Die Jungs des italienischen Entwicklerteams Milestone haben auf der Microsoft-Konsole wahrlich ein schweres Erbe anzutreten. Climax' MotoGP-Reihe hat Maßstäbe gesetzt, die nur schwer zu übertreffen sind. Nach drei Titeln für die Ur-Xbox und deren zwei für die 360 haben die Jungs von Climax
Bei Regen gibt´s mit den Tropfen auf dem Helmvisier ein echtes optisches Schmankerl.
einen Schlussstrich unter ihr MotoGP-Schaffen gezogen und so schickt sich nun Milestone an, in die großen Fußstapfen zu treten. Kein unrealistisches Ziel, denn die Italiener sind keineswegs ein unbeschriebenes Blatt in Sachen Zweiradracer und bringen einiges an Erfahrung mit. Ihre SBK-Reihe ist jahrelang auf der älteren Konsolengeneration erschienen, mit SBK 08 feiert man nun das Next-Gen-Debüt. Wie schon in den Vorgängern setzt man auch im neusten SBK auf offizielle Lizenzen. Gefahren wird in der Superbike Challenge, wo ausschließlich Serienmotorräder am Start sind. Von den 22 Fahrern über die elf Rennställe bis hin zu den zwölf Kursen: Bei allen handelt es sich um die Originale.
Anspruchsvolle Fahrphysik
Zweirädrige fahren sich anders als vierrädrige Boliden, diesen Umstand sollte man dringendst beachten, wenn man Hand an ein Motorradspiel legt, sonst kugelt man sich schneller im Sand, als es einem lieb sein kann. Hier macht auch SBK 08 keine Ausnahme; das Game bleibt Simulation, auch wenn man in 15 Einstellungen arcadige Hilfeleistungen wie Brems- und Traktionshilfe einschalten kann. Die Mannen von Milestone waren auch sonst darauf bedacht, Motorrad-Greenhorns einen einfachen Einstieg in die Welt der schnellen Zweiräder zu ermöglichen. So stehen dem Spieler ganze fünf Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, die dafür sorgen, dass Einsteiger bis Profis eine angemessene Herausforderung finden. Den leichtesten der fünf
Trotz Regenreifen ist Vorsicht geboten, sonst landet man schnell im Sand.
Grade sollte man wirklich nur anwählen, wenn "Rennspiel" bis anhin ein Fremdwort für einen war. Auf dem mittleren Grad muss man schon recht saubere Rennen hinlegen, um als Erster über die Ziellinie zu düsen. Jede Schikane will richtig angeschnitten werden - liegt man zu heftig in der Kurve, gleitet einem der Bolide schnell einmal unter dem Allerwertesten weg und man verliert wertvolle Sekunden.
Dank des Schadenssystems, das auf Wunsch eingeschaltet werden kann, nimmt die Rennmaschine dabei auch spürbaren Schaden. Nicht nur das Überschätzen der Bodenhaftung, auch zu heftiger Gegnerkontakt kann einen ruck, zuck aus dem Sattel schleudern. Hat man Verletzungen aktiviert, ist damit zu rechnen, dass, wenn man etwa mit voller Wucht in die Bande knallt, sich der Fahrer ganz schön weh tut, was unweigerlich dazu führt, dass man das Rennen nicht fortsetzen kann.
Aus den sechs verschiedenen Modi, welche einiges an Abwechslung bieten,
Vor dem Rennen können verschiedene Einstellungen vorgenommen werden.
sticht naturgemäß der Meisterschaftsmodus heraus, der das volle Programm bietet, vom ersten freien Training bis zum zweiten Rennen (jawohl, in der Superbike Challenge wird zweimal gefahren). Dadurch kommt richtiges Rennfeeling auf. Ist man mit der Bike-Einstellung nicht zufrieden, fährt man einfach nochmal in die Box, wo man die Rennmaschine auf seine Wünsche bzw. die Anforderungen der Strecke abstimmen kann. Simple Standard-Einstellungen sind genauso möglich wie erweiterte Modifikationen für Kenner. Wer sich mit den motorisierten Zweirädern nicht so auskennt, wird sicherlich um die Technik-Tipps des Rennstall-Ingenieurs froh sein, die hilfreich, aber teilweise etwas unklar formuliert sind. Selbstverständlich kann auch über Xbox Live gerast werden, jedoch können sich nur maximal bis zu acht Spieler die Hölle heiß machen. Splitscreen-Duelle sind leider nicht möglich.
Öde Präsentation
Bevor es auf die Piste geht, kriegt man nach einer langen Ladezeit das Renn-Intro zu sehen. Die Fahrer posen neben gut bestückten Umbrella-Girls, so
Lenkt man mit harten Reifen zu stark und abrupt, heißt’s „adieu, Bodenhaftung!“.
wie man's kennt vom Motorrad-Rennzirkus. Diese Sequenzen und auch die sonstige Präsentation des Spiels sind aber viel zu trocken und leblos geraten, was auch mit ein Grund dafür ist, dass SBK 08 den absoluten Hit-Status nicht erlangt. Anders als in MotoGP gibt es hier keinen Modus, in dem man sich ein Alter Ego und ein Bike zusammenbasteln kann, wodurch das Game noch trockener wirkt. Schade, denn Grafik und Sound wissen ansonsten zu überzeugen, nur das gelegentliche leichte Rauschen und Knacken trübt das akustische Bild. Beachtlich ist auch die gelungene Gegner-KI: Die Kontrahenten besitzen alle ein unterschiedliches Fahrverhalten. Manche gehen etwas forscher, manche etwas zurückhaltender zur Sache.
