dass die Figuren sich authentisch und glaubwürdig anhören. Wenn Mario sich zu sehr wie Luigi anhört, oder Luigis Stimme zu hoch ist und sich darum zu sehr wie Mario anhört - wir versuchen, immer, die Authentizität der Figuren zu wahren.

Videogameszone: Warum ist Mario Ihrer Meinung nach so eine populäre Figur?

Charles Martinet: Warum ist Mario so eine populäre Figur… Ich muss erneut sagen, ich denke, dass das der Verdienst der Genialität von Herrn Miyamoto ist. Er erschafft wundervolle Figuren, wundervolle Szenerien, wundervolle Abenteuer, wundervollen Spaß. Das ist es, was er tut, und jedes kreative Team innerhalb von Nintendo springt auf diesen Kreativitätszug auf, sie machen also dasselbe wie er. Wenn Herr Miyamoto am Steuer ist, reißt er alle anderen mit, und ich denke, das ist auch ein Teil dessen, was seine Genialität ausmacht. Und die Leute bei Nintendo lieben es einfach, Videospiele zu machen! Als Beispiel: Als Super Mario Galaxy gemacht wurde - ein unglaublich tolles Spiel - haben die Leute, die das Spiel kreiert haben, immer mehr und mehr Ideen geboren: "Was ist, wenn wir eine Welt erschaffen, in der das und das passiert?" - "Was passiert, wenn hier eine andere Schwerkraft herrscht?" - "Was passiert, wenn wir das machen?". Herr Miyamoto hat sich all diese tollen Ideen angehört und gesagt "Lasst uns Super Mario Galaxy 2 machen!". Und da haben Sie es, Super Mario Galxy 2, das am besten bewertete und möglicherweise das großartigste Spiel aller Zeiten. Und dennoch weiß ich, in Zukunft werden noch bessere Dinge kommen. Aber das ist die Natur von Nintendo. Nintendo liebt es, Spiele zu machen. Es geht darum, Spaß zu haben und Vergnügen zu bereiten, und es ist ein unglaubliches Privileg für mich, ein Teil davon zu sein.

Videogameszone: Welches ist Ihr liebstes Mario-Spiel?

Klempner Super Mario ist stets gut gelaunt. Es sei denn, Bösewicht Bowser stellt sich ihm in den Weg. Quelle: Nintendo Klempner Super Mario ist stets gut gelaunt. Es sei denn, Bösewicht Bowser stellt sich ihm in den Weg. Charles Martinet: Was ist mein liebstes Mario-Spiel… Das ist eine extrem schwere Frage. Ich muss sagen, ich liebe jedes Mario Kart-Spiel, das jemals entwickelt wurde. Das kann sogar ich spielen und das ist das großartige daran: Man kann die Spiele bereits kennen und großartig darin sein, oder es das erste Mal in die Hand nehmen, losfahren und einfach Spaß haben. Mario Kart mag ich also sehr gerne, denn das entspricht meinen spielerischen Fähigkeiten. Allerdings, als ich das erste Mal Super Mario Galaxy sah, bekam ich eine Gänsehaut und konnte nur noch "Oh, mein Gott, wie genial!" sagen. Und dann spielte ich es, und ich spiele es sogar heute noch. Bei New Super Mario Bros. Wii, da musste ich einfach laut loslachen, weil es so viel Spaß gemacht hat.

Und als ich das erste Mal Super Mario Galaxy 2 sah, da ging es mir erneut wie bei Super Mario Galaxy: "Oh, mein Gott! Oh, mein Gott! Oh, mein Gott!" Ich liebe einfach alle Mario-Spiele. Aber mein Lieblingsspiel... Möglicherweise ist es Super Mario Galaxy 2, gleichauf mit New Super Mario Bros. Wii. Ich freue mich schon auf das nächste Mario-Spiel, denn ich weiß bereits, dass es erneut mein Lieblings-Mario sein wird (lacht). Aber Super Mario 64 muss ich auch noch erwähnen, denn das war unvergesslich. Die Aufnahmen damals, da war alles noch brandneu für mich. Da wurde "Wuhu" das erste Mal aufgenommen. Sie sagten: "Wir suchen nach einem Ton, der sich optimistisch und freudig anhört." - "Wuhu!" - "Ja, das ist toll, noch etwas!" - "Wa-Huuu!" - diese Klänge das erste Mal zu erforschen, das war ein unglaublicher Spaß.

Videogameszone: Bitte verraten Sie uns die Wahrheit: Sagte Wario in Mario Kart 64 wirklich "No, I missed!", oder sagte er "So ein Mist!"? Das zweite ist nämlich ein deutsches Schimpfwort.

Charles Martinet: Ich denke… Diese Aufnahmen sind schon so lange her… Ich erinnere mich nicht, aber ich bin mir sicher, dass es eine englische Phrase war. Das kann nicht sein, dass ich jemals ein deutsches Schimpfwort gesagt habe (lacht).

Videogameszone: Nun, es ist nicht wirklich ein Schimpfwort, es bedeutet so viel wie "That's a pity", "Das ist schade".

Charles Martinet: (Mit Mario-Stimme)"Oh, I missed! So ein Mist! Oh, I miiiissed!" (Anm. d. Red. Betont es so, dass sich "Oh, I missed" wie "So ein Mist!" anhört). Vielleicht eher so (lacht).

Videogameszone: Okay, nun die letzte Frage: Laut imdb haben Sie ihre Synchronsprecher-Karriere im Jahre 1986 begonnen. Was haben Sie davor gemacht?

Super Mario in Super Mario Galaxy 2. Quelle: Nintendo Super Mario in Super Mario Galaxy 2. Charles Martinet: Es ist durchaus möglich, dass ich 1986 mit dem Synchronsprechen angefangen habe, ich weiß es nicht mehr genau. Davor wollte ich Richter werden, allerdings bin ich nicht in die dafür notwendigen Kurse gekommen und beschloss, die Schule eine Weile ruhen zu lassen. Ein Freund von mir, der an der Schule unterrichtete, sagte "Mach doch beim Schauspiel-Kurs mit!" Und ich sagte, dass ich niemals vor Leuten auf der Bühne stehen und reden könnte, dafür bin ich viel zu schüchtern. Und er sagte "Nein, du musst einfach kommen!" also besuchte ich den Kurs, und beim ersten Mal zitterten meine Beine derart, dass ich dachte, sie würden mein Gewicht nicht tragen. Und dann musste ich einen Monolog vortragen, während meine Beine weiterhin nicht das taten, was ich von ihnen wollte. Ich war starr vor Furcht, aber die Leute sagten mir anschließend "Du bist echt gut!", "Das war toll!" Ich sagte nein, ihr müsst doch gesehen haben, wie verängstigt ich war, und sie sagten "Echt, du warst nervös? Wir dachten, du seist die einzige Person gewesen, die nicht nervös war!". Ich dachte mir nur "Oh, mein Gott". Also fing ich mit dem Schauspielkurs an und hatte viel Spaß. Ich nahm an einem Vorsprechen für die Rolle des Oberon in Mittsommernachtstraum teil, bekam die Rolle jedoch nicht.

Also habe ich sehr hart im Sprechteam gearbeitet, wir haben den ersten Platz bei einem US-Wettbewerb gewonnen und in acht weiteren, internationalen Wettbewerben. Dann besuchte ich ein weiteres Vorsprechen. Ich sprach den Oberon vor und durfte an einem Sommer-Kurs teilnehmen. Also besuchte ich eine Drama-Schule in England. Die nächsten zehn Jahre habe ich am Theater gespielt und danach für ein paar Jahre in Corporate Videos mitgewirkt, denn im Grunde ist das eine sehr ähnliche Arbeit, du kannst entweder ein Marsmännchen oder ein verrückter Professor oder was auch immer sein. Und während dieses Prozesses, während ich also diese Art von Arbeit gemacht habe, da machte ich eines Tages bei einer Werbung für America Gothic Painting mit. Der Produzent sagte: "Kannst du dafür die Synchronisation übernehmen?" Ich antwortete: "Natürlich! - Was ist eine Synchronisation?" Er sagte "Hier ist das Skript", und ich sagte "Oh, okay!" Ich weiß noch genau, was ich sagen musste: "Der richtige Gegenstand zum richtigen Preis! Genau jetzt!" Ich sagte das, und er meinte: "Das war perfekt, danke!". Sie bezahlten mich dafür, also dachte mich mir "Wow! Das macht Spaß, das mache ich wieder." Also fing ich an, Radio- und Fernsehwerbung zu machen. Dann wurden Videospiele erfunden, und das war das "Wuhu!" meines Lebens (lacht).

Ich danke Ihnen vielmals für das Interview.

Charles Martinet: (Mit Mario-Stimme): Thank you very much for playing my games! Wuhu!

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Bildergalerie

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