Resident Evil: Operation Raccoon City im Test für PS3 und Xbox 360 - Solide Atmosphäre, gutes Missionsdesign, aber selten dämliche KI

Test Sascha Lohmüller

In unserem Test zu Resident Evil: Operation Raccoon City versuchen wir den T-Virus zu bekämpfen - und den Zwischenfall zu vertuschen. Resident Evil: Operation Raccoon City bietet eine solide Atmosphäre, ein gutes Missionsdesign und ein motivierendes Level- und Upgradesystem. Die KI ist allerdings selten dämlich.

Resident Evil: Operation Raccoon City im Test (Singleplayer-Modus) - Eigentlich ist die grundlegende Prämisse von Operation Raccoon City ja eine durchaus interessante. Wie wäre es, einmal in die Rolle der Bösen zu schlüpfen, einmal den ganzen Valentines und Redfields in den Allerwertesten zu treten und die Interessen der Umbrella Corporation zu schützen? Und so schlüpft ihr im neuesten Ableger der Resident Evil-Reihe in die Haut eines Mitglieds des Umbrella Security Service (U. S. S.). Als Teil des sogenannten Wolf Packs erlebt ihr die Ereignisse der dritten Resident Evil-Folge Nemesis und seines indizierten Vorgängers aus einer völlig neuen Perspektive. Dazu entscheidet ihr euch für einen von sechs Charakteren mit unterschiedlichen Spezialfähigkeiten und zieht mit drei weiteren Team-Mitgliedern los. Euer Ziel: die Machenschaften der Umbrella Corporation zu vertuschen und jegliche Beweise zu vernichten, mit denen man den Ausbruch des T-Virus in Raccoon City der Firma zur Last legen könnte.

Sowohl der Fokus auf den Team-Aspekt als auch die Tatsache, dass die SOCOM-Macher von Slant Six Games für Operation Raccoon City verantwortlich zeichnen, schreien geradezu nach einem Koop-Modus. Und so ist es wenig verwunderlich, dass die Entwickler selbst die zahlreichen Mehrspieler-Varianten als Kernstück des Spieles sehen. Online hetzt ihr miteinander durch die einzelnen Missionen oder gebt euch in mehreren Versus-Modi Saures. Dabei spielt ihr übrigens auch die Guten, sprich die U.S. Spec Ops. Bei einem Anspieltermin mit Capcom konnten wir uns schon davon überzeugen, dass dies im Grunde auch gut funktioniert. Allerdings warten wir mit einem finalen Testurteil so lange, bis wir Operation Raccoon City unter Live-Bedingungen auf den offiziellen Servern begutachten können.

Die Resident Evil-Atmosphäre wird gut eingefallen, ständig trefft ihr auf Licker und dergleichen. Quelle: Videogameszone.de Die Resident Evil-Atmosphäre wird gut eingefallen, ständig trefft ihr auf Licker und dergleichen. Insofern dreht sich in diesem Test erst einmal alles um den Solo-Aspekt des Spiels. Und genau darin liegt die Krux des Ganzen. Denn obwohl das Gameplay grundsolide ist, wird der Spielspaß viel zu oft durch dummes Verhalten der KI oder gleich komplette Aussetzer derselben ausgebremst. Da bleiben eure Kameraden schon mal stehen und bewegen sich nicht mehr. Oder sie feuern zehn Minuten lang gegen eine Wand, obwohl kein Gegner mehr in der Nähe ist. Sie stellen sich immer und immer wieder in brennende Lachen und müssen von euch wiederbelebt werden, nur um sich gleich wieder in die Flammen zu stürzen. Ebenfalls beliebt: vor einer Kiste Deckung zu suchen statt dahinter. In beinahe jeder Mission hatten wir mit derartigen Problemen zu kämpfen, sodass der durchaus aufkommende Spaß direkt wieder im Keim erstickt wird. Da ihr den Herrschaften nicht einmal primitive Befehle mit auf den Weg geben könnt, bleibt euch nur die Rolle des entsetzten und/ oder verärgerten Zuschauers. Auch die Gegner bleiben nicht von derartigen geistigen Ausfällen verschont, machen das Ganze aber immerhin durch ihre schiere Masse wieder einigermaßen gut.

Alle Mann in Deckung!

Von den KI-Problemen abgesehen, gibt sich das Spiel aber redlich Mühe. Jeder Charakter spielt sich erfrischend anders, hat unterschiedliche Spezialfähigkeiten, die ihr für verdiente Erfahrungspunkte zwischen den Missionen freischaltet. Für Waffen gilt dasselbe. Zudem sind die Entwickler wirklich gut darin, Resident Evil-Atmosphäre aufkommen zu lassen. Ständig tauchen Charaktere, Gegner oder Orte auf, die an einen der Hauptserienteile erinnern. Die gute Sprachausgabe und der passende Soundtrack tun ihr Übriges. Und auch das Shooter-Gameplay funktioniert. Die Steuerung geht gut von der Hand, das Waffenfeedback ist okay und die Aufträge sind gut designt und mit dynamischen Missionszielen versehen. Ihr könnt euch und eure Kameraden heilen, könnt vom T-Virus infiziert und wieder kuriert werden und verfügt natürlich auch je nach Charakter über witzige Gadgets. Mit denen lassen sich dann Zombies beispielsweise kontrollieren oder gegeneinander aufhetzen - witzig aufgemacht und solide umgesetzt.

Feinde tauchen oft aus dunklen Ecken auf. Resitypische Schockmomente gibt es aber nicht. Quelle: Videogameszone.de Feinde tauchen oft aus dunklen Ecken auf. Resitypische Schockmomente gibt es aber nicht. Lediglich das Cover-System wirkt etwas unrund. Denn statt sich auf Knopfdruck zu verschanzen, geht ihr automatisch in Deckung, sobald ihr gegen eine Kiste, eine Wand oder dergleichen lauft. Das funktioniert dann gut, wenn ihr taktisch überlegt vorgehen könnt. Wird es hingegen hektisch, bleibt ihr mitunter ständig an irgendeinem Hindernis hängen. Sehr praktisch hingegen: Seid ihr einmal verschanzt, könnt ihr aus der Deckung heraus feuern, und das auch noch äußerst präzise. Ansonsten fallen eigentlich nur kleinere Design-Schnitzer negativ auf. Beispielsweise findet ihr an jeder Ecke neue Waffen, etwa Schrotflinten, Scharfschützengewehre, MGs oder Granatwerfer. Diese lassen sich an Munitionskisten wieder aufladen - mit Ausnahme des Granatwerfers. Das ist nicht weiter schlimm, wenn man es weiß. Kriegt man ihn allerdings ohne einen Hinweis in die Hand gedrückt und muss dann einen halben Level lang mit einer leergeschossenen Hauptwaffe auskommen, ist das äußerst frustrierend. Notiz am Rande: Die deutsche Version von Operation Raccoon City ist um einige Splattereffekte gekürzt. Zudem ist es nicht mehr möglich, den Zombies Gliedmaßen abzuschießen.

All das sind jedoch kleinere Problemchen und Einschränkungen, an die man sich gewöhnen kann, so man denn will - wären da nicht die angesprochenen KI-Probleme. Wer also mit dem Kauf von Operation Raccoon City liebäugelt und die Einzelspieler-Kampagne für wichtig erachtet, sollte über gute Nerven und viel Geduld verfügen. Wer den Solo-Part eh ignoriert und sich das Spiel für den Online-Modus zulegt, kann hingegen in Gedanken wahrscheinlich schon einmal ein paar Punkte auf unsere Einzelspieler-Wertung draufrechnen. Sobald wir den Mehrspieler-Modus testen konnten, reichen wir diesen selbstverständlich nach.

Bildergalerie

Wertung zu Resident Evil: Operation Raccoon City (X360)

Wertung:

68 /10
Pro & Contra
Tolle Resident Evil-AtmosphäreSolides, fl exibles MissionsdesignMotivierendes Level- und Upgradesystem
Kleinere Design-SchnitzerDeckungsystem mit SchwächenSelten dämliche KI
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