I Am Alive im Test für Xbox 360: Atmosphärisch exzellentes Abenteuer, aber zu kurze Spielzeit

Test Thorsten Küchler

I Am Alive im Test für Xbox 360: Das postapokalyptische Action-Adventure liefert ein packendes, innovatives Kampfsystem und strategisch angehauchte Kletterpassagen. Punktabzug gibt's bei Story und Spielzeit. In unserem I Am Alive-Test erfahrt ihr alle Details.

Test zu I Am Alive: Das nennt man wohl Ironie des Schicksals: Ausgerechnet ein Spiel, das vom Kampf ums Überleben handelt, musste selbst um sein Fortbestehen bangen! Denn I am Alive hat einen ereignisreichen Entwicklungseiertanz hinter sich: Zuerst angekündigt, dann eingestellt, dann komplett neu programmiert und zum Downloadspiel umfunktioniert. Angesichts dieser Historie wundert es umso mehr, dass die von uns getestete, finale Fassung vor allem eines ist: unglaublich stimmig.

Der Beginn des Abenteuers fasziniert: Wir sehen den Helden von I am Alive auf dem Screen eines Camcorders, werden also offenbar Zeuge bereits abgeschlossener, D auf Video festgehaltener Ereignisse. Das Thema Vergangenheit zieht sich durch das ganze Spiel: So ist der Schauplatz von I am Alive eine amerikanische Stadt namens Haventon, die seit einem Jahr in Schutt und Asche liegt. Wieso und weshalb? Das erfährt man bis zum bitteren Ende des Spiels nicht! Klar ist nur: Irgendwas hat Haventon in einen menschenfeindlichen Ort verwandelt.

Eingestürzte Häuser, ätzender Feinstaub, gigantische Krater - und mittendrin: der Spieler, auf der Suche nach Antworten. Man könnte I am Alive auch als Survival-Horror bezeichnen: Denn es transportiert das Gefühl, isoliert und bedroht zu sein, auf eindringliche Weise. So legt das Spiel zwar ständig Rücksetzpunkte an, ihr dürft diese aber nicht unbegrenzt in Anspruch nehmen. Vielmehr erhaltet ihr vor jeder etwa 45 Minuten langen Episode drei Neustartmöglichkeiten ("Continues") in Form von Videofilmen. Sind diese aufgebraucht, wird auch der aktuelle Speicherpunkt gelöscht - und ihr müsst den Level wieder von vorne angehen. Dieses System birgt ein enormes Frustpotenzial, sorgt aber für wohligen Nervenkitzel. Ebenfalls spannend: Wenn ihr einem der ebenfalls in Haventon eingeschlossenen Zivilisten helft, erhaltet ihr zur Belohnung weitere Continues. Das Prickelnde daran: Die armen Seelen wollen zumeist Heilpakete - die euer Held selbst gut gebrauchen kann. Denn nicht jeder KI-Knilch ist verzweifelt und harmlos: In der Stadt lungern zahlreiche Plünderer herum, die euch bei Sichtkontakt sofort angreifen.

Eine typische Szene: Ihr trefft auf mehrere Banditen, die euch an den Kragen wollen. Quelle: Videogameszone Eine typische Szene: Ihr trefft auf mehrere Banditen, die euch an den Kragen wollen. Der Mob? Der tobt!

Pistole, Machete, Pfeil und Bogen: Das Waffenarsenal klingt nach einem üblichen Action-Titel, wird in I am Alive aber innovativ eingesetzt. Denn hier liegt nicht an jeder Ecke Munition herum und wer zwei Kugeln in seinem Revolver hat, der ist hier schon der absolute Offensivkönig. Die Kugelknappheit wirkt sich wohltuend auf die Gefechte aus: Ihr müsst stets abwägen, ob ihr einen Schuss abgeben oder lieber taktisch agieren wollt. Die Widersacher sind nämlich ähnlich mies ausgestattet und reagieren realistisch auf Bedrohung. Dementsprechend kann man einige Feindgruppen auch austricksen, indem man ihnen eine (ungeladene) Kanone vor die Nase hält - schließlich wissen die Kerle ja nicht, dass der Revolver leer ist. Schade nur, dass die Entwickler im letzten Level eine ganze Schurkenarmada auf euch hetzt - das nervt gewaltig. Abseits der Scharmützel erinnert I am Alive an Tomb Raider: Ihr kraxelt teils minutenlang an Rohren, Wänden und Gerüsten herum.

Allerdings greift auch hier das packende Überlebenskampf-Prinzip: Sobald ihr in die Vertikale geht, beginnt eure Konditionsanzeige zu sinken. Anstrengende Aktionen wie etwa Sprünge leeren jeweils gleich ein knappes Fünftel der Leiste. Ist der Protagonist schließlich mit seinen Kräften am Ende, droht der Absturz in die Tiefe - wenn ihr dann nicht sofort wie wild auf die Schultertaste des Gamepads hämmern. Der Nachteil dieser Rettungsaktion: Sie senkt sukzessive den Maximallevel eurer Konditionsanzeige! Es ist wirklich erstaunlich, wie gut Ubisoft Shanghai durch diese simple Mechanik das Gefühl der Verzweiflung in den Kopf des Spielers transportiert. Man ertappt sich schon bald dabei, wie man jede Häuserwand nach einer möglichst schonenden Kletterroute absucht und dann beim Aufstieg in Panik verfällt, wenn irgendwas schief geht. Dass I am Alive dennoch hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt, liegt an der enttäuschenden Story: Der Held ist austauschbar, die Auflösung lahm - und sie kommt nach gerade mal 4 Stunden!

Bildergalerie

Wertung zu I am Alive (X360)

Wertung:

82 /10
Pro & Contra
Packendes, innovatives KampfsystemStrategisch angehauchte KletterpassagenBedrückende Endzeit-StimmungMoralische Zivilisten-Komponente
Unbefriedigendes Story-EndeEinige nervige Trial-and-Error-Abschnitte
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