Der große Vormund aller Deutschen, die dem Hobby des Computerspielens frönen, Die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien), hat
Dieser hünenhafte Gladiator ist so gut wie unverwundbar. Finden Sie die Schwachstelle!
gesprochen. Hugh! Der Indizierungsantrag für den Horror-Taktik-Shooter Clive Barker's Jericho ist abgelehnt worden. Was bedeutet das für alle videospielaffinen Splatterfans da draußen? Sie dürfen jetzt in jeden x-beliebigen Spieleladen spazieren, sich das Spiel aus dem Regal nehmen, gegen Vorlage Ihres Personalausweises kaufen und zu Hause in Ruhe durchspielen. Für Computerspielmagazine bedeutet die Entscheidung, dass diese endlich einen Test schreiben dürfen, ohne Gefahr zu laufen, dass alle Heftexemplare vom Markt genommen werden müssen (stellen Sie sich jetzt einen Tusch vor).
Übernatürliche Kriegsführung
Clive Barker's Jericho bewegt sich im geistigen Fahrwasser des kultigen Horror-Shooters Doom 3. Etwa zehn Stunden lang treiben Sie diesmal jedoch nicht alleine der Höllenbrut die Flausen aus, sondern im sieben-, später sechsköpfigen Jericho-Team. Richtig gelesen: Recht früh im Spiel gibt der Anführer des in übernatürlicher Kriegsführung geschulten Teams zwar den Löffel, nicht aber seine Seele ab. Diese - und mit ihr der Spieler - kann zwischen den verbliebenen Kämpfern hin- und herspringen und deren Waffen sowie übernatürliche Fähigkeiten übernehmen. Diese sind erfreulich abwechslungsreich (siehe Extrakasten: "Die Spezialfähigkeiten").
Churchs Feuerbann lässt Gegner in Flammen aufgehen.
Hier eine typische Spielszene: Ein Gegner stürmt auf den Anführer, Captain Ross. Der eröffnet zunächst mit seinem Sturmgewehr das Feuer. Überrascht von der Zähigkeit des herrlich scheußlichen, bluttriefenden Widersachers kommt es zum Nahkampf. Wir schlagen den Gewehrkolben auf das infernalische Kinn. Der Gegner weicht zurück. Per Sekundärfeuer schicken wir eine Ladung aus unserer Flinte hinterher. Der Kopf des Monsters zerplatzt. Wem dies zu intensiv ist, der beharkt mit Blacks Scharfschützengewehr die Feinde aus der Distanz oder schickt Delgados Feuerdämon Ababinili, der sich seine Feinde selbst sucht.
Dabei lässt die künstliche Intelligenz der untoten Höllenbrut zwar zu wünschen übrig, beziehungsweise ist nicht vorhanden. Aber ganz ehrlich: Erwarten Sie von einem Zombie, dass er einen Doktortitel hat? Vielmehr
Gottesmann Rawlings reanimiert den schweigsamen Jones.
gehen alle (Boss)Gegner immer nach einem festen Schema vor. Abwechslung entsteht durch das ständige Wechseln der Spielfiguren. Trotzdem kommt in den brutalen Kämpfen kaum Langeweile auf, so actionreich sind diese in Szene gesetzt. Apropos Inszenierung: Auch die düstere Story überzeugt.
Auf der Suche nach einer Kreatur, die von Gott zu einer Zeit geschaffen wurde, als es noch keine Unterscheidung zwischen Gut und Böse gab, begibt sich die Jericho-Einheit in die uralte Wüstenstadt al-Khali. Die Stadt entpuppt sich als Gefängnis für diese Kreatur - den sogenannten Erstgeborenen -, aus dem es zu entfliehen versucht. Naturgesetze, der Tod, sogar die Zeit spielen hier eine andere Rolle als in der Außenwelt. Durch vier Epochen - vom Zweiten Weltkrieg durch das Mittelalter über die Zeit der Römer bis in das Sumer des Jahres 2000 vor Christus - hat sich das Team zu kämpfen. Dabei hält jede Epoche eigene Gegner parat. Im römischen Zeitalter beispielsweise machen dem Team schildbewehrte, entartete Prätorianer zu schaffen. Highlight sind aber die genial schaurig gestalteten Bossgegner.
Teamwork
Apropos Bossgegner: Diese weisen alle eine Schwachstelle auf. Ein zu groß geratener Gladiator beispielsweise ist nur am Rücken verwundbar. Dank der ansehnlichen KI der Mitstreiter umzingeln diese den Gegner automatisch,
Becksteins Albtraum: Eklige Bossgegner im Kinderzimmer.
sodass man jederzeit zu einem Kameraden wechseln kann, dem die Kreatur gerade den Rücken zuwendet. Die eingängige Steuerung trägt zu dem flüssigen Spielablauf bei. Mitstreiter anvisieren, "A" drücken, schon befindet man sich in dessen Körper.
Kaum Schwächen zeigt die gruselige Präsentation. Die unheimliche, kirchlich angehauchte Musik lässt einen frösteln und die deutschen Sprecher erledigen ihre Arbeit ordentlich. Gegner springen dem Spieler an die Gurgel und Blut spritzt gegen die Mattscheibe! Leider wirken manche Texturen arg matschig und das visuelle Feedback der am Monsterkörper einschlagenden Projektile dürfte stärker sein. Splatterfans stört's wenig - diese erleben eine geradlinige, effektvolle Monsterballerei.
