Aufgedeckt: Was genau bekommen wir zu sehen, wenn erste Screenshots zu einem Spiel auftauchen?
Spieleentwickler stehen, wenn einer ihrer Titel erstmals enthüllt wird, vor einem Dilemma. Damit die Fachpresse darüber berichtet, werden Screenshots benötigt. Doch oftmals ist das Spiel grafisch noch lange nicht vorzeigbar. Was also tun? Sollten sie ehrlich sein und Bilder der Alpha-Version mit unfertigen Grafiken und diversen offensichtlichen Bugs veröffentlichen? Das wäre sicherlich ein erfrischender Ansatz, doch viel zu leicht würde der Irrglaube aufkommen, das Spiel sähe auch in der Verkaufsversion nicht wirklich gut aus. Spätestens hier würde also der Publisher sein Veto einlegen. Und ganz ehrlich: Daran sind wir alle schuld. Wir Redakteure, weil es nur zu verlockend ist, Schlichte Optik zu bashen und ihr Spieler, weil viel zu oft grafische Mängel Anlass sind, ein Spiel zu demontieren. In Foren tobt dann ganz gern eine hitzige Diskussion während das Anliegen Spielentwickler, nur erste Eindrücke zu liefern, völlig ignoriert wird. Fakt ist: Ab der ersten Enthüllung werden Videospiele bereits verkauft und beworben. Jeder Screenshot, jedes Artwork und jedes Video muss Interesse wecken - vielleicht sogar eine Kaufentscheidung auslösen. Deshalb müssen die Bilder allesamt brillant aussehen. Und dafür gibt es einige Möglichkeiten. Die haben mit dem, was der Käufer am Ende zu sehen bekommt, teils nicht viel zu tun, sind aber in der Branche völlig üblich. Ganz früh im Entwicklungsprozess eines Spiels setzt man beispielswiese gern auf die so genannten Target Renders.
DAS ZIEL VOR AUGEN
Solche Renderbilder stammen nicht aus der Spiel-Engine, sondern wurden von Grafikern erstellt und aufwändig bearbeitet, damit ein Gefühl für die Atmosphäre und den Look des Spiels vermittelt wird. Das ist kein reines Werbemittel, auch für das Entwicklerteam sind Target Renders hilfreich. Sie legen fest, in welche Richtung Design und Grafik entwickelt werden und welche Stimmung das Spiel transportieren soll. Jeder beteiligte Mitarbeiter hat dadurch ein Ziel vor Augen, dem er möglichst nahe kommen muss - daher der Name. Solche Bilder mögen bereits Charaktermodelle und Umgebungen des Spiels beinhalten, haben aber keinerlei Anspruch darauf, so auszusehen wie die Verkaufsversion.
Maßlos übertrieben: Die ersten Bilder zu The Getaway waren derart Detailgetreu...
Das konnte das fertige Spiel nicht erreichen!
Auch wenn wir uns stets ein wenig ärgern, wenn ein neues Spiel, nur zusammen mit Target Renders enthüllt wird, ist das doch besser als komplett ohne Bilder. Dann würden wir beispielsweise keine Vorschau dazu schreiben können. Geradezu berüchtigt sind die Target Renders bei Spieletrailern. Das populärste Beispiel ist sicherlich der Rendertrailer zu Killzone 2, der 2005 auf der Spielemesse E3 gezeigt wurde. Das Gezeigte sah unverschämt gut aus, wirkte aber dank der Ego-Perspektive wie eine Spielszene. Nach vielen hitzigen Diskussionen um das Thema konnten die Entwickler aber zwei Jahre darauf Spielszenen präsentieren, die dem Rendervideo tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sahen. In diesem Falle wurden Target Renders absolut korrekt verwendet. Wenn sie allerdings hoffnungslos übertreiben ist das ärgerlich und kann sogar rechtliche Konsequenzen haben. In Großbritannien wurde Activsion von der Werbe-Aufsichtsbehörde untersagt, Call of Duty 2 und Call of Duty: Big Red One ohne besonderen Hinweis mit Renderszenen zu bewerben, nachdem sich Zuschauer darüber beschwerten.
Hopperla: Wieso fehlt an einer Stelle der Unschärfe-Effekt? Photoshop-Ausrutscher? Bug in der Engine?
