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Unser Hot Take der Woche: GTA 6 wird die größte Enttäuschung des Jahres - und Rockstar kann nichts dafür

GTA 6 könnte das beste Spiel des Jahres werden und trotzdem Millionen Fans enttäuschen. Denn Rockstar kämpft gegen ein unmögliches Wunschspiel.
Philipp Sattler
Quelle: Rockstar Games

Es wird das Gaming-Ereignis des Jahres: Wenn am 19. November 2026 nach über einer Dekade Wartezeit endlich GTA 6 erscheint. Schon jetzt wirft das Event seine Schatten voraus - diverse Entwickler verschieben ihre Releases, damit man nicht mit Rockstar konkurrieren muss.

Auf der anderen Seite sorgt das aber natürlich auch dafür, dass wir im November gar nichts anderes zu tun haben und den ganzen Tag (also neben der Arbeit und vielleicht etwas Schlaf) GTA 6 (jetzt kaufen 78,99 € ) zocken können. Viele von uns werden genau das tun. Und viele von uns werden nach einigen Stunden, Tagen oder Wochen sehr enttäuscht zurückblicken.

Enttäuscht von GTA 6 - geht das überhaupt? Ja, das geht. Ihr werdet es sehen. Und ich rede jetzt hier nicht davon, dass eine Handvoll Spieler ihre PlayStation ausschalten und sagen "Huch, war gar nicht mal so gut", sondern dass es unzählige Spieler geben wird, die wütend den Controller in die Ecke pfeffern und sich anschließend lautstark beschweren, dass Rockstar es komplett in den Sand gesetzt hat. GTA 6 wird so viele Spieler enttäuschen, wie noch kein anderes Spiel zuvor - da bin ich mir sicher. Und viele von ihnen werden nicht bloß ein wenig ernüchtert, sondern massiv enttäuscht sein. Das hat mehrere Gründe.

PC Games - Hot Take der Woche

In unserem Hot Take der Woche präsentieren wir euch jeden Mittwoch eine starke Meinung aus der Redaktion, die ein bisschen aus der Reihe tanzt. Denn auch bei uns gibt es Ansichten, bei denen nicht alle sofort zustimmend nicken - weder in der Redaktion noch in unserer Community.

Manchmal findet jemand ein gefeiertes Thema überschätzt. Manchmal nervt ein Fan-Liebling mehr, als er begeistert. Und manchmal ist genau das spannend: wenn eine Meinung nicht einfach dem folgt, was gerade alle sagen.

Unser Hot Take der Woche ist deshalb kein Versuch, euch etwas einzureden. Es ist ein Blickwinkel oder eine Meinung aus der Redaktion, der bewusst nicht dem Konsens folgt - und vielleicht gerade deshalb besonders spannend ist.

GTA 6 - das unmögliche Spiel

GTA 6 wird ein gutes Spiel. GTA 6 wird wahrscheinlich sogar ein sehr gutes Spiel. Ach, was soll's: GTA 6 wird ziemlich sicher ein großartiges Spiel. Dafür sprechen Rockstars bisherige Spiele, die enorme Entwicklungszeit und ein Budget irgendwo im Bereich von ein oder zwei Fantastillionen Dollar. Der Umfang dürfte gewaltig ausfallen und vermutlich werden wir Freiheiten genießen, wie sie nur wenige andere Spiele bieten.

Der Release wird zudem ein gesellschaftliches Happening. In den ersten Tagen wird gefühlt jeder, dessen Mutter und deren Hund GTA 6 spielen. Gaming-Medien, Mainstream-Medien und vor allem die sozialen Netzwerke werden bis zum Anschlag mit Bildern, Clips und Geschichten aus Leonida vollgepflastert sein. Denn natürlich bin ich nicht der Einzige, der ein großartiges Spiel erwartet.

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Diese Erwartungshaltung wird Rockstar im November zum Verhängnis. Denn GTA 6 kann sie nicht erfüllen. Nicht, weil das Spiel nicht gut werden wird. Aber es wird eben nicht so gut werden, wie es sich viele Spieler erhoffen.

Das liegt nicht nur an Rockstar, sondern vor allem an uns Spielern. Denn das reale GTA 6 muss gegen ein Spiel antreten, das seit Jahren ausschließlich in unseren Köpfen existiert - und dort keinerlei technische Grenzen, Kompromisse oder schwache Momente kennt.

Jeder erwartet ein anderes GTA 6

Mittlerweile warten wir bereits so lange auf GTA 6, dass wir alle viel Zeit hatten, uns genau auszumalen, was uns erwarten wird. Dann folgte mit der ersten Ankündigung schon mal der erste Schocker - Vice City. Die ersten Wunschvorstellungen zersprangen. Doch so wirklich viel mehr wissen wir auch wenige Monate vor dem Release immer noch nicht. Hier gibt es massives Potenzial zur Enttäuschung. Selbst, wenn wir GTA 5 als Grundlage nehmen und in Gedanken all die Features weiterentwickeln.

Denn jeder legt den Fokus auf etwas anderes - auf einen anderen Bereich. Für jeden muss GTA 6 etwas anderes liefern. Manche Spieler wünschen sich eine epische und gut inszenierte Story. Andere wiederum wollen so viel Freiheiten und so viel Sandbox wie möglich - zwei Dinge, die sich zwar nicht komplett widersprechen, die aber auch kaum unter einen Hut zu bringen sind.

Oder auch ganz banale Dinge wie die Spielzeit. Nach 50 Stunden mit der Story durch? Für manchen enttäuschend kurz, für viele Familienväter aber schon so lange, dass sie am Ende nicht mehr wissen, wie die Story mal angefangen hat.

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Die einen wollen ein möglichst straff erzähltes Abenteuer, die anderen eine Welt, in der sie sich monatelang verlieren können. Manche erwarten vor allem einen gewaltigen Einzelspieler-Modus, andere denken bereits an die nächsten zehn Jahre GTA Online. Was für die eine Gruppe ein Fortschritt ist, kann für die nächste bereits der erste große Rückschritt sein.

Rockstar musste sich also vorher überlegen, in welche Richtung es gehen soll. Das beinahe größenwahnsinnige Budget hilft natürlich dabei, wenig Abstriche machen zu müssen. Wir werden also ziemlich sicher alle relevanten Features aus GTA 5 wiedersehen und noch einen ganzen Haufen obendrauf bekommen - allein das Social-Media-System öffnet einen Haufen neuer Möglichkeiten. Doch auch hier lauert Gefahr.

Jedes einzelne GTA-Feature muss perfekt sein

Jedes zusätzliche Feature kann eines mehr sein, das tadellos funktioniert und die Spieler begeistert. Gleichzeitig kann es aber auch eins sein, das nicht funktioniert und die Spieler enttäuscht. Und sind wir mal ehrlich: Wenn nach 40 perfekten Features ein 41. hinzukommt, kräht kein Hahn danach. Wenn aber Nummer 41 nicht perfekt ist, dann wird laut geschrien.

Wir Spieler haben hohe Ansprüche und neigen dazu in Extremen zu denken. Der InGame-Shop ist zu teuer -> schlechtes Spiel. Die Hauptfigur ist eine Frau -> schlechtes Spiel. Die Story ist zu kurz -> schlechtes Spiel. Der Bruder des Gärtners vom Entwickler ist doof -> schlechtes Spiel. Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Ein einziges Feature entspricht nicht den eigenen Vorstellungen → schlechtes Spiel.

Wenn also nur ein einziges Feature in GTA 6 nicht den Erwartungen entspricht, wird diese Schwäche für manche Spieler schnell zum Urteil über das gesamte Spiel. Aus einer konkreten Enttäuschung wird dann: "GTA 6 ist eine Enttäuschung." Das ist nicht besonders fair - aber Teilkritik und Gesamturteil werden im Internet längst nicht immer sauber voneinander getrennt.

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Und besonders schlimm: Man wird die Features nicht mit denen aus GTA 5 vergleichen, sondern mit dem Goldstandard aus anderen Spielen. Gewöhnt euch schon mal an Aussagen wie "Das Gunplay in [AAA-Shooter] ist aber besser." / "Das Fahrgefühl ist nicht so gut wie in [AAA-Rennspiel]" und "Warum hat man weniger Freiheit als in [AAA-Rollenspiel].

Hinzu kommen Vergleiche mit Red Dead Redemption 2, früheren GTA-Teilen, Trailern, Leaks und Features, die Rockstar niemals offiziell angekündigt hat. GTA 6 muss alles können - und alles perfekt können.

Aber Features wegzulassen, ist auch keine Option für Rockstar. Alles, was bei GTA 5 noch gefeiert wurde, ist heute in unserer Vorstellung das absolute Mindestmaß dessen, was geliefert werden muss. Andernfalls ... ihr wisst schon, werden die Spieler meckern.

Sensibles Thema - der GTA-Humor

Auf all das kommt dann noch das wahrscheinlich größte Problem für Rockstar: Welchen Ton soll GTA 6 anschlagen? Wir hatten in der Vergangenheit eher ernstere Teile und solche, die satirisch komplett übertrieben. Die meisten Spieler erwarten wohl etwas in der Mitte - eher Richtung Übertreibung, nachdem man die Trailer gesehen hat.

Doch Humor ist eine gefährliche Sache. 2013, als GTA 5 rauskam, durfte Humor noch (fast) alles. Es gab kaum eine Minderheit oder Gruppierung, über die sich GTA 5 nicht lustig gemacht hat. Dabei wurde kaum ein Klischee ausgelassen - ganz im Gegenteil sogar: Sie wurden aktiv bedient, wo es nur ging.

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Heute werden solche Inhalte schneller aus ihrem Zusammenhang gelöst, millionenfach verbreitet und innerhalb kürzester Zeit zum Gegenstand gesellschaftlicher Debatten - und Rockstar wird dem Rechnung tragen (müssen).

Doch auch hier liegt Ärger versteckt. Zeigt sich Rockstar vorsichtig, wird ihnen schnell vorgeworfen, sie wären zu zahm geworden. Bleiben sie hingegen so aggressiv, werden Shitstorms von verschiedenen Seiten nicht lange auf sich warten lassen.

Rockstar muss also einen Ton treffen, der gleichzeitig zeitgemäß, respektlos genug, aber für alle akzeptabel ist. Ja, klar, und in welcher Farbe wollt ihr euer geflügeltes Einhorn?

Technische Hindernisse bei GTA 6?

Wir erwarten von Rockstar nicht nur das inhaltlich beste Spiel aller Zeiten, es soll auch noch das technisch beste Spiel werden. Eine riesige offene Welt, die so lebendig wie nie ist. Tausende NPCs mit ihrem Tagesablauf, variabel reagierende Umgebungen und eine Immersion, als stände man im echten Miami. Dazu stabile Bildraten, hohe Auflösung, keine Ladezeiten und natürlich keine Bugs.

Doch auch Rockstar kann die technischen Grenzen der aktuellen Konsolen nicht wegprogrammieren. Eine dichtere Spielwelt, mehr NPCs, komplexere Simulationen, bessere Grafik, eine hohe Auflösung und eine stabile Bildrate beanspruchen dieselben begrenzten Ressourcen. Je mehr das Spiel in einem Bereich leistet, desto wahrscheinlicher werden Kompromisse an anderer Stelle.

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Vielleicht läuft GTA 6 nicht dauerhaft mit der Bildrate, die sich einige Spieler wünschen. Vielleicht ist nicht jedes Gebäude betretbar. Vielleicht verschwinden NPCs, wenn wir uns weit genug entfernen, und vielleicht ist auch Leonida am Ende keine vollkommen lückenlos simulierte Parallelwelt.

Das wären keine Beweise für mangelnde Fähigkeiten bei Rockstar, sondern unvermeidbare Designentscheidungen. Wahrgenommen werden sie von einem Teil der Spieler trotzdem als Versagen - schließlich sollte GTA 6 doch angeblich alles können.

Warum die Enttäuschungen diesmal anders werden

Wer bis hierhin gelesen hat (ihr habt echt ein bewundernswertes Durchhaltevermögen), der wird sich vielleicht hier und da gedacht haben: "Das ist jetzt an sich nichts Neues. Das gab es auch bei GTA 5 alles schon".

Und das ist vollkommen richtig. Schon bei GTA 5 war die Erwartungshaltung gigantisch. Allerdings traten eben auch genau die gleichen Probleme auf. Millionen Spieler tummelten sich in Los Santos und gewaltig viele wurden enttäuscht. Der Unterschied: Wir haben es weniger mitbekommen.

Damals war das Internet noch ein anderes. Große Webseiten und Printmagazine (wie beispielsweise die verflucht sexy PC Games) lieferten die großen Tests und Meinungen. Influencer gab es praktisch noch nicht, Twitch war nur für die Hardcore-Nerds relevant, Instagram konnte nur Bilder und TikTok sowie Discord existierten nicht mal in Ideen.

Wenn damals jemand von irgendwas enttäuscht war, hat er das Spiel ausgeschaltet, sich geärgert und was anderes gespielt. Niemand hat je davon was mitbekommen. Heute werden hingegen Soziale Netzwerke geflutet mit Nachrichten. Vor allem natürlich - und das wissen wir alle (auch die Influencer) - verkaufen sich Enttäuschungen und Dinge, die blöd sind, besser, als wenn alles perfekt ist.

Ein einzelner Bug, eine schwache Animation oder ein misslungener Dialog kann innerhalb weniger Stunden millionenfach geteilt werden. Aus einer kleinen Schwäche entsteht ein Meme, aus einem Meme eine vermeintliche Krise und aus einer vermeintlichen Krise die Erzählung, Rockstar habe GTA 6 ruiniert. Social Media erschafft diese Enttäuschungen nicht - aber es verstärkt, beschleunigt und vervielfacht sie.

Rockstar gewinnt - und kann doch nicht gewinnen

Den Kampf gegen viele enttäuschte Spieler kann Rockstar nicht gewinnen. Und das ist auch gar nicht nötig, da sie an der Stelle schon gewonnen haben. Denn, wenn sie ihren Job halbwegs ordentlich gemacht haben, kommt auf jeden enttäuschten Spieler eine ganze Gruppe an zufriedenen Spielern.

Klar, wir werden vermutlich Hunderttausende oder sogar Millionen enttäuschte Spieler erleben. Das liegt teilweise schlicht daran, dass GTA 6 von Millionen und Abermillionen Menschen gespielt werden wird. Je größer die Spielerschaft, desto größer ist zwangsläufig auch die absolute Zahl derjenigen, denen etwas nicht gefällt.

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Doch Mathematik allein erklärt meinen Hot Take nicht. Entscheidend ist, wie weit die Vorstellungen vieler Spieler inzwischen vom realen Spiel entfernt sein dürften. Sie erwarten nicht bloß ein sehr gutes GTA. Sie erwarten ihr persönliches, über Jahre perfektioniertes Wunsch-GTA - und werden dessen Fehlen entsprechend heftig kritisieren.

Die breite Masse kann GTA 6 lieben, während gleichzeitig eine gewaltige und extrem laute Gruppe davon überzeugt ist, eines der enttäuschendsten Spiele ihres Lebens gespielt zu haben.

Unser Fazit - Rockstars größter Gegner existiert nur in unseren Köpfen

Wenn wir in ein paar Jahren fragen, welches Spiel die größte Enttäuschung des Jahres 2026 war, wird GTA 6 vermutlich sehr weit oben auf der Liste stehen. Nicht, weil es zwangsläufig schlecht sein wird und auch nicht nur, weil es jeder gespielt hat. Sondern weil kein reales Spiel mit all den unterschiedlichen Versionen von GTA 6 konkurrieren kann, die seit Jahren in den Köpfen der Fans entstehen.

Diese Enttäuschung wird in vielen Fällen aus der gewaltigen Lücke zwischen Erwartung und Wirklichkeit entstehen. Rockstar kann diese Lücke niemals vollständig schließen. Jede Entscheidung für eine bestimmte Geschichte, einen bestimmten Humor, ein bestimmtes Feature oder einen technischen Kompromiss ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen eine andere Vorstellung.

GTA 6 kann deshalb eines der besten Spiele des Jahres werden und trotzdem sehr viele Menschen sehr stark enttäuschen. Rockstar muss sich dabei nicht gegen Ubisoft, Nintendo oder irgendeinen anderen Konkurrenten durchsetzen. Der größte Gegner des Studios ist das perfekte GTA 6, das seit Jahren in unseren Köpfen existiert - und gegen dieses Spiel kann selbst Rockstar nicht gewinnen.

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