10.10.2006 15:00 Uhr -Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, oder: Kehrt EAs Sportserie zu alter Stärke zurück?
Ungefähr drei Monate, nachdem die Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland in einen kollektiven Taumel der guten Laune und der Völkerverständigung gestürzt hat, und etwa zwei Monate, nachdem ein lang gehegter Traum vieler Deutscher - inklusive gewisser Redakteure - im Halbfinale gegen Italien zerplatzte, kommt zur neuen Spielzeit der Klub-Mannschaften das alljährliche FIFA-Update in den Handel.
Natürlich sind auch Nationalmannschaften mit von der Partie, im Gegensatz zur Ende Mai erschienenen WM-Edition der erfolgreichen Sportspiel-Serie können allerdings nur 43 der insgesamt 127 in FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gelisteten Teams gewählt werden. Worauf es wirklich ankommt, sind jedoch die zahllosen Vereinsmannschaften aus 20 Nationen, die alle mit originalen Namen, Emblemen, Trikots und Spielerdaten den Weg ins Spiel gefunden haben. Natürlich sind diese topaktuell und beruhen auf der aktuellen FIFA- und FIFPro-Lizenz der Saison 2006/2007.
Endlich wieder Vielfalt
Was man dem unmittelbaren Vorgänger von FIFA 07 zugute halten muss, ist die exzellente, atmosphärische und authentische Umsetzung der Weltmeisterschaft. Angefangen bei der herausragenden Präsentation des Turniers bis hin zu den bis ins Detail nachempfundenen WM-Stadien stimmt hier alles. Leider kann in FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eben nur die WM gespielt werden, was viele Fans abschreckte.
All diejenigen, denen das Angebot der WM-Simulation nicht ausreichte, können nun aufatmen - denn FIFA 07 kommt endlich wieder mit dem serientypischen Riesenumfang daher. Dieser wurde im Vergleich zu FIFA 06 sogar noch einmal aufgestockt und die Anzahl der Ligen wurde um sechs auf nunmehr 27 erhöht. Natürlich können alle nationalen und internationalen Wettbewerbe originalgetreu nachgespielt werden, was für ordentliche Langzeitmotivation sorgt.
Dazu könnt ihr jederzeit ein eigenes Turnier oder eine Liga erstellen, solltet ihr doch einmal eine ganz persönliche Meisterschaft austragen wollen. Doch damit nicht genug: Die FIFA-Lounge, die in FIFA 06 Einzug hielt, ist wieder mit dabei und ermöglicht Langzeitduelle gegen bis zu sieben Freunde. In diesem Modus werden bei einem Sieg die vom Gegner gespielten Teams erworben, sodass sich das eigene Mannschaftsrepertoire immer weiter erhöht - oder aber verkleinert, solltet ihr mal verlieren.
Ist einer der Teilnehmenden drückend überlegen, dann können zum Ausgleich optional Cheat- und Handicap-Einstellungen vorgenommen werden. Zusätzlich gibt es frei wählbare Szenarien, die das Einzelspiel sehr variabel gestalten, und einen schönen Manager-Modus, der ebenfalls auf lange Sicht fesseln kann (siehe Extrakasten).
Im Detail verbessert
Klar, dass ein umfangreiches Arsenal an Mannschaften und Spielmodi noch lange kein gutes Fußballspiel garantiert, und jedem fallen sicherlich auf Anhieb mehrere Personen ein, die FIFA eben diese Qualität absprechen. Doch so vorschnell sollte man nicht urteilen, erst recht nicht, wenn man lange keinen FIFA-Titel mehr gespielt hat. Denn so wie die prominente Konkurrenz sitzt Electronic Arts keineswegs tatenlos herum. Zwar lässt sich darüber diskutieren, ob die ständigen Detailverbesserungen nicht schneller hätten bewerkstelligt werden können.
Dennoch kann keiner bestreiten, dass peu à peu ein richtig gutes Fußballspiel aus FIFA geworden ist, das den Vergleich mit der Referenz anderer Systeme, Pro Evolution Soccer, keinesfalls scheuen muss. Dies mag daran liegen, dass man sich offensichtlich stark von der Konkurrenz hat inspirieren lassen. Das beste Beispiel hierfür ist die schon seit längerem geänderte Steuerung, die sich ganz klar am Konami-Titel orientiert, dessen neuester Teil übrigens auf dem DS und damit hierzulande zum ersten Mal auch auf einer Nintendo-Konsole erscheint.
Ein weiterer ehemaliger Kritikpunkt betrifft die künstliche Intelligenz der Kicker sowie die Ballphysik. Perfekt sind diese beiden Elemente auch in FIFA 07 noch nicht, dennoch wurde erneut sichtlich daran herumgeschraubt. Was Grafik und Sound betrifft, können wir auf dem GameCube wohl keine Quantensprünge mehr erwarten, das FIFA-Optimum scheint hier endgültig erreicht. Die Stadien und die Spieler sehen sehr gut aus und sind wunderbar modelliert, wobei Letztere noch ein paar Animationsphasen mehr aufweisen als im Vorgänger. Was leider geblieben ist, sind die leichten Ruckler, die den Spielfluss zwar nicht entscheidend stören, aber trotzdem hin und wieder auffallen.
Neue Saison, neues Glück
Insgesamt wirkt das Spielgeschehen noch ein bisschen realistischer und flüssiger als noch in der WM-Ausgabe. Fast jeder Spielzug funktioniert aufgrund der verbesserten KI genauso, wie ihr es geplant hattet, und die meisten Fehler im Spielaufbau oder Torabschluss verursacht ihr höchstselbst. Tödliche Pässe in den Lauf klappen besser als je zuvor und auch hohe Bälle finden häufiger einen Abnehmer.
Alleine beim Stellungsspiel gibt es ab und an immer noch Probleme, und die Positionierung eurer Mitspieler im Rücken der Abwehr ist noch verbesserungswürdig. Dafür werden die je vier Offensiv- und Defensivtaktiken von eurer Mannschaft unmittelbar nach Anwahl mit Steuerkreuz oder Analogstick umgesetzt, und vor allem das Flügelspiel funktioniert ganz hervorragend.
Kleinere Neuerungen bei den Freistößen und eine überarbeitete Tricksteuerung mit dem C-Stick wissen ebenfalls zu gefallen, wobei das Ringen um die bessere Kopfballposition nicht optimal funktioniert - wer kann schon gleichzeitig den C-Stick und einen der Knöpfe bedienen? Leider bezieht sich der gewählte Schwierigkeitsgrad zu offensichtlich auf die KI des Gegners, sodass dieser auf der Stufe "Amateur" haarsträubende Fehler produziert.
Unter dem Strich muss man dennoch einfach festhalten, dass FIFA 07 das beste FIFA aller Zeiten ist! Es gibt schlichtweg kein besseres, hübscheres oder atmosphärischeres Fußballspiel auf dem GameCube. Damit ist FIFA 07 für Ninteno-only-Zocker ein absoluter Pflichtkauf. Wir sind gespannt, was wir von einer Wii-Version der Reihe erwarten können, aber das steht ja auf einem ganz anderen Blatt und wird sich - wenn überhaupt - erst in unbestimmter Zukunft zeigen.
Mit dem C-Stick kann der Keeper neuerdings vor dem Schuss in die Hocke gehen oder mit den Armen wedeln.! BILD: N-ZONE
as Menü ist nicht so verschachtelt wie bei anderen Managern.
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Eine der Hauptaufgaben ist die Verwaltung des Personals. BILD: N-ZONE
Die visuelle Simulation zeigt euch, was auf dem Feld so los ist.
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Bei den Freistößen stehen nun mehr Optionen zur Wahl, um den Gegner zu irritieren. Die Ausführung funktioniert gut.
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Zugegeben, Electronic Arts hat mit FIFA 07 mal wieder einen tollen und in einigen Aspekten verbesserten Nachfolger geliefert. Aber will ich mir jedes Jahr ein neues Fußballspiel kaufen, das nur einige, wenige Verbesserungen bietet? Ich persönlich hätte kein Problem damit, auch einmal länger auf das nächste FIFA-Update zu warten, wenn ich dafür einen wirklichen Meilenstein des Genres bekäme.