Hier ist der Grund, warum sich der Master Chief in diesem Herbst ganz warm anziehen sollte!
Seit Monaten habe ich einen feuchten Traum - ich träume von einer Revolution der Ego-Shooter, von einer spielbaren Offenbarung, die Halo 3 das Fürchten lehrt und den Begriff Next-Generation-Shooter neu definiert. Und dieser Traum könnte endlich Wirklichkeit werden. Seit der ersten Ankündigung im Oktober 2004 warte ich ungeduldig auf BioShock, habe jeden Funken Information in mich aufgesogen und der erste Besuch im Unterwasser-Utopia Rapture vor knapp vier Wochen ließ berechtigte Hoffnung aufkeimen, Irrational Games könnte mit dem inoffiziellen SystemShock 2-Nachfolger der ganz große Wurf gelingen. Jetzt treten wir endlich zum finalen Tauchgang an, und eines sei vor dem Abstieg nach Rapture verraten: Die sechsjährige Entwicklungsarbeit merkt man dem revolutionären Ego-Shooter an - nicht nur optisch.
Und gerade die bombastische Präsentation von BioShock sorgt gleich im Intro für Staunen: Während eines Atlantik-Fluges genießen Sie gemütlich Ihre Zigarette, schauen sich die verwaschenen Bilder Ihrer Familie an und lassen die Gedanken in die Vergangenheit schweifen. "Du bist etwas ganz Besonderes" haben Ihnen Ihre Eltern immer gesagt - und das soll sich bald als bittere Realität herausstellen. Plötzlich geht ein Ruck durch die klapprige Maschine und nur ein paar angstvolle Sekunden später kämpfen Sie in den dunklen Fluten des Ozeans um Ihr Leben. Das ausströmende Kerosin hat das kühle Nass in ein riesiges Flammenmeer verwandelt, das lichterloh brennt und die Angst steht Ihnen ins Gesicht geschrieben.
Mit letzter Kraft erreichen Sie das nahe gelegene Ufer eines kleinen Eilandes. Steinerne Treppen, die von kleinen Laternen beleuchtet werden, weisen den Weg zu einem riesigen Leuchtturm, der in den vom Vollmond erleuchteten Himmel ragt - auf der Kuppel thront ein stählerner Koloss als Symbol der Macht und Überlegenheit. Als Sie völlig erschöpft das Innere betreten, schlägt die Türe hinter Ihnen zu - gerade sind Sie knapp dem Leben entronnen, und jetzt sitzen Sie in der Falle. War es ein dummer Zufall oder ein schicksalhafter Absturz, der Sie zu Ihrer wahren Bestimmung führen wird? Wenige Schritte weiter finden Sie den einzigen Ausweg: eine glänzende, alte Taucherglocke, die Sie nur zögernd betreten. Langsam senkt sich die Glocke dem ungewissen Dunkel des Meeresbodens entgegen.
Der Abstieg hat begonnen. Der Abstieg nach Rapture, eine einst glorreiche, schillernde Stadt auf dem Grund des Ozeans, von Andrew Ryan im Jahr 1946 geschaffen - ein Genie, vielleicht auch ein Wahnsinniger, wer weiß das schon so genau? Einst eine Metropole für die Reichen und Schönen, einstiger Zufluchtsort für die geistige Elite dieses Planeten. Ehemals bevölkert von Wissenschaftlern, Künstlern und Gelehrten - doch warum sind Sie hier? Sie können keinen klaren Gedanken fassen und sind gefangen von der strahlenden Schönheit dieser Stadt: Leuchtende Neonreklamen, gläserne, lichtdurchflutete Kuppeln und riesige Wolkenkratzer tauchen aus dem Dunkel auf, bevor der Kampf um das nackte Überleben erneut beginnt.
