"Optische Täuschungen: Die beste Perspektive

Special David Martin Sebastian Stange

Aufgedeckt: Was genau bekommen wir zu sehen, wenn erste Screenshots zu einem Spiel auftauchen?

DIE BESTE PERSPEKTIVE
Nicht immer werden Target Renders verwendet und selbst wenn, müssen irgendwann richtige Screenshots her. Diese stammen dann tatsächlich aus der Grafikengine des Spiels. Dennoch haben sie zuweilen nicht sehr viel damit zu tun, was ihr letztendlich in der Kaufversion zu sehen bekommt. Das hat viel mit dem gewählten Blickwinkel zu tun. Bei einem Rennspiel hängt die Kamera im Spiel hinter dem Wagen oder auf der Stoßstange. Entwickler-Bilder zeigen jedoch reißerische Außenperspektiven ein, die eher in eine Autosendung passen würden. Auch bei Ego-Shootern werden meist Spielfiguren, Gegner und actionreiche Szenen aus filmreifen Kamerawinkeln präsentiert.

Verwirrung: Als Der Pate für Xbox 360 angekündigt wurde, sorgten diese Target Renders für Furore. Würde das Spiel wirklich so gut aussehen? ... Verwirrung: Als Der Pate für Xbox 360 angekündigt wurde, sorgten diese Target Renders für Furore. Würde das Spiel wirklich so gut aussehen? ...
Nun, das tat es leider nicht. Nun, das tat es leider nicht.

Aus der Ego-Perspektive des Spiels würden sie weitaus weniger eindrucksvoll wirken, da sie oftmals nur am Rande vorkommen oder von eurer Waffe verdeckt würden. Nachdem sich Designer und Künstler monatelang Mühe mit den Levels, Charakteren und Effekten gegeben haben, ist es nur verständlich, dass sie ihre Arbeit bestmöglich präsentieren. Dennoch würden wir es mit Handkuss begrüßen, wenn unter den ersten Shots zu einem neuen Titel wenigstens einer wäre, der das Geschehen aus einer authentischen Perspektive zeigt. Obendrein wirken solche Entwickler-Screenshots oftmals arg gestellt. Im Extrakasten erklären wir euch anhand zweier Bilder von BRINK, welche Freiheiten Spieleentwickler beim Erstellen von Screenshots genießen.

ZU SCHÖNE BILDER
Die technischen Möglichkeiten der Entwickler sind es auch, die nicht selten zu Screenshots führen, die einfach zu gut aussehen. Die entstehen beispielsweise, wenn ein Spiel auf PC-Systemen programmiert wird, wo Grafik, Effekte und Auflösung bequem hochskaliert werden können. Daher sehen Entwicklershots in der Regel viel sauberer als die echte Grafik aus. Unsere Kollegen von der N-ZONE bekommen beispielsweise ab und an Bilder mit Full-HD-Auflösung in die Hand, die tatsächlich Wii-Spielegrafik zeigen sollen. In der Tat zeigen sie die Engine des Spiels und vermitteln den Look des Titels. Doch letztendlich wird das Spiel in Aktion nicht dieses Grafikniveau erreichen. Und das nervt! Im schlimmsten Fall zieren solche "Bullshots" (abgeleitet vom englischen "Bullshit") sogar die Verpackung eines Spiels. So geschehen bei Ubisofts Wii-Shooter Far Cry Vengeance. Da stehen die bildhübschen Entwickler-Shots im krassen Kontrast zur grottigen Spielegrafik.

Das ist wirklich ärgerlich. Immerhin haben Konsolenzocker den Vorteil, dass die Hardwareausstattung ihres Systems überall gleich ist. Sieht ein Spiel also mieser als die Bilder auf der Spielwebseite aus, habt ihr guten Grund, euch aufzuregen. Wer auf dem PC spielt, muss auf jeden Fall auch bedenken, dass die eigene Hardware Schuld an der miesen Optik sein kann. Letztendlich wird aber auch die Konsolengrafik von vielen Faktoren beeinflusst. Auf einem 52-Zoll-Display sieht jedes Spiel besser aus und Besitzer von Röhrenfernsehern - und das sind nicht wenige - holen einfach weniger optische Brillanz aus ihrer Konsole. Dazu kommen verschiedene Kabel, Scaling-Methoden, Bildoptimierer und so weiter. Selbst dieses Heft gibt Screenshots nicht absolut originalgetreu wieder, da wir im Druck gänzlich andere Farbräume als das Quellmaterial benutzen.

BLEIBT SKEPTISCH!
Doch wie erkennt ihr, wenn Screenshots die Spiele-Realität etwas zu hübsch darstellen? Dazu gehört eine gesunde Skepsis allen Bildern gegenüber, die zu glatt, sauber und realistisch aussehen. Echte Spielegrafik wie sie auch im fertigen Spiel zu sehen ist produziert nun einmal pixelige Kanten - besonders bei Rauch- oder Explosions-Effekten. Aber am besten verlasst ihr euch auf uns. Wir geben an, aus welcher Quelle unsere Bilder kommen und weisen euch darauf hin, falls Entwickler-Screenshots viel zu gut aussehen. Außerdem haben wir die Möglichkeit, eigene Screenshots aus dem HD-Signal der Konsolen zu erstellen. Die zeigen dann wirklich das, was an eurem Fernseher ankommt - ungeschönt und absolut ehrlich.

Das ist aber kein Grund, Spielherstellern und Entwicklern von jetzt an zu misstrauen. Erkennt einfach Entwickler-Material als das, was es ist: Werbung. Das Produkt wird prima ausgeleuchtet und im besten Winkel fotografiert. Dem örtlichen Fast-Food-Laden nehmt ihr das übertrieben appetitliche Foto der angebotenen Ware ja auch nicht übel, oder? Dämpft angesichts früher Bilder einfach eure Erwartungen an die Spielegrafik und konzentriert euch lieber auf Features, Story und Gameplay der neuen Titel. Diese Elemente sind ohnehin viel wichtiger für ein unterhaltsames Spielerlebnis!

Die mysteriösen BRINK-Screenshots
Fällt euch bei diesen beiden Bildern des viel versprechenden Squad-Shooters BRINK etwas auf? Genau, beide zeigen bis auf die Charaktermodelle exakt dieselbe Szene. Wie kommt es dazu? Paul Wedgwood, CEO des Entwicklerstudio Splash Damage erklärt es uns und liefert einen interessanten Einblick in die Erstellung von Entwickler-Screenshots: "Wir bearbeiten unsere Screenshots nicht nachträglich. Außerdem zeigen unsere Bilder nur Texturen, Effekte, Modelle und Animationen, die auch in der Version enthalten sind, aus der die Bilder stammen. Wir können allerdings jederzeit zum Schauplatz eines Screenshots zurückkehren und ihn um die neusten Spielinhalte ergänzen. Unsere Designer wären sauer, wenn sie ihre Fortschritte nicht zeigen könnten. Also stammen beide Screenshots aus dem Spiel - einfach weil wir ganze Momente abspeichern können."

Screenshot zu BRINK... Screenshot zu BRINK...
Baukasten: Die Designer des Spiels können jederzeit zu den Screenshot-Szenen zurückkehren und Charaktere, Effekte und Texturen austauschen. Daher sehen sich beide Bilder so ähnlich. Baukasten: Die Designer des Spiels können jederzeit zu den Screenshot-Szenen zurückkehren und Charaktere, Effekte und Texturen austauschen. Daher sehen sich beide Bilder so ähnlich.

Der Lizenz-Krampf
Der Lizenz-Krampf Der Lizenz-Krampf Dieses Bild zur Wii-Fassung von Avatar war zusammen mit einem zweiten, ebenso inhaltsleeren Screenshot wochenlang das einzige verfügbare Bildmaterial. Wie kam es dazu? Wir fragten nach und erfuhren von einer ganz neuen Facette der Screenshot-Erstellung. Im Falle von Avatar gehören alle Rechte daran dem Film-Riesen 20th Century Fox. Und der legte Wert darauf, das Aussehen der außerirdischen Na'vi bis zu einem Stichtag im August geheim zu halten. Doof nur, dass ihr in der Wii-Version eben nur als Na'vi spielt. Ubisoft konnte bis dahin also nur Bilder veröffentlichen, die nicht wirklich etwas vom Spielgeschehen zeigen.

Bullshots auf der Packung!
Die arme Wii! Dank schwacher Grafikleistung scheinen die Entwickler hier, besonders oft auf getürkte Bilder angewiesen zu sein. Die Bilder auf der Verpackung haben leider derart wenig mit der Spielegrafik zu tun, dass das fast schon an Verarsche grenzt. Far Cry Vengeance ist diesbezüglich das krasseste Beispiel der letzten Jahre. Auf den HD-Konsolen PlayStation 3 und Xbox 360 sind derart große Unterschiede gottseidank nicht üblich.

Werbung: Dieses Bild findet ihr auf der Verpackung von Far Cry Vengeance für Wii. Werbung: Dieses Bild findet ihr auf der Verpackung von Far Cry Vengeance für Wii.
Wirklichkeit: Dieses Bild zeigt euer Fernseher an, wenn die das Spiel zockt. Wirklichkeit: Dieses Bild zeigt euer Fernseher an, wenn die das Spiel zockt.

Bildergalerie

  1. Seite 1 "Optische Täuschungen: Das Ziel vor Augen
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