Shadowrun

Test

Erstmals hält das Shadowrun-Universum als Hintergrund für einen Online-
Ego-Shooter her. Ob das klappt?

Shadowrun Einigen von Ihnen dürfte Shadowrun als das bekannt sein, was es eigentlich im Ursprung ist: ein Rollenspiel. Nicht unbedingt in elektronischer Form auf einem Videospielsystem, obwohl es das früher auch schon mal gegeben hat, nein, sondern als klassisches, sogenanntes Pen&Paper-Rollenspiel, bei dem man mit Freunden am Tisch sitzt und der Ausgang von Aktio­nen durch das Würfelglück bestimmt wird. In seliger Runde begeben sich dort die Spieler geistig in eine nicht allzu ferne Zukunft, in der die Welt nur noch ein Schatten ihrer früheren Tage selbst ist. Die Natur ist größtenteils zerstört, Seuchen haben einen Großteil der Weltbevölkerung ausradiert und die meisten Menschen rotten sich in überfüllten Millionenstädten zusammen. Kurioserweise ist in diese durch wenige Megakonzerne beherrschte, hochtechnisierte Welt wieder die Magie zurückgekehrt, die sich so manche Bewohner zunutze machen. Ein spannender Hintergrund für ein noch spannenderes NextGen-Rollenspiel, könnte man denken. Falsch gedacht, denn die Revoluzzer von Microsoft und FASA Studio werfen die spielerischen Ursprünge über Bord und zaubern aus der Cyberpunk-Thematik einen reinrassigen Multiplayer-Ego-Shooter.

Das ist zwar schade, aber nicht sonderlich schlimm, denn spätestens seit Unreal Championship 2 wissen wir, dass solche Spiele zumindest zu mehreren entweder im Netzwerk oder über Xbox Live richtig viel Spaß machen können. Dabei überzeugte UC 2 (Test in Ausgabe 06/05) nicht nur durch einen umfangreichen Mehrspielerteil, sondern auch mit einem fesselnden Solo-Modus. Hier müssen wir Sie bei Shadowrun warnen: Wenn Sie keine Möglichkeit haben, das Spiel jemals mit mehreren Leuten zu spielen, sollten Sie die Finger davon lassen, die vorhandenen sechs Solo-Missionen sind nichts weiter als ein ausführliches Tutorial mit dem Charme einer Führerschein-Unterrichtsstunde. Allerdings sind sie ebenso wichtig wie die Fahrstunden vor der Prüfung, denn in diesen sechs Abschnitten lernen Sie die wichtigsten Dinge über Steuerung, Waffen, Fähigkeiten und Rassen, die anschließend jeweils in einem Trainings-Match mit Bots vertieft werden. Während herkömmliche Ego-Shooter auf das klassische "Rennen, Springen und Schießen"-Konzept setzen, macht sich Shadowrun seine Rollenspiel-Lizenz zunutze und verleiht dem Spieler jede Menge einzigartiger Fähigkeiten.

Doch nur der Tod ist umsonst, denn die zahlreichen Möglichkeiten müssen vor Matchbeginn käuflich erworben werden. Allerdings werden Sie mit Ihrem Startkapital von 2.500 Dollar nicht weit kommen, für eine durchschlagskräftige Waffe und ein günstiges Cyberware-Implantat, das Ihnen eine besondere Fähigkeit verleiht, dürfte es aber reichen. Ihr Konto stocken Sie im Lauf der Runden durch Ihr Spiel auf: Kills, Trefferquote und der Ausgang der abgelaufenen Runde wirken sich direkt auf Ihr Vermögen aus. Sollten Sie im Getümmel übrigens mal einen Teamkameraden erwischen, ist der wahrscheinlich nicht nur extrem sauer, Ihnen wird auch ein Teil Ihres schwer erkämpften Geldes abgeknöpft. Das ist quasi wie Bußgeld im Straßenverkehr.

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