Flipping Death: Morbides Adventure mit Sensenfrau Penny im Test

Test Cosima Staneker
Flipping Death: Morbides Adventure mit Sensenfrau Penny im Test
Quelle: PC Games

Mit Titeln wie Stick it to The Man und Fe hat das schwedische Entwicklerstudio Zoink in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Indie-Spielerschaft auf sich gezogen. In Flipping Death könnt ihr nun in eine skurrile Welt eintauchen und Sensenfrau Penny auf ihrer Reise zwischen Dies- und Jenseits begleiten. Wir haben das Adventure für euch getestet.

Penny Doewood hat es nicht leicht: Erst wird sie entlassen, dann kracht sie gegen einen Baum und schließlich stürzt sie durch den Boden eines Mausoleums und stirbt. Das schlaksige Mädchen mit den dunklen Haaren landet kurzerhand im Jenseits und trifft auf den Tod höchstpersönlich, der - vollkommen benebelt vom postmortalen Burnout - die nun blass-blaue Penny für seine Vertretung hält. Dankbar überreicht er ihr Umhang und Sense und macht sich ohne weitere Erklärungen aus dem Knochenstaub. Jetzt liegt es an Sensenfrau Penny, den Geistern mit ihren Problemen zu helfen und das Geheimnis ihres eigenen Ablebens zu lüften. Zu ihrer Überraschung wandert ihr prächtiger Körper nämlich noch immer im Diesseits umher und scheint wie besessen ...

Exorzismus à la Penny

Lebende, die ihr schon einmal übernommen habt, erhalten eine goldene Aura. Bei lila markierten Charakteren müsst ihr noch Geistertierchen zahlen, um in ihre Körper schlüpfen zu können. Quelle: PC Games Lebende, die ihr schon einmal übernommen habt, erhalten eine goldene Aura. Bei lila markierten Charakteren müsst ihr noch Geistertierchen zahlen, um in ihre Körper schlüpfen zu können. Besessen ist das richtige Stichwort: In Flipping Death (jetzt kaufen 17,80 € ) sind Dies- und Jenseits unweigerlich miteinander verbunden. Während sich Penny in der Unterwelt frei bewegen und mit einem Wurf ihrer Sense sogar hin zu deren Landeplatz teleportieren kann, muss sie in die Körper anderer Menschen schlüpfen, um in der Welt der Lebenden Rätsel zu lösen. Die wunderschön gestaltete Spielwelt flippt bei jeder Körperübernahme oder -freigabe von der einen zur anderen Seite. Wer querdenkt, behält hier den Überblick. Für den Exorzismus per Knopfdruck benötigt Penny sogenannte Geisttierchen, von denen sich drei Arten im Totenreich tummeln. Das Sammeln dieser gespenstischen Ressource bietet zwar ein wenig Abwechslung vom üblichen Gameplay, ist aber nur dann nötig, wenn Penny das erste Mal einen Körper übernehmen will. Danach gilt: Einmal besessen, immer besessen.

Im Exorzisten-Modus kann Penny mit den Lebenden Zwiegespräche führen, ihre Körper bewegen und sich die Gegenstände zu Nutze machen, die sie in ihren Händen halten. So läuft sie im ersten von sieben Spiel-Kapiteln mit dem Holzfäller und seiner Axt im Wald Amok oder klebt die Zunge des ortsansässigen Heiratsschwindlers an die Leiche seiner Ex-Frau. Lecker! Die makabren Handlungen führen zum Abschluss handlungsrelevanter Missionen, die ihr im Pausenbildschirm betrachtet. Dort könnt ihr auch Hinweise ansehen, wenn ihr euch an einer besonders harten Rätsel-Nuss die morschen Zähne ausbeißt. Das Hinweis-Menü ist leider ein einziges Spoiler-Roulette, da nicht ersichtlich ist, welche Lösung hinter welchem Tipp steckt. Zudem sind die Rätsel-Rezepte in Bild-Form zwar nett anzusehen, aber viel zu konkret, um das Ganze überhaupt als Hinweis betiteln zu können.

Abseits der Hauptstory bietet sich euch die Möglichkeit, kurze Challenges zu meistern. Als Belohnung winken insgesamt 34 Geisterkarten. Auf diesen findet ihr nicht nur liebevoll gezeichnete Artworks aller Figuren, sondern auch humorvolle Beschreibungen ihrer Charaktere. Leider erfahrt ihr nur die Namen der Herausforderungen, aber nicht deren Anforderungen. Folglich müsst ihr euch selbst zusammenreimen, welche Aktionen zum Erfolg führen.

Der Tod hat Schattenseiten

Die Geisterkarten mit ihren hochwertigen Artworks und witzigen Texten sind ein echtes Highlight. Quelle: PC Games Die Geisterkarten mit ihren hochwertigen Artworks und witzigen Texten sind ein echtes Highlight. Nach etwa sieben Stunden ist eure modrige Reise zu Ende und das Geheimnis um Pennys Tod und ihre mysteriöse Zombie-Doppelgängerin gelüftet. Wer jetzt die restlichen Geisterkarten abstauben möchte, sieht sich schnell mit mehreren Eigenarten konfrontiert, welche die Langzeitmotivation erheblich trüben. Unter anderem werden eure Challenge-Fortschritte zurückgesetzt, wenn ihr vom aktuell gespielten Kapitel ins Hauptmenü wechselt. Im ersten Durchgang bereits erfüllte Challenges werden zudem als offen angezeigt. Im Gegensatz zum Spiel solltet ihr euch euren Fortschritt also besser im Gedächtnis bewahren.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt können auch die hervorragende englische Vertonung, die detailreichen Grafiken und die atmosphärische Musik nicht mehr darüber hinwegtrösten, dass die Ladebildschirme zumeist über eine Minute lang vor euren wartenden Augen verweilen und die Steuerung mancher Besessenen insbesondere im Handheld-Modus eingabeverzögert und ungenau ist. Auch die Vibrationsfunktion ist übertrieben: Betritt man mit Pennys unfreiwilligen Marionetten ein Gebäude im Diesseits, bricht schier ein Erdbeben aus. Der Touchscreen hat obendrein keine spielrelevante Funktion und auch der Bildschirm der Switch ist - außer auf maximaler Helligkeit - zu dunkel, um die Umrisse der Lebenden in der Geisterwelt gut zu erkennen. Daher spielt sich Flipping Death im TV-Modus angenehmer. In den meisten Kapiteln befindet ihr euch in Flatwood Peaks, Pennys Heimatstadt. Mit dem Auto könnt ihr zwischen Schauplätzen schnellreisen. Quelle: PC Games In den meisten Kapiteln befindet ihr euch in Flatwood Peaks, Pennys Heimatstadt. Mit dem Auto könnt ihr zwischen Schauplätzen schnellreisen. Unterm Strich bietet Flipping Death eine charmante Geschichte, ein interessantes Spielkonzept und bereitet über alle Kapitel hinweg Spaß. Auch wenn ihr nur zwei Gebiete - Pennys Heimatstadt und die Vergangenheit - sowie die dazugehörigen Geisterwelten erkunden dürft, bieten die skurrilen Charaktere, Schauplätze und Missionen genug Abwechslung, um eure Entdeckerlust bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Wer den Wiederspiel-Frust umgehen möchte, sollte darauf achten, alle Challenges im ersten Durchlauf zu meistern: Für die Geisterkarten lohnt es sich allemal. Dass die Geschichte trotz der vielen, denkbaren Kombinationsmöglichkeiten durch das Steuern unterschiedlichster Lebender linear verläuft, ist schade, bietet aber Anknüpfungspunkte für einen nächsten Teil. Sterben kann Penny übrigens nicht - der Tod zu sein hat eben auch seine Vorzüge.

Wer jetzt Lust auf das Spiel bekommen hat: Flipping Death ist neben der Switch auch für PC, PS4 und Xbox One erhältlich.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Flipping Death (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Großartiger HumorSpannende GeschichteToll vertonte englische DialogeSchöne Grafiken und tiefe, detailreiche WeltCharaktere mit WiedererkennungswertGeisterkarten: Schönes Sammelobjekt
Zu lange LadezeitenSteuerung im Handheld-Modus lahmErneutes Spielen der Kapitel bereitet Frust statt FreudeKleinere BugsUntertitel nicht auf Ton abgestimmtHinweise sind im Grunde Lösungen
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