Das Spiel gibt es außerdem für folgende Plattformen:
Spannende, super präsentierte Story
Kamera muss bei Kämpfen oft justiert werden
Toll inszenierte Großstadt-Kulisse
Trägheit lässt manche Combo ins Leere gehen
27.08.2006 15:00 Uhr -Filmreif inszeniert: die japanische Antwort auf Der Pate.
Mit der Pistole in der Hand stand Kazuma Kiryu über der Leiche seines "Familien"-Oberhaupts und ließ sich widerstandslos festnehmen. Was war nur in den aufstrebenden jungen Yakuza gefahren? Der zuständige Polizeiermittler Mako Date nahm Kiryu seine Variante der Geschichte ("Geldsorgen") nicht ab, doch was wirklich hinter dem Mord steckte, blieb unklar. Warum auch nicht - sollen die Verbrecher ihre Streitereien doch unter sich regeln, alles andere würde nur noch mehr Ärger bedeuten.
Wie im Film
In (teilweise sogar spielbaren) Rückblenden erzählt das Spiel die wahre Geschichte hinter dem Mord am Oberhaupt der Dojima-Familie: Der alte Lüstling hatte Yumi Sawamura entführt, eine Freundin Kazumas seit dem Kindesalter. Akira Nishiki, ein gemeinsamer Freund Yumis und Kazumas, war sofort ins Dojima-Büro geeilt und hatte bereits ein ganzes Magazin an Kugeln in den Körper des Yakuza-Chefs gefeuert, als Kazuma den Tatort erreichte. Damit Nishiki seiner gesundheitlich angeschlagenen Schwester weiterhin beistehen konnte, nahm sein bester Freund die Schuld für den Mord auf sich. Und so ging Kazuma Kiryu ins Gefängnis und kehrte zehn Jahre später zurück in eine Welt, in der fast nichts mehr so war wie früher.
Ein neues Leben?
Bei Kazumas Entlassung aus dem Gefängnis gibt es kein freudiges Wiedersehen mit den alten Freunden: Yumi war kurz nach dem Mord verschwunden und Nishiki war seitdem ein anderer Mensch geworden, der seinen und Kazumas gemeinsamen Mentor Shintaro Fuma verraten und eine eigene "Familie" gegründet hatte. Kazuma hat vorerst nur ein Ziel: Yumi finden. Doch dies ist leichter gesagt als getan, und zudem findet sich "der Drache der Dojima-Familie" alsbald mitten in einem Machtkampf innerhalb des Tojo-Clans wieder. Es ist eben nicht leicht, seine Yakuza-Vergangenheit abzuschütteln.
Lichter der Großstadt
Yakuza spielt größtenteils in einem detailverliebt entworfenen, fiktiven Stadtteil von Tokio, dessen strahlende Leuchtreklamen und dunkle Gassen speziell bei Nacht eine tolle Atmosphäre vermitteln. Aus allen Ecken hören (meist eher: lesen) Sie unterwegs Gesprächsfetzen mit, angerempelte Passanten kommen wirklich ins Stolpern und jeder Ort in dieser äußerst belebten Innenstadt wirkt einzigartig - von einfallslosen Standardtexturen keine Spur. Trotzdem halten sich die Ladezeiten beim Betreten neuer Abschnitte in Grenzen.
Die Stadt ist erfreulicherweise auch mehr als nur eine Kulisse: Begehbare Geschäfte, in denen Sie allerlei Hilfsmittel kaufen können, und Restaurants (die heilsamen Kräfte japanischen Essens &) erweisen sich als hilfreich und mit manchen Leuten am Straßenrand können Sie ein Gespräch anfangen, woraus sich nützliche Hinweise oder zusätzliche Missionen ergeben können.
Ganz egal, ob Sie gerade einer neuen Spur nachgehen oder für jemanden einen Auftrag erledigen - ohne längere Fußmärsche durch die Stadt geht bei Yakuza nichts. Wenn Sie nicht gerade ein Taxi nehmen, kriegen Sie es auf dem Weg zum nächsten Ziel fast immer mit irgendwelchen Leuten zu tun, die Kazuma auf offener Straße anpöbeln und zum Kampf fordern.
Wenn Sie schnell genug reagieren, können Sie solchen Schlägertypen zwar davonlaufen, doch in engen Gässchen sind solche Begegnungen kaum zu vermeiden. Nach ein paar dummen Sprüchen und einer längeren Ladepause schaltet das Spiel dann zum separaten Kampfscreen.
Der wahre Street Fighter
Ob bei einer solchen Zufallsbegegnung oder einem handlungsrelevanten Ereignis, in aller Regel kriegt es Kazuma bei Kämpfen mit mehreren Gegnern zu tun. Innerhalb eines überschaubaren Gebiets können Sie dabei jeden greifbaren Gegenstand als Waffe verwenden, was Mülltonnen, Stühle, Tische, Sofas, Werbeschilder, Fahrräder, Getränkekästen und vieles mehr einschließt. Ihre Gegner sind oft "richtig" bewaffnet und auch deren Messer, Schwerter und Pistolen kann Kazuma nutzen, sobald sie am Boden liegen.
Wenn mal gerade nichts zur Hand ist, verlässt sich der Yakuza auf sein überschaubares Move-Repertoire. Erst gegen Schluss kommen einige übertriebene Würfe dazu, ansonsten geht hier Effizienz über Schönheit - Kazumas Kampfstil wirkt nicht spektakulär, gerade dadurch aber umso härter. Ein Fuß ins Gesicht eines liegenden Gegners macht eben manchmal mehr Eindruck als der verrückteste Special Move.
Besser zuschlagen
Apropos Special Move: Etwas in der Art gibt es auch, denn sobald die Heat-Anzeige am oberen Bildschirmrand durch erfolgreiche Angriffe eine bestimmte Stufe erreicht hat, können Sie besondere Attacken ausführen. Dazu zählen spezielle, unblockbare Attacken mit Waffen und auch umgebungsabhängige Moves. So kann Kazuma seine Gegner in einem solchen Moment mit dem Kopf gegen eine Wand oder auf eine Tischplatte knallen oder sie über Geländer werfen.
Ähnlich wie beim Waffen-Upgrade-System von Onimusha erhalten Sie im Laufe des Spiels Erfahrungspunkte, die in bestimmte Aspekte Ihres Kampfstils "investiert" werden können. Drei Fähigkeiten können dabei jeweils bis zur zehnten Stufe gesteigert werden, wobei Kazuma mit jedem neuen Level neue Moves dazulernt, seine maximale Gesundheit steigert oder die Gegner besser zu fassen kriegt.
Warum kein Hit?
Trotz des Story-Überbaus und der mit Personen voll gestopften Stadt ist Yakuza im Kern ein Beat 'em Up, dessen minimale Adventure-Elemente (helfen Sie Person A, um einen von Person B benötigten Gegenstand zu bekommen &) vor allem dazu dienen, Kazuma stets von einem Ort zum nächsten zu schicken. Das ist auch das Hauptproblem des Spiels: Auf die Dauer addieren sich die Laufwege doch ziemlich und die häufigen Zufallsbegegnungen mit kampflustigen Kriminellen werden immer nerviger.
Dabei will man doch vor allem wissen, wie die Story weitergeht! Dies spricht natürlich wiederum für die Qualität der Geschichte. Nichts Gutes kann man dagegen der suboptimalen Kamera bei Kämpfen abgewinnen, immer wieder muss man sie manuell hinter Kazuma zentrieren, um die Gegner überhaupt zu sehen. Der letzte Kritikpunkt ist angesichts der filmartigen Inszenierung und der ausladenden Zwischensequenzen besonders ärgerlich: Zwar können Sie Yakuza mit deutschen Texten und Untertiteln spielen, doch die (ordentliche) Sprachausgabe bleibt immer in Englisch.
Trotz prominenter Sprecher (siehe Extrakasten zu den Hauptfiguren) reicht sie natürlich nicht an die authentische Atmosphäre des japanischen Originals heran - Japaner, die pausenlos amerikanischen Getto-Slang von sich geben, wirken nun mal weder authentisch noch allzu atmosphärisch. Wenn ein Videospiel sich schon so sehr dem Medium Film annähert, so sollte auch die japanische Originalfassung mit Untertiteln spielbar sein - bei jeder vernünftigen DVD ist dies heutzutage selbstverständlich. Wäre die Sprachausgabe in Deutsch, wäre dies noch zu verschmerzen, doch so bleibt die Lokalisierung nur ein halbgarer Kompromiss.
Kazuma nimmt sich der kleinen Haruka an.
BILD: PLAYZONE
Zu jeder Zeit begegnen Sie zahlreichen Passanten.
BILD: PLAYZONE
Dieses Manöver ist gerade bei Boss-Gegnern nützlich.
BILD: PLAYZONE
Im Kern ist Yakuza nur ein Beat 'em Up, das durch das Missionssystem auf Action-Adventure getrimmt wurde und in spielerischer Hinsicht keine Bäume ausreißt. Es ist ein Beweis für die Qualität der Inszenierung und der Geschichte, dass ich die knapp 15 Stunden Spielzeit trotzdem genossen habe. Die Zwischensequenzen sind hervorragend, und trotz des Umfangs und unzähliger Charaktere bleibt die Story erfreulich überschaubar und hat nur wenige Längen. So machen interaktive Filme Spaß!