Lost Planet: Extreme Condition
Besser spät als nie: Mit einjähriger Verspätung will Capcom nun auf der PS3 die Killer-Käfer ausräuchern.
Lost Planet: Extreme Condition, Hersteller: Capcom, Entwickler: Capcom, Termin: bereits erhältlich
Niemand mag Spinnen. Zumindest in der Welt des "verlorenen Planeten" E.D.N. III sind die Spinnentiere äußerst ungern gesehene Gäste. Sie wollen nämlich diesen letzten bewohnbaren Planeten von allen Menschlein säubern, für sie sind Menschen wie eine Landplage. Und so kommt es auf dem titelgebenden Lost Planet zum alles entscheidenden Kampf Mann gegen Krabbelkäfer. Egal, wie‘s ausgeht, Sie sind mittendrin!
LA CUCARACHA
Zugegeben, die Story des Spiels ist - salopp gesagt - Banane. Bereits vor gut einem Jahr mussten Xbox-360-Besitzer ihren Vater rächen und die Menschheit befreien und schon damals lag der Fokus glücklicherweise auf der Nonstop-Action. Tatsächlich gibt es in Lost Planet kaum ruhige Momente: Als Held Wayne stampfen Sie durch meterdicken Schnee und machen einen Akriden (so heißen die Killer-Käfer) nach dem anderen quasi im Sekundentakt platt. Statt Insektenspray hat der Kammerjäger von morgen effektivere Schädlingsbekämpfungsmittel zur Hand: Mit Schrotflinte, Mini-Gun und Raketenwerfer zerquetschen Sie Scharen von Bugs, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
Die Vielfalt der Biester ist dabei äußerst beeindruckend: Während die aus Starship Troopers inspirierten Bugs als Kanonenfutter leichtfertig ihr Leben lassen, sind ihre Artverwandten von einem ganz anderen Kaliber. Alle paar Meter schießen größere Käfer aus dem Eis hervor und wollen Ihnen ans Leder. Dabei teilen Riesenwurm und Killerskorpion dasselbe Schicksal: Sie alle tragen unübersehbare, rot leuchtende Schwachpunkte an Ihren Chitinpanzern. Da hätten die Entwickler auch genauso gut einen Sticker mit der Aufschrift "Bitte hier treffen!" an den Körpern der Giganten anbringen können. Wirklich taktisch geht's in den zwölf Missionen nie zu. Dafür tragen die Biester auch zu wenig Gehirnmasse in sich.
Für Sie ist das Töten der Insekten übrigens nützlich. Denn der grüne Restschleim der Kadaver hat einen wohltuenden Effekt: Er dient als lebensrettende Thermalenergie, die Sie vor dem Erfrieren schützt. Sinkt Ihre Wärmeanzeige nämlich gen null, zapft die Eiseskälte unerbittlich Ihre Lebensenergie an.
BESCHRÄNKTER HELD
Lost Planet: Extreme Condition, Hersteller: Capcom, Entwickler: Capcom, Termin: bereits erhältlich
Für einen Videospielhelden kann Ihr Alter Ego erstaunlich wenig: Ballern und springen, das sind die häufigsten Mittel im Kampf. Besonders ärgerlich: Im Vergleich zu den flinken Akriden laufen Sie selbst nur träge. Dabei spielt es keine Rolle, welche Waffe Sie angelegt haben, Sie kriechen stets im Schneckentempo durch den Schnee. Zumindest eine simple Ausweichfunktion hätte hier Wunder gewirkt.
Gegen die zahlreichen Zwischen- und Endbosse haben Ihnen die Entwickler oft einen hilfreichen Virtual Suit aufs Eis gelegt. Mit diesen haushohen Blecheimern sind Sie zwar nicht flinker unterwegs (im Gegenteil), dafür aber um einiges besser geschützt. Leider setzen die Mechs nach nur wenigen Treffern recht schnell Rost an, sodass Sie gezwungen sind, den Notausstieg zu betätigen. Sonst dient Ihnen der Titan nur noch als eiserner Sarg.
FASZINATION DURCH PRÄSENTATION
Lost Planet: Extreme Condition, Hersteller: Capcom, Entwickler: Capcom, Termin: bereits erhältlich
Lost Planet war schon auf der Xbox 360 kein spielerisches Schwergewicht. Auf der PS3 hat sich an diesem Umstand nichts geändert. Die Gegner-Taktik bleibt stets identisch, das Leveldesign linear und die Möglichkeiten des Helden beschränkt. Was also machte die Faszination von Capcoms Endzeit-Shooter aus, dass man ihn seinerzeit mit 80er-Wertungen überhäufte? In einem Wort: die Bombast-Präsentation. Dieser Aspekt ist auch auf der PS3 vorhanden, verliert jedoch ein wenig von seinem Glanz vergangener Tage. Denn Capcom hat das Spiel zwar mit Extra-Inhalten gefüllt (siehe Extra-Kasten), aber grafisch nicht verbessert. Im Gegenteil: Die ehemals voluminösen und auch heute noch sehr beeindruckenden Explosionen verpuffen auf der PS3 zu harmlosen Bitmap-Rauchwolken und die Texturen wirken deutlich verwaschener. Auch die Bildwiederholungsrate knickt auf der PS3 bei besonders heftigen Bosskämpfen gelegentlich ein. Der technische Aspekt fällt speziell deshalb so schwer ins Gewicht, weil Lost Planet sonst auch nur spielerisch seichte Shooter-Kost zu bieten hat. Aber anders gesehen: Können wir für den löblichen Verkaufspreis von nur 35 Euro mehr als nur einen Port erwarten?