Mein Fiat Punto fährt 210, schwupp, die Polizei hat´s nicht geseh´n. Ich geb Gas, macht das Spaß?
Hersteller:
Termin:
Spieler:
Testurteil:
80
Steuerung
85
Grafik
65
Sound
81
Multiplayer
71
18.01.2006 15:00 Uhr - Schnittige Kurven in jeder Hinsicht, gepaart mit arcadelastigem Gameplay und ausufernden Tuningoptionen zahlreicher Originalkarossen - das ist das Erfolgsrezept der Need for Speed-Serie. Warum die Autobastler nie bei ihren illegalen Straßenrennen quer durch die City erwischt wurden, bleibt jedoch bis heute ein Geheimnis der Entwickler.
Denn bei der Vielzahl an kriminellen Vergehen, die in den beiden Underground-Teilen begangen wurden, ist die niedrige Polizeipräsenz schlichtweg sonderbar. Doch die Zeit der ungeahndeten Verkehrssünden ist jetzt vorbei! Die Entwickler von EA Canada haben für Most Wanted jede Menge Cops verpflichtet, die neuerdings in der virtuellen Großstadt Streife fahren.
Abgeblitzt
Das heißt jedoch noch lange nicht, dass man im neuesten Need for Speed-Ableger brav die Straßenverkehrsordnung befolgen muss. In der GameCube-Version gehören heiße Verfolgungsjagden mit rabiaten Cops fest zum Gameplay. Seid ihr in den drei Arealen eurer frei erkundbaren Stadt mal wieder mit durchgedrücktem Gaspedal unterwegs und rasselt dabei mit Karacho in eine Radarfalle, hängt euch schon bald eine ganze Polizei-Armada am Heck.
Gleichzeitig wird eine Leiste am unteren Bildschirmrand eingeblendet, die euch signalisiert, ob ihr auf einem guten Weg seid, die Verfolger abzuschütteln. Sinkt die Anzeige in den roten Bereich ab, haben euch die Ordnungshüter schon bald geschnappt. Durch das gezielte Ansteuern so genannter Stopper könnt ihr jedoch eure Verfolger loswerden.
Asphaltrowdies
So rast ihr zum Beispiel mit einem Affenzahn in die Zapfsäule einer Tankstelle und bringt diese zur Explosion, um damit bei den Polizisten Verwirrung zu stiften. Kurz darauf scheppert ihr mit eurem aufgemotzten Kleinwagen in eine Stahlkonstruktion und lasst dadurch einen riesigen Plastikdonut nach unten purzeln. Praktisch: Dank GPS-System, das sich jederzeit mit dem Steuerkreuz zuschalten lässt, könnt ihr euch einen Wegweiser zu diesen Stoppern anzeigen lassen.
Auch der Einsatz des Speedbreakers, der standardmäßig in eurem Wagen eingebaut ist, verschafft euch in brenzligen Situationen den entscheidenden Vorteil: Indem ihr den C-Stick nach oben drückt, verlangsamt ihr das Spielgeschehen und steigert so eure Reaktionszeit auf dem Asphalt oder umfahrt Polizeisperren, ohne mit ihnen zu kollidieren.
Auch der Abstecher auf Highways, welche die Areale miteinander verbinden, kann sich als nützlich erweisen, um die Verfolger abzuschütteln. Seid ihr erfolgreich vor den Gesetzeshütern geflohen, bekommt ihr Kopfgeld gutgeschrieben - abhängig ist die Summe von der Verfolgungsdauer sowie dem verursachten Sachschaden, der wiederum auf der Anzahl aller zerstörten Polizeiwagen, umfahrenen Nagelbänder und Straßensperren basiert.
Bullen in der Tasche
Mit den spannungsgeladenen Verfolgungsjagden der GameCube-Version können die Hosentaschen-Cops leider nicht mithalten. In Need for Speed: Most Wanted für Game Boy Advance und DS wird euch nicht erlaubt, frei in einer Stadt herumzufahren und Fahrzeughändler, Tuningwerkstatt und Renn-Events anzusteuern. Stattdessen sucht ihr euch eure Ziele aus einem simplen Menü aus.
Habt ihr genügend Events bestritten, fordert euch wie im stationären Ableger ein neues Mitglied der "Blacklist" heraus - hier sind die 15 meistgesuchten Pistenrowdies verewigt. Durch Siege sammelt ihr schließlich Respektpunkte, die euch in der Fahndungsliste nach oben bringen und euch Respekt in der Szene verschaffen. Habt ihr einen Streetracer in die Schranken verwiesen, wird euch der Zugriff aufs nächste Kapitel gewährt und eine fette Prämie aufs Konto gebucht.
Mit der gewonnenen Kohle schaltet ihr dann neue Heckspoiler, Aufkleber, Felgen und andere modische Accessoires frei. In der DS-Version zeichnet ihr Decals in der Größe 32 x 32 Pixel übrigens bequem mit dem Stylus. Ansonsten dürft ihr leider nur sehr wenige der optischen Schmankerl selbst bestimmen, sondern rüstet eure PS-Monster in Stufen auf. Die Tuning-Optionen auf dem Game Boy Advance sind ebenfalls etwas mager; in dieser Hinsicht bietet die Cube-Version klar die größte Modifikationsvielfalt.
Mit dem Fehlen einer komplexen Großstadt auf den Handhelds geht leider auch ein wichtiger Bestandteil des Most Wanted-Gedankens verloren: Ihr seid hier nicht dem ständigen Druck ausgesetzt, von der Polizei gefasst zu werden, sondern bestreitet eure Rennen meist ohne Cops. Solltet ihr auf dem DS doch einmal in ein Nagelband geraten, entkommt ihr aus der misslichen Lage, indem ihr kurz auf den Touchscreen tippt - das hätte deutlich prickelnder umgesetzt werden können!
Grafischer Meilenstein?
Technisch reißt Most Wanted auf allen Systemen keine Bäume aus. Abgesehen von den Rennen, die jetzt am Tage stattfinden, wurden die Engines der Vorgänger beinahe unverändert übernommen. Immer noch sorgt die störrische Steuerung der DS-Version für unkontrollierte Lenkmanöver, auch die GBA-Version fällt durch die schwammige Kontrolle der Pixelboliden ab. Das Spieltempo des großen GameCube-Bruders ist zwar okay, hat aber mit Slowdowns während der Kurvendrifts zu kämpfen.
Aufgrund nachlässiger Videokomprimierung kommt es selbst während der Zwischensequenzen, in denen diesmal echte Schauspieler mitwirken, zu heftigen Rucklern. Alles in allem ist das neue Need for Speed zwar kein technischer Meilenstein, dank der gewohnt guten Spielbarkeit aber garantiert ein Most Wanted für alle Rennspiel-Fans mit Tuning-Vorliebe!
Der übrige Verkehr wird oft unfreiwillig in die Streetraces hineingezogen.
Die Funkeneffekte gehören zu den grafischen Highlights des Spiels.
Anders als auf den Handhelds sehen die Karambolagen auf dem Cube richtig wuchtig aus.
Sicher, grafisch lässt die Game-Cube-Version die stimmige Farbgebung und den realistischen Look der PS2- und Xbox-Versionen vermissen. Spaß macht es aber trotzdem. Die Idee, das gelungene Underground-Gameplay mit hitzigen Cop-Verfolgungsjagden zu kombinieren, ist einfach cool. Die Handheld-Versionen können mich leider nicht wirklich überzeugen.