Need for Speed: ProStreet

Test Horst Heindl

Geschwindigkeits-Junkies aufgepasst: Need for Speed geht mit mehr Realismus in die elfte Runde.

Dank des neuen Schadensmodells bleiben die Schäden ... Dank des neuen Schadensmodells bleiben die Schäden ... Es waren oft Details, die aus der Need for Speed-Reihe etwas Besonderes machten. In NfS: Porsche waren es die vom Fahrtwind aufgewirbelten Blätter vor malerischer Kulisse in Südfrankreich. Und seit Hot Pursuit 2 machte es dank der stilvollen Zeitlupensequenzen bei spektakulären Szenen so richtig Spaß, bei Höchstgeschwindigkeiten nach einer Bodenwelle scheinbar schwerelos durch die Luft zu gleiten. Bei Need for Speed: ProStreet wird das in Echtzeit berechnete und hübsch anzusehende Schadensmodell im Gedächtnis der Spieler haften bleiben.

Bevor wir das Spiel bewerten, noch ein paar Worte zur Handlung. Als Straßenrennpilot arbeiten Sie sich von einem (legalen) Straßenrennen zum nächsten und erhalten dafür Geld und Respekt. Es ist übrigens egal, in welchem Schwierigkeitsgrad Sie gewinnen, das Preisgeld ändert sich nicht. Ziel des Spiels ist es, genug Respekt zu sammeln, um die Showdown-Könige herausfordern zu dürfen.

Die in Renntage aufgeteilten Veranstaltungen führen Sie unter anderem in die Wüste von Nevada, auf deutsche Autobahnen oder an die Docks von Tokio. Die Umgebungsgrafiken sehen schick aus, sind aber bei weitem nicht so abwechslungsreich wie jene in Project Gotham Racing 4, das auch den besseren Soundtrack bietet. Das hervorragende Geschwindigkeitsgefühl wird leider durch stellenweises Ruckeln getrübt. Wenn man selbst am Steuer sitzt, fällt das kaum auf, da man sich auf das Fahren konzentrieren muss. Erst als Zuschauer erkennt man, dass es gerade in Kurven öfters ruckelt. Negativ ins Gewicht fallen außerdem die fehlende Replay-Funktion und das gewöhnungsbedürftige, grün und gelb gehaltene Menü. Auch die im rasanten MTV-Stil gehaltenen Zwischensequenzen sind Geschmackssache.

Von den Preisgeldern kaufen Sie sich neue Fahrzeuge, von denen es im Spiel 55 gibt. In der untersten Leistungsklasse gibt es etwa den Chevrolet SS, in der mittleren schon einen 70er Plymouth Hemi Cuda und in der obersten den Porsche GT2, Lamborghini Murciélago oder das absolute Top-Modell, den 2006er Pagani Zonda F. Für ein Rennspiel bietet der Fuhrpark - im Vergleich zu Forza Motorsport 2 - dennoch nur gute Standardkost.

Die Fahrzeugoptik ist sehr gelungen und kann - bis auf den Nissan GT-R Proto - im Aussehen bis ins Detail verändert werden. Es werden jede Menge Spoiler, Radkappen, Motorhauben, Vinyls oder Lackierungen angeboten, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Neu ist, dass die aus den Vorgängern übernommene Autosculpt-Funktion nicht nur das Aussehen der aerodynamischen Teile verändert, sondern auch das Fahrverhalten. Während der Probefahrt stehen jederzeit sämtliche Tuningoptionen offen. So spüren Sie sofort die Auswirkungen, wenn die Reifen mehr nach innen zeigen, die Federung härter eingestellt, der Bremsdruck variiert, das Motorverhalten verändert wird und, und, und. Natürlich lassen sich Einzelteile durch leistungsstärkere ersetzen. Die Fahrzeugsetups speichern Sie in Blaupausen, die Sie über Xbox Live verschicken können.

Prunkstück ist aber das Schadensmodell. Jede noch so leichte Berührung macht sich bemerkbar, beschädigte Teile können später ganz abfallen und bleiben auf der Strecke liegen. Leider hat der Realismus seine Grenzen. Nach einem Frontalzusammenstoß bei Tempo 300 bleibt in der Realität nur ein Klumpen Schrott übrig. Im Spiel bleibt das Auto dagegen weiterhin als solches zu erkennen. Dennoch animiert das Schadensmodell zu vorsichtiger Fahrweise, denn Schäden an einem Zonda gehen schnell in die Zehntausende. Geld, das später fehlt, um konkurrenzfähige Sportwagen zu erstehen.

Unseren KI-Test, eine Vollbremsung in einem Tunnel, haben die Computerfahrer gut überstanden. Alle Fahrer wichen gekonnt aus, nur wenige schrammten unseren Wagen leicht. Eine plötzliche Vollbremsung nach einem Überholvorgang wurde mit einem realistischen Auffahrunfall quittiert. Auch machen die Fahrer Fehler und fahren nicht immer Ideallinie. Klasse: Der dreistufige Schwierigkeitsgrad kann jederzeit geändert werden.

Größter Kritikpunkt ist das leicht schwammige Fahrverhalten und dass Sie das Fahrzeug in besonders engen Kurven beinahe auf Schrittgeschwindigkeit herunterbremsen müssen, sofern man nicht per Handbremse lenken möchte. Was die schwammige Steuerung angeht, darf man den Ministick zum Lenken nur ganz vorsichtig antippen.

Bildergalerie

Wertung zu Need for Speed: ProStreet (X360)

Wertung:

82 /10
Pro & Contra
Gut dosierte VibrationseffekteGeniales GeschwindigkeitsgefühlUmfangreiches Aufrüsten und TunenDetailliertes Schadensmodell
Etwas schwammige Steuerung
Fazit

Ein gutes Need for Speed, bei dem vor allem Einsteiger auf ihre Kosten kommen.

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