Bombastisch inszeniert: Activisions Weltkriegs-Shooter begeistert durch geballte Action und eine grandiose Atmosphäre
Hersteller:
Termin:
Spieler:
Testurteil:
86
Steuerung
87
Grafik
84
Sound
87
Multiplayer
80
07.01.2006 15:00 Uhr - Auf dem PC hat die Call of Duty-Reihe bislang weit mehr Anhänger als auf Heimkonsolen, was hauptsächlich an der zwar guten, aber nicht auf ganzer Linie überzeugenden ersten Konsolenfassung Finest Hour liegt. Mit dem zweiten Konsolen-Call of Duty will Activision jetzt endlich auch uns Konsoleros glücklich machen und sich seinen Platz im Olymp der Edel-Shooter sichern.
Gemeinsam stark
Um sich von anderen Weltkriegs-Shootern abzuheben, setzen die Entwickler nicht nur auf geballte Technik-Power, sondern auch auf ein interessantes Szenario, in dem ihr die berühmte Big-Red-One-Einheit bei ihren Kämpfen in Nordafrika und Europa begleitet. Dabei wurde Wert darauf gelegt, den Spieler in sein Team zu integrieren und eine Beziehung zu seinen Kameraden entstehen zu lassen. Dies gelingt zumindest teilweise, sofern es die Action überhaupt erlaubt, sich um seine Gefährten und deren Wohlergehen zu kümmern.
Strikt nach Drehbuch
Nachdem am Vorgänger die KI der virtuellen Soldaten in Fachkreisen kritisiert wurde, wurde sowohl freundlichen als auch feindlichen Einheiten eine ordentliche Portion Hirn in die virtuellen Schädel eingehaucht. Das soll zwar nicht bedeuten, dass Activision die Messlatte für intelligente Gegner nach oben geschraubt hat, aber dennoch sind die Jungs im Vergleich zum ersten Teil eine ganze Ecke cleverer und somit alles andere als Kanonenfutter.
Sie fliehen vor Granaten, suchen Deckung und verharren dahinter schon auch mal für längere Zeit. Dafür wird die Intelligenz des Spielers kaum gefordert: Big Red One ist im Einzelspieler-Modus wie jedes Call of Duty von Vor- bis Abspann durchgescripted und ein Musterbeispiel für linearen Spielverlauf. So negativ dies auch klingen mag, im Fall von Call of Duty sorgt gerade das Scripting für ein atemberaubendes Spielerlebnis.
Die zahlreichen spektakulären Scripts wie abstürzende Flugzeuge und Bombenangriffe sind so eindrucksvoll inszeniert, dass man den Eindruck haben könnte, einen Hollywood-Streifen zu sehen. Die Kehrseite der Medaille: Dem Spieler bleibt nur ein Weg, seine Mission zu erfüllen. Auf diesem Weg wird er dann durch teils sichtbare, teils aber auch unsichtbare oder schwer nachzuvollziehende Begrenzungen gehalten.
Hin und wieder geht's im Spielverlauf auch nur dann weiter, wenn ihr eine bestimmte Aktion ausgeführt habt. Zum Beispiel zerstört eine Bombe eine Mauer, die den weiteren Weg blockiert, wenn der Spieler eine Flak-Stellung in der Umgebung gesäubert hat. Einige Missionen finden komplett in Vehikeln wie Panzern statt. Sogar an Luftangriffen könnt ihr teilnehmen und euch im Flieger bewegen, Bomben abwerfen und Bordgeschütze steuern.
Die teils fast zu langen Baller-Passagen an stationären Waffen oder an Bord von Fahrzeugen bringen zwar Abwechslung, sind aber spielerisch schwächer als die sehr kurzweiligen Missionen, die der Spieler zu Fuß bestreitet.
Filmreif
Die Inszenierung des Shooters ist hervorragend: die Grafik ist zwar nicht immer flüssig, sieht aber um Längen besser aus als die des Vorgängers. Die optische und akustische Präsentation schafft eine sehr beklemmende Atmosphäre, die das Spiel zum Erlebnis werden lässt und aus einem Hollywood-Streifen stammen könnte.
Explosionen und Bombeneinschläge lassen den Subwoofer mächtig dröhnen und auch die Waffensounds klingen sehr authentisch. Die Musik ist ein Genuss: die orchestralen Klänge passen hervorragend zum Geschehen auf den Schlachtfeldern und sind ebenso wie die Sprachausgabe auf höchstem Niveau.
Einsames Vergnügen
Multiplayer-Freunde haben das Nachsehen, denn Big Red One bietet keinen Mehrspieler-Modus. Doch auch solo macht der Shooter eine Menge Spaß, selbst wenn der Umfang etwas größer hätte sein dürfen. Seinen N-ZONE-Hitstempel hat sich Big Red One aber auch so verdient. Mission erfolgreich abgeschlossen, Activision!
Die Zwischensequenzen, in denen ihr euch frei umsehen könnt, sind in Spielgrafik gehalten.
Dieser Screenshot lässt
erahnen, wie actionreich es um eure Spielfigur herum zugeht.
Im Spielverlauf erwarten euch zahlreiche Ballerpassagen an
stationären Waffen.
Für die Fahrzeuge steht eine alternative Steuerungsvariante zur Auswahl.
Gigantisch - das beschreibt die Inszenierung von Big Red One wohl am besten. Zahlreiche gut gescriptete Ereignisse, ununterbrochene Action, viel Abwechslung und eine technisch gute Umsetzung des interessanten Szenarios zogen mich bereits nach wenigen Minuten ihn ihren Bann. Daran ändern auch schwächere Spielelemente wie zum Beispiel zu lange, eintönige Baller-Passagen oder auch die sehr konsequente Abfolge von Scripts nichts.