Wer Forza liebt und Gran Turismo vergöttert, wird sich fragen, wieso ausgerechnet Daytona USA ein Fest für Rennspieler sein soll. Mit dieser Frage entlarvt man sich als jemand, der die Arcade-Version von Daytona USA wohl nicht ausführlich gespielt hat. Für alle Kenner die gute Nachricht vorweg: Die PS3- und Xbox 360-Umsetzung spielt sich wie die Arcade-Version!
Das Aufwärmen oller Kamellen ist in der Spielebranche schon eine Weile hochmodern. Was vor Jahren gut war, bekommt einen neuen Anstrich, ein paar halbgare Neuerungen und wird als HD-Version unters Volk gebracht. Kommen wir also zu Daytona USA, das es nun also ins PSN und in den Xbox Live Marktplatz geschafft hat. Für rund 8 Euro oder 800 MS-Punkte gibt es die Spielmodi des Arcade-Klassikers, ein paar neue Varianten und ein paar Achivements bzw. Trophies. Die sind nach zwei bis drei Stunden übrigens erspielt – schnelles Punktefutter, aber nicht mal ansatzweise eine Herausforderung. Somit auch keine Motivation. An einem Abend kennt man alle Strecken und Spielmodi, auch die neuen. Der Survival-Modus ist nett, hier rast ihr gegen die Uhr und sammelt durch Überholmanöver zusätzliche Zeit. Im Zeitfahren könnt ihr Bestzeiten aufstellen und sie online veröffentlichen. Im Karaokemodus dauert ein Rennen so lange wie ein Lied und der Text (naa naa naa…) wird eingeblendet. Das ist nett, aber kein Kaufgrund. Außerdem gibt es aktuell Forza 4 und Gran Turismo 5, bald kommt das neue Need for Speed. Warum also sollte sich jemand Daytona USA kaufen?
Wer Daytona USA noch aus der Spielhalle kennt, kann die Frage nach dem Kaufargument problemlos beantworten. Es ist das Gameplay. Daytona USA ist eines der besten Beispiele für die hohe Schule der "Leicht zu lernen, schwierig zu meistern"-Spiele. Es mag nostalgisch klingen, aber früher hatten die Entwickler oft nicht viel mehr Möglichkeiten als das Gameplay, um Spieler für sich zu gewinnen. Klar war es toll in der Spielhalle, im Rennsitz Platz zu nehmen und mit dem Lenkrad zu steuern – das fühlte sich einfach echt an. Doch die Faszination erschloss sich nicht mit der ersten oder zweiten Mark, die man investierte. Erst nach vielen Rennen merkte man, wie sehr das Spiel die eigene Fahrweise und das eigene Können belohnt.
Somit ist die Frage nach der Motivation beantwortet. Im Solo-Modus von Daytona USA für Xbox 360 und Playstation 3 könnt ihr üben. Wenn ihr euch halbwegs fit fühlt, kommt das eigentliche Herzstück dran – der Multiplayer-Modus, online mit bis zu acht Fahrern. Läuft reibungslos und kann süchtig machen. Weil das Spiel im Prinzip so schön simpel ist, gibt es auch direktes Feedback an euch zurück. So lernt ihr mit jedem Rennen dazu und könnt eure Fahrweise verbessern. Unwichtige Details wie Grafik oder Sound blendet ihr da automatisch aus. Daytona USA spielt sich zwar mit Gamepads sehr gut, aber mit einem guten Lenkrad holt ihr noch mal deutlich mehr heraus, und es geht ja um jede Hundertstelsekunde. Daher solltet ihr auch bereit sein, erst gar nicht automatischem Getriebe zu fahren, denn mit manueller Schaltung erreicht ihr Bestzeiten, die im Online-Ranking respektabel sind. Für Rennspieler, die auch ohne Edelgrafik und Lizenzautos leben können, ist Daytona USA eine klare Empfehlung mit hohem Suchtpotenzial.
