Blitzt Chrom auf der PlayStation 3 wirklich schöner?
Heiße Kurven gibt's nicht nur an den Autos zu bewundern. BILD: PLAYZONE
Voriges Jahr mussten PlayStation-Spieler noch neidisch auf die Xbox 360 schielen. Während Need for Speed: Most Wanted dort mit Edeloptik für offene Münder sorgte, konnte die PS2-Fassung nicht mal ansatzweise mithalten. 2007 ist alles anders, denn da erscheint der Nachfolger Carbon nur mit kurzer Verspätung auch auf der PlayStation 3. Sonys neues Konsolen-Oberhaupt bietet Leistung satt und schon die ersten Spielszenen machen den Generationsunterschied deutlich.
Enorm detaillierte Fahrzeuge, knackige Texturen, nie zuvor gesehene Effekte und Filter - da lacht das Next-Gen-Spieler-Herz. Da sich EA mit Carbon aber nach dem taghellen Most Wanted wieder in die Nacht stürzt, bleiben die Straßenzüge vorrangig schwarz und Neonreklamen sorgen für die nötige Streckenübersicht. Dadurch glitzert zwar alles wieder so schön wie in den beiden Underground-Episoden, dennoch konnte die Optik von Most Wanted mehr Eindruck schinden und irgendwie hat man sich so langsam an dunklen Straßenzügen und blitzendem Chrom sattgesehen.
Alles auf Anfang
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Doch nicht nur die Optik leidet unter einem Sättigungseffekt, auch spielerisch fehlt es an Überraschungen. Gas geben, Geld verdienen, Autos kaufen und tunen, das haben wir alles schon ganz schön oft gesehen. Wer sich daran und an den immer gleich anmutenden Straßenzügen nicht stört, wird EA-typisch mit einer schicken Präsentation verwöhnt. Ähnlich wie im Film Sin City standen dafür echte Schauspieler in einer Bluebox und sämtliche Sets entstanden am Computer. Das sieht schick aus, inhaltlich sollte man aber nicht gerade die anspruchsvollste Kost erwarten.
Erfreulicherweise ist die Benutzerführung im Karrieremodus nach kurzer Eingewöhnungszeit in Fleisch und Blut übergegangen. In der heimischen Garage hegt und pflegt man seine Fahrzeuge, verwaltet die neu hinzugekommenen Crew-Mitglieder und sucht sich den nächsten Event aus. Ob Rennen oder Drift-Wettbewerb, es besteht jederzeit die Möglichkeit, sich direkt zum Start teleportieren zu lassen oder mithilfe des GPS selbst zur Startlinie zu fahren.
Immer mit dabei sind die bereits erwähnten Crew-Mitglieder, tapfere Helfer, die Ihnen im Rennen zur Seite stehen. Blocker schubsen Ihnen Konkurrenten von der Strecke, Scouts suchen Abkürzungen und sogenannte Schlepper ermöglichen Ihnen einen Windschatten-Turbo. Wer gut fährt, kann auf die Mithilfe dieser Jungs und Mädels zwar verzichten, doch nicht selten gewinnt man kurz vor knapp doch noch ein schon verloren geglaubtes Rennen, weil ein Teamkollege in letzter Sekunde an die Spitze fährt. Dadurch rückt der Spieler zwar etwas in den Hintergrund, aber gewonnene Rennen sind schließlich nie verkehrt und schalten zudem neue Tuning-Teile frei.
Bleifuss-Bürgermeister
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Eine weitere Motivation, Rennen zu gewinnen, sind die Stadtteile, die es zu übernehmen gilt. Mehrere Gangs kämpfen um die Vorherrschaft in der Stadt und natürlich ist es die Aufgabe des Spielers, am Ende allen Konkurrenten gezeigt zu haben, wo der Hammer hängt. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Boss-Rennen unausweichlich. Hier rast man enge Serpentinenstraßen hinunter und bleibt dabei möglichst dicht am direkten Konkurrenten dran - möglichst ohne das eigene Vehikel den Abhang hinunterzujagen. Diese Rennen sind durchaus spannend und eine willkommene Abwechslung zu den alltäglichen Wettbewerben.
Zäher Start
Letztendlich fehlt es Need for Speed: Carbon vor allem an der namensgebenden Geschwindigkeit. Die Fahrzeuge kleben wie Kaugummis auf dem Asphalt und erst sehr spät im Spiel kommt dank Rennflundern wie dem Lamborghini Gallardo so etwas wie ein Geschwindigkeitsrausch auf. Die ersten Spielstunden sind von gemütlichen Stadtrundfahrten geprägt. Die Rückkehr in die Nacht ist, zumindest optisch, nicht unbedingt von Vorteil, da es an Abwechslung mangelt und das Auge nicht unbedingt verwöhnt wird.
Das Verblüffende daran: Es macht dennoch Spaß. Sich seinen Fuhrpark aufzubauen, Teamkollegen zu verwalten, mit dem neuen Autosculpt-Tuning Spoiler und Schweller stufenlos anzupassen und den Turbo zischen zu hören - all das macht viel Spaß und spielt sich gut. Es fehlt zwar der letzte Funken Genialität und Frische, um wirklich lange zu fesseln, doch Fans der Vorgänger dürfte dies nicht stören. Die freuen sich nach wie vor über jedes neu verfügbare Tuning-Teil und genießen die Show. Der Online-Modus war zum Testzeitpunkt leider noch nicht spielbar, deswegen bezieht sich die Mehrspielerwertung allein auf den Splitscreen-Modus
