Titanfall 2 im Test: Sehr gut gelungener Mehrspieler-Shooter mit unterhaltsamer Singleplayer-Kampagne
Test
Titanfall 2 im Test: Ab dem 28. Oktober 2016 werfen wir uns in die Schlacht Mann gegen Maschine - oder auch mal Mann zusammen mit Maschine, wenn wir selbst in das Innere eines der imposanten Titans schlüpfen. Wir verraten, wie gut die neu hinzugekommene Einzelspieler-Kampagne sowie der Mehrspielerpart des Spiels geworden sind!
Titanfall 2 ist (fast) da! In den kommenden Tagen versorgen wir euch mit allen Infos, die es zum Nachfolger des Mehrspieler-Shooters, der Parcours-Elemente sowie Mech-Gefechte in die Duelle implementiert, zu wissen gibt - und natürlich auch zur neu hinzugekommenen Singleplayer-Kampagne! Freut euch also auf zahlreiche Videos zu spielerischen Highlights, auf Technik-Checks, Let's-Play-Eindrücke, Tipps und Tricks zu Bosskämpfen und Sammelgegenständen und mehr! Aber schon heute verraten wir euch im Review zum Spiel, wie gut der Nachfolger des bereits sehr guten, aber nur auf Mehrspieler-Duelle ausgelegten ersten Titanfall geworden ist.
Schon in der vergangenen Woche haben wir euch zudem mit Videos zu den verschiedenen Mehrspielermodi sowie zu den Neuerungen im Mehrspielermodus einen ersten Einblick ins Spiel gegeben, in dem bis zu sechzehn Kämpfer online ihr Shooter-Talent beweisen dürfen - eingebettet in diesen Test könnt ihr sie noch einmal anschauen. Zudem zeigen wir euch in unserem Angespielt-Video, was euch am Beginn der Einzelspieler-Kampagne von Titanfall 2 erwartet.
Titanfall 2: Der Einzelspieler-Modus
Quelle: PC Games
Unser Titan-Begleiter BT-7274 ist fast während der gesamten Kampagne an unserer Seite.
Nach der Kritik am Fehlen von Singleplayer-Inhalten im ersten Teil haben die Entwickler diesmal eine vollwertige Story-Kampagne implementiert. Aus einem Grund sollte man sie jedoch nicht spielen: Um eine spannende Handlung zu erleben. Die Geschichte steckt uns in der fernen Zukunft in die Rolle von Protagonist Jack Cooper, der nach dem Tod seines Mentors in dessen Fußstapfen als Titan-Pilot tritt und als Mitglied der Rebellen-Einheit Frontier Militia gegen die unfreundliche Organisation IMC kämpft. So weit, so uninspiriert, und die oftmals in wie Funkübertragung samt Standbildern vorangetriebene Handlung wird auch im weiteren Verlauf nicht interessanter. Auch die an und für sich recht vielversprechende Beziehung zwischen Cooper und der künstlichen Intelligenz seines Titanen BT-7274 läuft nicht wirklich auf emotionale Momente hinaus.
Quelle: PC Games
Protagonist Jack Cooper bleibt, ebenso wie die Geschichte selbst, während der Kampagne flach und uninteressant.
Titanfall 2: Ab vom Kurs
Quelle: PC Games
Das Parcours-Gameplay, vor allem die Wandläufe, fügen sich sehr gut in die Kampagne ein.
Spielerisch hingegen macht die knapp sechs- bis achtstündige Kampagne viel richtig. Das aus den Mehrspieler-Gefechten bekannte Parcours-Gameplay des Erstlings fügt sich sehr gut in das großteils lineare Leveldesign der Solo-Missionen ein. Heißt im Klartext: Neben Abschnitten, in denen wir einfach Shooter-typisch Gänge entlang und über Schlachtfelder laufen, erwarten uns auch regelmäßig Geschicklichkeitsabschnitte, in denen wir Wandläufe, gewagte Sprünge und allerlei weitere akrobatische Meisterstücke ausführen müssen, die sich hinter jenen aus der Mirror's Edge-Reihe nicht verstecken müssen. Gut gefallen hat uns, dass die Pfade zwar in Wahrheit stets fest vorgeschrieben sind, aber oft das Gefühl erweckt wird, dass man bei der Wegfindung selbst ein Wort mitzureden hat; viele der Wege, die man beschreitet, wirken nicht so, als seien sie dafür gedacht, begangen zu werden und fühlen sich nicht so "gamey" an, wie man das aus anderen Spielen kennt. Die Entwickler nennen die Half-Life-Reihe als große Inspiration - zumindest in dieser Hinsicht zeigt sich dies, denn die Valve-Shooter, inklusive den Portal-Spielen, simulierten dieses Gefühl von Freiheit ebenfalls sehr gut.
Quelle: PC Games
Neben eher belanglosen Arealen erwarten uns kreative Abschnitte wie diese "hängende Stadt".
Titanfall 2: Springen, schießen, zeitreisen
Quelle: PC Games
Als Pilot kämpft man entweder defensiv oder bleibt, ähnlich wie in Doom, ständig in Bewegung.
Generell ist es schön, dass sich das Spiel nicht auf stupide Action beschränkt, sondern in fast jedem Level ein für dieses Gebiet spezifisches, meist unterhaltsames Spielelement einführt. So müssen wir einmal etwa mit einer Spezialpistole Schaltflächen aktivieren und Wände richtig ausrichten, an denen wir über bodenlose Abgründe rennen, erleben den gefährlichen, von allerlei todbringenden Maschinen geprägten Produktionsablauf in einer Fabrik mit, welche ganze Städte auf einmal anfertigt, oder kämpfen uns im letzten Level mit einem ganz besonderen Gadget durch die Gegnerhorden, was wir an dieser Stelle jedoch nicht spoilern wollen. Herausragend gut gelungen ist ein Level in der Mitte des Spiels, in dem wir ein spezielles Gerät erhalten, mit Hilfe dessen wir auf Knopfdruck zwischen zwei verschiedenen Zeitebenen wechseln können. Die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben, sind gewaltig - in Schießereien können wir kurzzeitig die Zeit wechseln und uns hinter einen Feind schleichen. In der einen ZeitEbene vorhandene, in der anderen fehlende Wände verlangen, dass wir während eines Wandlaufs ständig hin- und herwechseln und simple Umgebungsrätsel erfordern, dass wir das Geschehen in beiden Level-Varianten im Auge behalten. Das ist so toll gelungen und das eindeutige Highlight der Kampagne, dass wir uns ein ganzes Spiel wünschen würden, das sich ausschließlich um eine weiter ausgebaute Variante dieser Spielmechanik dreht!
Quelle: PC Games
Als Titan mähen wir normale Gegner mühelos nieder. Feindes-Titans leisten mehr Wiederstand.
Titanfall 2: Der Titan als Nebenrolle
Quelle: PC Games
Die Kämpfe gegen schön überzeichnete Bosse beschränken sich leider auf Titan-Gefechte.
Doch auch klassische Action steht natürlich auf dem Programm, wobei wir es jedoch nur selten mit solchen Gegnerhorden zu tun haben, wie man sie von der Genre-Konkurrenz kennt. Gerade auf offenen Schlachtfeldern fügt sich das Parcours-Gameplay hier gut ein. Zum Ende des Spiels wird es aber ein wenig zu viel der Action, und die recht cleveren Ideen der anderen Missionen werden zugunsten mauer Standard-Schießereien zur Seite geschoben. In den Action-Abschnitten haben wir übrigens meistens die Wahl, auch in die Metall-Haut unseres Titan zu schlüpfen, der uns fast über die gesamte Kampagne hinweg zur Seite steht. Aber auch hier ist's gegen Ende zu viel des Guten, und generell haben die Entwickler ihr kreatives Potenzial hauptsächlich dafür genutzt, die zu-Fuß-Ausflüge zu gestalten. Das zeigt sich stark an den Bosskämpfen, die wir grundsätzlich als Titan bestreiten und die an Belanglosigkeit nicht zu überbieten sind: Schild wegschießen, draufballern und fertig, sei es jetzt gegen einen Titan, der fliegen kann, oder einen, der mit der Unterstützung weiterer Standard-Titans gegen uns vorgeht. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sind einige der Bosse in einer knappen Minute niedergemacht, auf den beiden härteren bieten sie mehr Widerstand, kommen aber ähnlich uninspiriert daher.
Quelle: PC Games
Die Levels sind recht linear, allerdings gibt es einige Collectibles wie diese Helme zu finden.
Titanfall 2: Technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit
Auch, wenn das Titan-Gameplay nicht wirklich stört, bereichert es die Kampagne generell kaum. Technisch ist Titanfall 2 ebenfalls kein Meisterstück. Die künstlerische Gestaltung ist durchaus gelungen und manche Levels zeugen von kreativen Ideen, bezüglich Texturqualität, Effekte und mehr ist es aber Durchschnitt.Zuletzt kann man dem Einzelspieler-Modus vorwerfen, dass er nur wenige eigene Ideen hat, dafür im Prinzip Elemente aus anderen Spiel nimmt und sie neu zusammenfügt; nachdem er das aber sehr kompetent tut, wollen wir uns darüber eigentlich nicht beschweren. Außerdem hatten wir uns im Grunde nach dem Kampagnen-freien ersten Titanfall nicht viel von dieser hier erwartet und sind vom Ergebnis sehr positiv überrascht. Wer keinen Wert auf eine interessante Handlung legt und mit den genannten Mängeln leben kann, darf zugreifen - sogar dann, wenn er am Mehrspielermodus keinerlei Interesse haben sollte.
Titanfall 2: Der Mehrspielermodus
Quelle: PC Games
In vielen der Modi kämpft man einerseits gegen menschliche Gegner und andererseits gegen KI-Kämpfer.
Wenden wir uns nun dem Mehrspielermodus zu, und hier den verschiedenen Spielmodi: Derer gibt es zum Launch acht Stück (später werden mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere Spielvarianten per DLC nachgereicht: Bounty Hunt, Attrition, Pilots vs. Pilots Skirmish, Amped Hardpoint, Capture the Flag, Last Titan Standing und Free for All. Bounty Hunt ist der wohl außergewöhnlichste - und völlig neue - Modus des Spiels. Darin gilt es, durch das Besiegen einerseits von menschlichen Mitspielern, andererseits von starken KI-Titans Geld zu verdienen. Ab einem gewissen Zeitpunkt öffnen an mehreren Stellen auf der Map sogenannte "Banken", kleinen mechanische Stationen, an denen wir das Geld abgeben und das Team dadurch zum Sieg führen. Aber aufgepasst: Werden wir besiegt, verlieren wir die Hälfte unserer Kohle!
Titanfall 2: Attrition und Skirmish
Attrition ist eine Team Deathmatch-Variante, bei der zusätzlich KI-Kämpfer über das Schlachtfeld laufen und gegen uns kämpfen. Diese bringen, wie auch menschliche Widersacher, Punkte, wenn wir sie besiegen, aber deutlich weniger. Skirmish bietet genau dasselbe Gameplay, aber ohne die eben erwähnten KI-Kameraden.
Quelle: PC Games
Capture the Flag, einer der Mehrspieler-Klassiker schlechthin, macht auch in Titanfall 2 viel Spaß.
Titanfall 2: Amped Hardpoint
Amped Hardpoint stellt uns vor die Aufgabe, insgesamt drei Areale auf der Map einzunehmen bzw. zu halten, nachdem wir sie in Besitz genommen haben. Bleiben wir länger in dem Areal, als unbedingt benötigt, "ampen" wir diese Basis und erhalten deutlich mehr Punkte.
Titanfall 2: Capture the Flag
Capture the Flag dürfte ziemlich selbsterklärend sein: Wir stehlen die feindliche Flagge aus der Basis der Widersacher und versuchen, sie zu unserer eigenen Basis zu bringen. Umgekehrt machen wir Jagd auf jene Gegner, die unsere eigene Flagge gestohlen haben. Das Team, welches zuerst die gegnerische Flagge fünf Mal erfolgreich nach Hause gebracht hat, ist der Sieger.
Titanfall 2: Last Titan Standing
Quelle: PC Games
Wird unser Titan zerstört, können wir den Schleudersitz betätigen und als Pilot weiterkämpfen.
Last Titan Standing ist die Last Man Standing-Variante von Titanfall 2. Ausschließlich in diesem Modus starten wir nicht als Pilot, sondern bereits in Titan-Form und versuchen, mit nur einem Leben ausgestattet, die feindlichen Titans zu besiegen. Wird unser Titan zerstört, aber wir können vorher fliehen, können wir auch versuchen, als Pilot zu überleben - was aber teuflisch schwer ist! Gewonnen hat, wer mehr Runden in Folge für sich entscheidet.
Titanfall 2: Pilots vs. Pilots und Free for All
Pilots vs. Pilots bietet, ähnlich wie Attrition und Skirmish, Team-Deathmatch-Gameplay. Allerdings müssen Titans hier draußen bleiben, wir sind auf unser Talent als Pilot beschränkt! Und Free for All schickt uns - übrigens als einziger der Spielmodi - ohne Teamkameraden in die Schlacht. Hier heißt es jeder gegen jeden, mit allen Mitteln! Zusätzlich lassen sich im Menü zudem diverse Modi-Packs sowie private Matches auswählen, wenn wir uns nicht vor jeder Runde selbst für einen Spielmodus entscheiden wollen.
Wie bereits erwähnt, sind die Titans - wenig überraschend - wieder mit an Bord. Sie erscheinen aber nicht mehr ausschließlich nach einer gewissen Zeit und lassen sich besteigen, sondern lassen sich auch dann rufen, wenn wir uns in den Matches besonders geschickt abstellen. Gute Spieler werden also definitiv belohnt! Das ist aber nicht die einzige Neuerung bei den riesigen Blechgesellen. So gibt es nun verschiedene neue Varianten der Giganten, und die Art und Weise, wie wir auf feindlichen Titans "Rodeoreiten" und diese dann zerstören können, wurde deutlich überarbeitet und verbessert.
Titanfall 2: Wandläufer
Was sich nicht geändert hat, ist das gelungene Parcours-Gameplay, wenn man als Pilot unterwegs ist. An Wänden entlang rennen, mit Doppelsprung über Objekte springen, am Boden entlangrutschen und mehr - das fühlt sich natürlich und sehr befriedigend an. Die verfügbaren, aber leider abseits von privaten Matches nicht einzeln anwählbaren Maps sind zudem sehr gut gestaltet und erlauben die Nutzung des Parcours-Systems in sehr kreativen Wegen.
Quelle: PC Games
Wall Runs sind im Mehrspielermodus Pflicht, um auf den Maps gut voranzukommen.
Überarbeitet wurden unsere Spezialfähigkeiten. Anstatt die nur einmal pro Runde nutzbaren Karten des ersten Teils wiederzuverwenden, haben sich die Entwickler diesmal für ein deutlich flexiberes Boost-System entschieden. Aus einer Vielzahl an Boosts, die wir durch Level-Ups freischalten, können wir wählen und müssen lediglich warten, bis sich die Boosts nach einer Weile wieder aufgefüllt haben. So stehen uns unter anderen ein Grappling Hook, eine Unsichtbarkeits-Fähigkeit und die Möglichkeit, Feinde am Radar abzubilden, zur Verfügung. Die etwas zu mächtige Smart Pistol aus dem ersten Titanfall steht nun übrigens nicht mehr grundsätzlich, sondern ebenfalls nur noch als Boost zur Verfügung - eine weise Entscheidung! Zusätzlich gibt es natürlich unzählige mächtige Wummen du auch kreative Granatenvarianten, die wir nach und nach freischalten, und auch unsere Titans bekommen bei Level-ups immer neue Spielzeuge in die Hand gedrückt. Die Erfahrungslevel-Höchstgrenze scheint übrigens, wie im ersten Teil, bei 50 zu liegen (noch haben wir sie nicht erreicht) - die Aufstiege gehen für unseren Geschmack aber etwas zu schnell vonstatten.
Titanfall 2: Schießen wie ein junger Pilot
Ebenfalls befriedigend: Das sehr gute Gunplay. Man hat stets das Gefühl, die volle Kontrolle über seine Schießeisen zu haben, ganz egal, ob man mit Maus und Tastatur oder einem Gamepad loslegt. Wer es im ersten Teil etwas umständlich fand, Spieler für die bevorzugten Spielmodi zu finden, kann sich übrigens freuen: Das neue Network-Feature erlaubt es uns, uns mit anderen Spielern mit ähnlichen Interessen zusammenzuschließen - eine Art "Clan lite" sozusagen. Wie genau sich das Feature schlägt, werden Langzeittests zeigen, es wirkt aber sehr durchdacht.
Wie bereits erwähnt, gibt es in den kommenden Tagen die volle Ladung Titanfall, samt Tests, Tipps, Let's Plays und mehr - alles natürlich auf pcgames.de!
