Dark Souls weckt den Core-Gamer in uns - Sind Videospieler heutzutage zu weich?

Special David Martin

Freunde, wir, Maik und David, wurden verweichlicht. Blinkende Pfeile weisen uns den Weg, unzählige Medi-Packs verhindern gnadenlos den Bildschirmtod und Bossgegner verdienen das Boss im Namen nicht. Action-Blockbuster zocken wir an einem Abend durch, an Rollenspielen verlieren wir schnell die Lust. Jetzt, nachdem wir Dark Souls endlich beendet haben - und das uns so richtig gefordert, manchmal zur Verzweiflung gebracht hat. Sind wir alle zu weich?

Es ist doch kinderleicht. Hängen wir in einem Spiel fest, lassen wir uns per Knopfdruck eine Wegbeschreibung einblenden. Ist unser Held erschöpft, sammeln wir das an der nächsten Ecke platzierte Medi-Pack ein. Gelangen wir zu einem Bossgegner, schnappen wir uns einfach die bis dahin stärkste Waffe und triggern so lange die Angriffstaste, bis er zu Boden geht. Wir, Maik und David, Kinder der 8-Bit-Konsolen, wurden in den vergangenen Jahren verweichlicht. Kaum ein aktuelles Videospiel fordert uns heraus, treibt uns in den Wahnsinn, lässt uns den Controller gegen die Wand werfen. Actionspiele beenden wir an einem Abend, an Rollenspielen verlieren wir schnell die Lust. Zumindest jetzt, nachdem wir Dark Souls von From Software abgeschlossen haben.

An dieser Stelle: Glückwunsch an die Dark Souls-Entwickler! Sie haben ihr selbstgestecktes Ziel mit Bravour gemeistert: Dark Souls ist noch schwieriger als der indirekte Vorgänger Demon's Souls. Es ist gar unberechenbarer und gnadenloser als Demon's Souls und so ziemlich alles, was wir in unserer langen Zockerkarriere je gespielt haben. Trotz regelmäßiger Wutausbrüche und hasserfüllter Verbalentgleisungen kamen wir allerdings nicht von Dark Souls weg. Die größte Stärke von Dark Souls: das wohltuende Glücksgefühl, das wir erhalten, wenn wir nach unzähligen Fehlversuchen endlich einen Gegner vom Bildschirm befördert haben. Außerdem hat es From Software geschafft, ein minimalistisches Spiel zu schaffen, was so einige von Items völlig überfüllte Rollenspiele komplett in den Schatten stellt. Dazu trägt auch die riesige Spielwelt in Dark Souls bei, die mit regelmäßig neuen Abkürzungen ebenfalls für Aha-Effekte und Glücksgefühle sorgt.

Wir haben aus möglichen Fehlern gelernt, wenden für das nächste Mal eine andere Taktik an. Und das macht uns gewaltig Spaß: das Ausprobieren verschiedener Waffen-Angriffs-Kombinationen. Scheitern wir, erschreckt zwar der Nachbar, allerdings probieren wir dann einfach eine andere Strategie, mit der wir den Bösewicht schließlich aus dem Weg räumen. Was folgt, ist ein unbezahlbarer Triumpf. In einer Sekunde zur nächsten vergessen wir, dass wir gerade mehrere Stunden in dem Grabmal der Riesen verbracht haben. Mit der Zeit geht die angenehm fordernde Spielweise jedoch in Fleisch und Blut ein. Hat man einmal den richtigen Dreh heraus, lässt sich selbst Dark Souls meistern. Ohne Wutausbrüche geht das Spiel allerdings nicht von der Hand. Das macht aber nichts, schließlich fühlen wir uns nach dem Abspann wieder wie richtige Core-Zocker. Das Tolle ist: Wir müssen das Spiel unbedingt ein zweites Mal spielen.

Maik meint:

Maik zockt mit Vorliebe bockschwere Spiele, nascht aber auch ganz gerne mal. Quelle: videogameszone.de Maik zockt mit Vorliebe bockschwere Spiele, nascht aber auch ganz gerne mal. Als ich mir Dark Souls auf einem London-Trip kaufte, war ich überglücklich. In sämtlichen Spieleläden der englischen Hauptstadt war das Spiel nämlich ausverkauft. Einzig der berühmte Spielzeugladen Hamley's führte das dunkle Rollenspiel noch. Zu Hause war ich zunächst ernüchtert, da die UK-Fassung keine deutschen Bildschirmtexte enthält. Einige NPCs, wie Alvina die Katze, sprechen ein sehr altes Englisch, was nur schwer zu verstehen ist. Zu NES-Zeiten gab es meist nur englische Bildschirm-Texte, die dann gleichzeitig dazu führten, dass ich mich mit der englischen Sprache beschäftigte. Die ersten 4 Stunden in Dark Souls waren für mich die Hölle. Als ich aber dann das Drachenschwert bekam, änderte sich das Blatt komplett. Gegner wurden einfacher und Dark Souls zog mich in seine Welt. Die dichte Atmosphäre und die fetten Gegner machen trotz hunderter Bildschirm-Tode einfach nur Spaß. From Software reißt den Spieler aus der verweichlichten Welt von vereinfachten Videospielen, die uns sonst viele Details vorkauen. Und dafür danke ich den Entwicklern sehr.

David denkt:

Dark Souls zählt zu den härtesten Spielen, die ich seit der SNES-Ära gezockt habe. Auch wenn hier Liebe und Frust nahe beieinander liegen, so muss ich doch sagen: Dark Souls ist unglaublich motivierend und dankt dem Spieler mit unbeschreiblichen Glücksmomenten. Sobald man einen harten Bossgegner nach unzähligen Anläufen endlich vom Bildschirm gekickt hat, folgt ein unbezahlbarer Triumpf. Schnell vergisst man, dass man gerade mehrere Stunden und etliche Versuche für einen fiesen Bösewicht verbracht hat. Und genau das macht Dark Souls so süchtig. Denn schließlich packt uns immer wieder der Ehrgeiz, diese miesen Gegner endlich aus dem Weg zu räumen. Ich entwickel neue Strategien, probiere andere Taktiken, suche bessere Waffen: Kaum ein anderes Spiel hat mich derart in den Bann gezogen. Großartig! Dark Souls 2 kann kommen!

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