Cyberattacke auf Sony kein Thema auf E3-Pressekonferenz: Danke fürs Mitleiden, weiter geht's! [E3-Kommentar]
SpecialAuf der Sony-Pressekonferenz zur E3 2011 erwähnte Sony-Chef Jack Tretton zwar den Sony-Hackerskandal in seiner einleitenden Bemerkung, ging dann aber relativ schnell zur Tagesordnung über - ohne konkrete Details zu benennen, was Sony unternimmt, damit das Playstation Network sicherer wird. Das kann man okay finden - oder sich darüber ärgern, wie der Leitende Online-Redakteur Simon Fistrich in seinem Kommentar.
So einen wie Jack Tretton würde sich die Öffentlichkeitsabteilung des japanischen Atomkonzerns Tepco gewiss als Pressesprecher für den westlichen Markt wünschen. Wenn sich der US-Chef der Entertainment-Sparte von Sony auf der Pressekonferenz zur E3 2011 mit sorgfältig modulierter Stimme für den wochenlangen Ausfall des PlayStation Network entschuldigt, dann kauft man ihm das durch die westliche Vorurteilsbrille gesehen einfach mehr ab als ein paar stummen Japanern in albernen Uniformen, die sich in Richtung Kamera verbeugen. Tretton, um die 50, moderiert seit Jahren die E3-Pressekonferenz des PlayStation-Herstellers. Und es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein "Elefant im Raum" befindet, wie Tretton zum Auftakt seiner Ansprache sagt. Er meint damit den Ausfall des PlayStation Network, das nach einem Hackerangriff im Mai für mehrere Wochen vom Netz ging.
Was folgt, ist ein Musterbeispiel in Sachen sympathisch vorgetragener, heißer Luft: Tretton bedankt sich bei Journalisten, Retail-Partnern und Fans für ihre Geduld und ihren Support, den Super-GAU des Unternehmens in den Griff zu bekommen. "Ihr seid es, die dafür sorgen, dass wir gleichermaßen demütig und begeistert sind über eure Hingabe und eure Unterstützung für die PlayStation-Marke." Allein von Demut ist in Trettons Ansprache eher wenig zu hören. Der PR-Profi schafft es geschickt, in seine Entschuldigung das letzte Jahr aus Sony-Sicht einzuflechten, das zum erfolgreichsten seit Launch der Konsole gehört -- inklusive einiger Zahlen. Ein Statement zu den angeblich geklauten Daten? Eine Aussage zu gefühlt täglich eintrudelnden Meldungen über Hacks von weiteren Sony-Webseiten? Konkrete Details, wie genau Sony in Zukunft die Sicherheit seiner Kunden erhöhen möchte? Ein Sicherheitsexperte auf der Bühne, der etwas zu den neuen Security-Maßnahmen des Konzerns erzählt? Fehlanzeige.
Quelle: Videogameszone
Gut besucht: Die Sony-Pressekonferenz auf der E3 2011.
Stattdessen der Hinweis auf die nächsten 90 Minuten der Pressekonferenz, die beweisen sollen, warum die PlayStation "stärker als je zuvor" sei. Nach dem ganzen Ärger, der ganzen Unsicherheit über verlorene Kreditkartendaten und nicht nutzbare Features der letzten Wochen und Monate hätten die User ein Anrecht darauf gehabt, ernst genommen zu werden. Tretton nimmt sie aber nicht ernst, speist sie mit ein paar Floskeln ab, ohne auf der Bühne eindeutig zu benennen, was Sony an den Sicherheitssystemen ändern will oder bereits geändert hat. Von Datenklau spricht der Sony-Chef erst gar nicht. Es fehlt eine klare Ansage, warum man Sony künftig wieder seine Daten anvertrauen darf, ohne sich Sorgen machen zu müssen. Eine klare, eindeutige Versicherung dafür, dass Sony alles tut, damit sich ein solcher Super-GAU niemals wiederholt.
Ob die paar unverbindlichen Sätzchen ausreichen, die durch den Hackerskandal verprellten Kunden zurückzuholen oder bestehenden Usern das Gefühl geben, dass ihre Daten künftig sicher sind, ist so mehr als zweifelhaft. Vielleicht haben sich die Marketing-Experten von Sony auch gedacht, dass eine längere Thematisierung der Hackerpanne in der Sony-PK zu viel an negativer Energie gewesen wäre. So viel, dass selbst ein verbindlicher Sympathikus wie Tretton das Ganze nicht mehr aufmunternd verkaufen könnte. Die Unsicherheit bleibt und wird kaum durch die neuen Sony-Ankündigungen von der E3 2011 vernebelt. Immerhin hat Sony Tepco das voraus: Neue Produkte, die den Hackerskandal dereinst vergessen lassen könnten.
