Ist Monster Hunter Tri ein Rollenspiel? Ist es eine Jagdsimulation? Oder ein Action-Adventure im prähistorischen Gewand? In unserem Test von Monster Hunter Tri für Wii erfahrt ihr es!
Komplex oder kompliziert?
Monster Hunter ist ein irre komplexes Spiel! Die Vorgänger erschlugen Neueinsteiger trotz ausführlicher Tutorials mit einer Vielzahl an Waffen, Taktiken und vor allem einer steilen Lern- und Schwierigkeitskurve. Für das Wii-Debüt wurden die ersten Spielstunden entschlackt. Obwohl es jetzt neben den Hauptmissionen auch Nebenquests gibt, ist der Einstieg verständlicher und die Mons ter sind weitaus leichter zu besiegen. Außerdem erleichtern zahlreiche Shortcuts, mit denen ihr zum Beispiel Items direkt in Vorratskisten ablegt, anstatt sie hin und her zu schleppen, die Menü-Navigation. Das bedeutet aber auch: Bis euch die Bewohner von Moga auf erste echte Jagdquests schicken, vergeht viel Zeit.
Wer die Vorgänger gespielt hat, kennt das Prozedere und langweilt sich in dieser Zeit. Und obwohl Neueinsteiger langsam an den Spielfluss herangeführt werden, erfordert zumindest die zugekleisterte Tastenbelegung Etliches an Einspielzeit. Auch wenn der Einstieg besser ausfällt als in bisherigen Teilen, könnte er für Serienneulinge noch zugänglicher, für Veteranen hingegen etwas straffer sein. Das ist Meckern auf hohem Niveau, aber hier wird zugunsten eines Mittelweges keine spezielle Spielergruppe an die Hand genommen. Ach ja … auch wenn der Einstieg leichter ist, zieht der Schwierigkeitsgrad später ordentlich an. Vor allem Einzelspieler werden mehr als einmal an einer Quest scheitern.
Nebenmissionen - ein dicker Pluspunkt
Screenshots aus Monster Hunter Tri für Wii (6)
Nebentätigkeiten gab es in Monster Hunter schon immer. Etliche Mini-Games wurden aus den Vorgängern übernommen. In einer Kantine stellt ihr euch Menüs zusammen, die euch dann Boni für die nächste Mission geben. Auf einer Farm baut ihr zwischen den Quests Früchte, Pilze und Kräuter an. Beim Angeln besorgt ihr euch während der Hauptmissionen eine kleine Stärkung. Und durch einen mobilen Grill macht ihr gefundenes Saurierfleisch verzehrbar. Neu sind die Jagdberichte, die als Sidequests neben den Hauptmissionen herlaufen: Dorfbewohner geben jetzt auch Gesuche auf, für die ihr keine bestimmten Gegenstände besorgt. Stattdessen tauscht ihr Items, die ihr nicht mehr benötigt, in Rohstoffpunkte um, mit denen ihr zur Erweiterung der Stadt beitragt - und erhaltet dafür im Gegenzug wieder Zugriff auf bessere Ware. Ebenfalls ein Novum: Monster müsst ihr in einer Datenbank erfassen. Stoßt ihr auf eine neue Kreatur, zeigt ihr mit der Wii-FB auf diese und zieht sie auf ein kleines Notizbüchlein im Menü. Dann wird das Wesen registriert und ihr könnt nachschlagen, um welche Art Monster es sich genau handelt. Eine coole, sinnvolle und vor allem unterhaltsame Implementierung der Bewegungssteuerung.
Keine Pause für Jäger
Eine Pausefunktion gibt es in Monster Hunter nicht. Das Spiel läuft stets in Echtzeit weiter, weswegen sämtliche Nebenbetätigungen, sei es das Registrieren von Monstern, das Einnehmen von Heilgegenständen oder das Schärfen der Waffe, unter Zeitdruck ausgeführt werden müssen. Das ist einerseits sehr spannend, weil euch das Spiel einem permanenten Stress aussetzt, der in eurer Taktik berücksichtigt werden muss. Andererseits kann das aber auch ordentlich nerven: Das Telefon klingelt, während ihr gerade den Seedrachen Lagiacrus in einer spannenden Unterwasserschlacht bekämpft? Im Einzelspieler-Modus könnt ihr immerhin den Home-Knopf drücken, um das Spiel zu unterbrechen. Für das Online-Spiel, wo sich bis zu drei Mitspieler auf euch verlassen, solltet ihr das Telefon dann aber besser ignorieren.
Die Steuerung von Monster Hunter Tri ist ein zweischneidiges Schwert.
Die Steuerung - ein zweischneidiges Schwert
Mit einer eigenen Konfiguration für jeden Waffentyp ist die Steuerung in Monster Hunter Tri arg überladen. Wer sich aber erst mal eingespielt hat, erkennt ein Muster hinter den Tastenbelegungen und kommt dann gut klar. Selbst die Unterwasser-Steuerung ist sehr direkt und gut umgesetzt. Die Entwickler machten sich außerdem die Mühe, drei Konfigurationen anzulegen. Geübte Wii-Spieler ziehen mit einem beherzten Schwung der Fernbedienung ihre Waffen oder neigen diese, um Spezialangriffe durchzuführen. Wer bereits einmal Monster Hunter gespielt hat, wird sich wahrscheinlich mit dem Classic Controller Pro, der den Special Editions des Spiels beiliegt, wohler fühlen. Für dieses Gamepad gibt es noch mal zwei unterschiedliche Tastenbelegungen pro Waffe, damit auch wirklich jeder ein geeignetes Steuerschema findet. Super, dass hier so viele Steuerungsvarianten unterstützt werden! Dennoch: Ein Blick auf die Tastenbelegung ist erst einmal verwirrend. Häufig fanden wir im Eifer des Gefechts nicht die Taste, die wir eigentlich suchten. Ebenfalls ärgerlich: Ein Trefferfeedback ist kaum vorhanden. Zwar erkennt man am Verhalten der Monster ihr allgemeines Wohlbefinden (sie legen ihre Ohren an, ziehen ihren Schwanz ein oder humpeln davon), aber wie schwer man sie gerade selbst getroffen hat und wie effektiv die eigene Waffe ist, erfährt man kaum.
Hinweis: In der aktuellen Ausgabe der N-ZONE (05/10) lest ihr darüber hinaus alles Wichtige zu den Waffen und dem Spielfluss von Monster Hunter Tri.
Screenshots aus Monster Hunter Tri:
